Bochumer Einkaufsgemeinschaft kommt ohne Supermarkt aus

Volker Schneider, Elisabeth Marx-Köppen und Ewald Groth (v.r.n.L), Mitglieder der Mei-Coop-Einkaufsgemeinschaft für Bio-Lebensmittel.
Volker Schneider, Elisabeth Marx-Köppen und Ewald Groth (v.r.n.L), Mitglieder der Mei-Coop-Einkaufsgemeinschaft für Bio-Lebensmittel.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Mei-Coop bestellt ihre Lebensmittel beim Erzeuger oder Großhändler. Sie wurde von der Fahrradguerilla in einem besetzten Haus in Hamme initiiert.

Bochum.. Anständig essen – das wollen die Mitglieder der Mei-Coop, einer Einkaufsgemeinschaft für Biolebensmittel. „Ein schonender Umgang mit Wasser, Boden, Mensch und Tier ist mir bei der Auswahl der Lebensmittel wichtig“, sagt Mitglied Ewald Groth. Betritt man die Räume der Gruppe in Hamme fühlt man sich zunächst wie in einem Bioladen. In den Regalen stehen Aufstriche, Konserven, Nudeln, Kaffee, Tee, Schokolade und vieles mehr. Auch eine Reihe mit frischem Obst und Gemüse fällt sofort ins Auge.

Spätestens aber, wenn der Blick auf den großen Korb mit Broten fällt, ist klar, dass hier einiges anders ist: Kleine mit Namen versehene Holztäfelchen ragen zwischen den einzelnen Laiben hervor und zeigen an, welches Coop-Mitglied welches Brot bestellt hat. „Einmal die Woche werden wir mit frischen Waren wie Obst, Fleisch, Milch oder Brot beliefert“, erklärt Volker Schneider. Haltbares wird nach Bedarf bestellt.

Der 61-jährige Schneider ist Gründungsmitglied der Einkaufsgemeinschaft, die 1981 von der sogenannten Fahrradguerilla in einem besetzten Haus auf der Hofsteder Straße in Hamme initiiert wurde. „Die Gründung hatte ganz klar einen gesellschaftskritischen Hintergrund: gegen die industrielle Produktion und für ökologische und nachhaltige Lebensmittelerzeugung. Wir hatten einen ganzheitlichen Ansatz, haben uns gefragt: wie wird etwas hergestellt? Und was verursacht das – sowohl ökologisch als auch sozial“, erinnert sich Schneider. Im Laufe der Zeit sei der ganzheitlich-fundamentale Ansatz etwas in den Hintergrund gerückt: „Die Leute wollen einfach gute Lebensmittel zu einem günstigen Preis“, so Schneider. Weil die Gruppe direkt beim Erzeuger oder Großhändler bestellt, sind die Preise im Vergleich zum Bio-Supermarkt moderat.

Einmal die Woche frische Ware

„Wir versuchen, alles so regional wie möglich zu beziehen“, erklärt Elisabeth Marx-Köppen. So kommt das Fleisch und die Rohmilch für die Mei-Coop etwa von einem Biolandhof in Bergkamen, das Geflügel aus dem Münsterland. „Aber wir haben hier vor Ort ja nicht einen Bauern, der alles anbaut. Würden wir nur regional bestellen, würde die Vielfalt leiden.“ Und auch darauf legen die Mitglieder Wert. Mittlerweile arbeitet die aus rund 50 Personen bestehende Gemeinschaft mit zehn bis zwölf Lieferanten zusammen, die ihre Waren zu den Räumen der Coop in Hamme bringen.

Aber das wirklich außergewöhnliche an der Mei-Coop ist die Tatsache, dass jedes Mitglied für sich selbst abrechnet. Es gibt kein Kontrollsystem. Trotzdem schreibt die Gemeinschaft keine roten Zahlen. „Das gegenseitige Vertrauen war einer der Gründungsgedanken. Und es läuft einfach. Wir pflegen hier eine komplett andere Art des Umgangs“, sagt Volker Schneider. Auch besitzt jedes Mitglied einen Schlüssel zu den Ladenräumen und kann so nach Lust und Laune rund um die Uhr „einkaufen“.