Bochumer Bäcker zahlen besonders hohe Kammer-Beiträge

Backen kostet. Deutlich mehr Beiträge bezahlen als Firmen anderer Innungenmüssen die Bäcker in der Handwerkskammer Dortmund. Auch im Vergleich zu anderen Kammern werden sie stärker belastet.
Backen kostet. Deutlich mehr Beiträge bezahlen als Firmen anderer Innungenmüssen die Bäcker in der Handwerkskammer Dortmund. Auch im Vergleich zu anderen Kammern werden sie stärker belastet.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Laut einer Erhebung der Verbandes freier Kammern sind die Beiträge der Handwerkskammer Dortmund hoch. Vor allem Bäcker werden stark belastet.

Bochum.. Bochums Bäcker müssen mächtig blechen. 931 Euro Jahresbeitrag verlangt die Handwerkskammer (HWK) Dortmund von einem Betrieb mit einem Jahresgewinn von 25 000 Euro. Die Nachbarn aus Essen, zugehörig zur HWK Düsseldorf, müssen ihrer Kammer dagegen bei gleichem Gewinn nur mit 174 Euro bezahlen und stehen auch in den höheren Gewinngruppen deutlich besser da.

Aber selbst innerhalb der eigenen HWK sind die Bäcker benachteiligt. Bei gleichem Gewinn bezahlen Metallbaubetriebe nur 641 Euro jährlich, Friseure gar nur 501 Euro. Aus Sicht des Bundesverbandes für freie Kammern (bffk) ist das ein Unding. „Ich halt das komplett für rechtswidrig. Es gibt eine unterschiedliche Veranlagung bei gleichem Gewinn“, sagt bffk-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus. Er bemängelt außerdem die „Kleinstaaterei“ unter den bundesweit 53 Handwerkskammern sowie 80 Industrie- und Handelskammer (IHK). Nicht nur die Beiträge der Unternehmen seien unterschiedlich („ganz besonders werden die Handwerker ausgequetscht“), auch die Berechnungsmethoden seien nicht einheitlich. „Während die Kammern vom Staat immer eine Harmonisierung verlangen, kriegen sie es selbst nicht hin für Ausgleich zu sorgen.“

Beiträge der HWK Dortmund gehört zu den höchsten

Tatsächlich ist das Beitrags- und Gebührengeflecht sowie die Vergleiche zwischen den Kammern nicht leicht zu überblicken. Für den bffk sei es eine „Monsteraufgabe“ gewesen, einen bundesweiten Vergleich unter allen Kammern für die Jahre 2012 bis 14 anzustellen. „Die Kammern sorgen ja nicht für diese Transparenz, daran haben sie kein Interesse“, sagt Kai Boeddinghaus. Vor allem die HWK Dortmund, in deren Bereich Bochum fällt, steht in der Kritik. Ihre Beiträge gehörten zu den höchsten.

Aus Sicht von Ernst Wölke, Hauptgeschäftsführer der HWK Dortmund, läuft die Kritik ins Leere. „Wenn es zum Vergleich von Beiträgen und Gebühren kommt, bin ich überzeugt, dass wir deutlich günstiger dastehen als viele andere.“ Günstiger als die HWK Dortmund, deren 20 000 Betriebe im Durchschnitt 400 Euro Jahresbeitrag bezahlen, sei nur die in Düsseldorf, zu der auch Betriebe in Essen gehören. Das liege daran, dass diese ihre Kosten auf 60 000 Betriebe umlegen kann und daher „immer günstiger sein wird als wir“.

Beitrag enthält auch eine Umlage

Berücksichtigt werden müssten aber nicht nur die Größe der Kammern, sondern unterschiedliche Beitragsberechnungen. Die Dortmunder Kammerbeiträge enthalten auch eine Umlage, die alle Betriebe – ob sie ausbilden oder nicht – für die überbetriebliche Ausbildung bezahlen. Anders als bei anderen Kammern würden keine Gebühren mehr anfallen. Die Unterschiede zwischen den Gewerken erkläre sich dadurch, dass die überbetriebliche Ausbildung unterschiedlich genutzt werde, „Bäcker bilden überbetrieblich mehr aus als Metallbauer oder Friseure“.

Auch von der beklagten Kleinstaaterei könne keine Rede sein, sagt der HWK-Hauptgeschäftsführer. So hätten nur die Kooperationen unter den Kammern dafür gesorgt, dass trotz steigender Kosten die Ausbildungsumlage seit zehn Jahre stabil sei. Außerdem würde auch über Fusionen nachgedacht, etwa mit der Handwerkskammer Arnsberg.

IHK-Beiträge gehören zu den höchsten

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet hält nichts von „Einheitsbrei“, wie Sprecher Jörg A. Linden die Forderung nach einer Harmonisierung der Beiträge kommentiert. Berücksichtigt werden müssten regionale und strukturelle Unterschiede. Und: Die Unternehmen selbst entschieden in der Vollversammlung über die Beiträge und darüber, welches Serviceangebot neben den hoheitlichen Aufgaben ihre Kammer vorhalten soll.

Mit einer deutlichen Senkung des Umlage-Hebesatzes von 0,33 auf 0,25 Prozent in vier Schritten zwischen 2008 und 2011 hatte die hiesige IHK ihre derzeit 28 500 Betriebe, von denen knapp die Hälfte derzeit Beiträge bezahlen, spürbar entlastet. „Die finanzielle Situation der IHK hat damals diesen Spielraum zugelassen“, so Linden. Allerdings hat sich die Lage mittlerweile verändert. Da die Ausgaben 2014 um eine Million Euro über den Einnahmen lagen und auch in diesem Jahr trotz Einsparungen unter anderem beim Personal ein Defizit entsteht, „wird auch geprüft, inwieweit wir die Einnahmesituation auch durch höhere Beiträge verbessern können“.

Eine Entscheidung werde die Vollversammlung frühestens Ende des Jahres treffen. Fakt ist: Mit einem Durchschnittsbeitrag von 412 Euro (2013) gehört die IHK Mittleres Ruhrgebiet weiter zu den teuersten in der Republik. Im Ranking der 80 Kammern belegt sie Platz elf – Spitzenreiter ist Siegen mit einem durchschnittlichen Beitrag von 589 Euro, Schlusslicht ist Münster (138 Euro). Die HWK Düsseldorf liegt mit 252 Euro im unteren Drittel.