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Finanzen

Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte

23.08.2010 | 12:00 Uhr
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte

Bochum.Die Stadt Bochum büßte durch horrende Wechselkursgeschäfte mit Schweizer Franken über 12 Millionen Euro ein. CDU und Linkspartei im Rat der Stadt werfen dem Kämmerer Dr. Manfred Busch nun Zockerei vor.

Über 12 Millionen Euro büßte die Stadt Bochum seit Januar 2010 durch horrende Wechselkursgeschäfte mit Schweizer Franken ein, weil der Euro schwächelt. Bochums Stadtkämmerer Dr. Manfred Busch kassiert deshalb scharfe Kritik von Ratsmitgliedern der CDU und der Linkspartei. Gegenüber der WAZ bestätigt Busch zwar den aktuellen Millionenverlust, hofft aber, dass sich das schlechte Währungsblatt noch wendet und sich damit das Problem gleichsam von allein erledigt.

Kassenkredite
Mit der Lizenz für Schweizer Franken

Stadtkämmerer Busch beruft sich darauf, dass die Kreditaufnahme in Schweizer Franken durch eine Entscheidung des Rates abgesichert sei. Die entsprechende Richtlinie zum Zins- und Schuldenmanagement mit der darin enthaltenen Ermächtigung zur Aufnahme von Fremdwährungskrediten in Schweizer Franken sei am 13. Dezember 2007 vom Rat beschlossen worden. Sinn dieser Kreditaufnahme sei es, von den auf Dauer und im Durchschnitt deutlich niedrigeren Schweizer Zinsen zu profitieren. Auch die Neufassung der Richtlinie vom 17. Dezember 2009 decke dies.

Als der Kämmerer aus dem Sommerurlaub aus Holland zurückkehrte, sah er sich gleich einer anschwellenden Attacke ausgesetzt. „Über 10 Millionen Euro verzockt?“, stellte die Ratsfraktion der Linkspartei anzüglich in den Raum. Schon im Juni hatte CDU-Ratsmitglied Hans Henneke in dieser Sache mal im Rat nachgefragt.

Zurzeit schon 12,1 Millionen Euro Verlust

Was war passiert? Tatsache ist, dass die städtische Kämmerei, zuständig für die Finanzen der Stadtverwaltung, gigantische Kassenkredite in Schweizer Franken aufgenommen hatte: am 19. Januar 2010 für 103 Millionen Schweizer Franken, was 70 Millionen Euro entsprach. Am 11. Februar 2010 legte die Kämmerei noch einmal nach, nahm einen noch größeren Kassenkredit auf - 117,5 Millionen Schweizer Franken (gleich 80 Millionen Euro).

Als Hans Henneke das erste Mal im Rat nachfragte, wie hoch eigentlich die Verluste durch diese Kreditgeschäfte seien, erklärte die Kämmerei im Juni, zum Stichtag 19. Mai 2010 könne man von einem Wechselkursverlust von etwa 6,2 Millionen Euro sprechen, falls man die Kassenkredite sofort ablösen würde.

Weil der Euro dem Schweizer Franken gegenüber weiter sank, beträgt der Verlust zur Zeit schon 12,1 Millionen Euro, sagte Uwe Vorberg, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat. „Es wird Zeit, dass die Stadtspitze ihr Finanzmanagement grundlegend überdenkt.“ Gegenüber der WAZ sagte Stadtkämmerer Busch, die genannten Zahlen würden stimmen. Sowohl die Höhe der Kredite als auch der errechnete Währungsverlust.

Kommentar
Nicht aus dem Sparschwein

Jeder Kreditnehmer mag das schon einmal erlebt haben - wenn angesichts deutlich gesunkener Zinsen die Glückshormone jubeln. Auch wenn es noch schöner wäre, auf Kredite verzichten zu können und sich lieber aus dem Sparschwein zu bedienen.

Die Stadt mit ihrer Verschuldung von weit über einer Milliarde Euro hat zwar auch riesige Vermögenswerte wie etwa ihre Anteile an Gelsenwasser und RWE-Aktien, will diese aber behalten, weil sie hohe Renditen bringen. Das ist seit Jahren das herrschende Dogma der rot-grünen Mehrheitskoalition. Nichts deutet darauf hin, dass von diesem Kurs abgewichen wird.

Wenn nichts versilbert wird, müssen meistens Kredite her, möglichst zu kleinem Zinssatz. So war die Kämmerei auf die Fremdwährungskredite verfallen, speziell auf den Schweizer Franken. Das hatte sich in den Jahren 2008 und 2009 ausgezahlt, über acht Millionen Euro wurden so eingespart. Der Preis für diesen Zugewinn ist erhöhtes Risiko. Nichts ist umsonst.

Stadt will vom Zinsunterschied profitieren

Trotzdem sei die Lage auch bei „erratischen Schwankungen auf den Finanzmärkten“ nicht so dramatisch wie sie scheine. „Das ist eine Momentaufnahme. Niemand zwingt uns, diese Kredite jetzt aufzulösen. So bescheuert sind wir nicht“, erläutert er seine Kassenkredit-Geschäfte auf der Schweizer Franken-Basis. „Wir können Jahre warten, bis wir das tun. Wir diktieren diesen Zeitpunkt.“ Denn es seien Kredite ohne Fristbindung. Im Grunde brauche man nur abzuwarten, bis sich der Euro wieder erhole, Dann werde der jetzige Millionenverlust dahinschmelzen. Risiko: Wenn der Euro weiter schwächelt, wird der Währungsverlust immer größer.

„Wir leben vom Zinsunterschied“, begründet Dr. Busch, warum die Kämmerei sich überhaupt auf den Kredit-Deal mit Schweizer Franken eingelassen hatte. Die in Euro umgerechnete Summe in Höhe von 150 Millionen sei ohnehin nur „ein Zehntel unseres Kreditvolumens“, gab er einen Hinweis auf die dicke Verschuldung der Stadt.

Risiko: „Wenn für Schweizer Franken der Zins höher liegt als für den Euro, haben wir mit Zitronen gehandelt“, räumt der Finanzdezernent ein. Aber noch ist genau das Gegenteil der Fall. Noch.

Deshalb gehe die Stadtverwaltung dieses höhere Risiko ein, weil man vom Zinsunterschied profitiere. Für die beiden Millionen-Kredite auf Schweizer Franken habe die Stadt einen Zinsvorteil von 0,62 Prozent erzielt, aktuell liege er sogar bei 0,7 Prozent, nennt der Kämmerer Zahlen. Das bedeute pro Jahr eine Einsparung von rund einer Million Euro. Schon in den Jahren 2008 und 2009 habe der Rückgriff auf Fremdwährungskredite in Schweizer Franken funktioniert: 2008 wurden laut Busch dadurch 3,35 Mio Euro gespart, 2009 sogar 5,28 Mio Euro.

Rolf Hartmann

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Kommentare
24.08.2010
18:12
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von BUSCHtrommel | #17

#8

Hat der Grummer doch ein Glück.
Wählt die richtige Partei!
Legt sein Geld richtig an!

GLÜCKWUNSCH

24.08.2010
00:44
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Michael Beckmann | #16

Ist hier nicht langsam die Staatsanwaltschaft zuständig?
Welche Fraktion wird nun tätig?
Das muss doch geklärt werden!
Michael Beckmann

23.08.2010
23:57
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von fragenstellerin | #15

er ist am 28.02.1998 aus dem sicheren abgeordnetenjob ausgeschieden und am 1.juni als kämmerer in wesel eingestellt worden.
warum ist er ausgeschieden?
warum hat das so lange mit der einstellung gedauert?
was ist da vorgefallen?

23.08.2010
22:47
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von abcsagt | #14

Dr.rer.oec Manfred Busch studierte von 1973 bis 1983 Wirtschaftswissenschaften und war von 1979 bis 1983 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ruhr-Universität Bochum und von 1983 bis Mitte Mai 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsfraktion Die Grünen.
Busch war von 1990 bis 1998 Abgeordneter des elften und zwölften Landtags von Nordrhein-Westfalen.
Er zog jeweils über den Listenplatz 10 der Landesliste seiner Partei (Bündnis 90/Die Grünen) in den NRW-Landtag ein. Bis Ende Mai 1990 Mitglied des Vorstands des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der Partei DIE GRÜNEN und von 1989 bis 1990 Landesschatzmeister NRW der Grünen-Partei..
Ausgeschieden während der 12. Wahlperiode am 28.02.1998 wurde Manfred Busch ab dem 1. Juni 1998 Stadtkämmerer der Stadt Wesel.
Seit Juni 2005 ist Busch Stadtkämmerer der Stadt Bochum.

Genügend Qualitäten um im Finanz-Casino beim Roulet mitzuspielen. Die Stadt Bochum büßte durch horrende Wechselkursgeschäfte mit Schweizer Franken über 12 Millionen Euro ein.

23.08.2010
22:26
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Gartenfreunde | #13

Der Techische Betrieb,der Stadt Bochum wird bald eine AÖR dann können 160 Leute so wie so gehen.

Der Bürger bekommt einmal wieder weniger Leistung!
Unsere straßen werden noch schlimmer...

Wildwuchs wird schlimmer..

Herzlichen Glückwunsch!!!!!!!!!!

23.08.2010
22:22
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Bochumer112 | #12

@11 ich hoffe Sie sind bei Opel und werden von Ihren Arbeitsplatz auch gefeuert...

Und müßen dann bald für Ihr Arbeitslosengeld nach Düsseldorf..

23.08.2010
20:43
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Petra W. | #11

Gott sei Dank hat der Verwaltungsvorstand schon entschieden, dass das Jobcenter in die Hände der Bundesagentur fällt.
1. Vorteil: nocheinmal 300 Beschäftige der Verwaltung abgeschgoben!! und verkauft!!
2. keine soziale Verantwortung für die Bürger unserer Stadt mehr übernehmen müssen und somit auch im sozialen Bereich keinen Angriffspunkt mehr bieten. Na Klasse!! weiter so mit dem Ausverkauf.

23.08.2010
19:37
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Bochumer112 | #10

Dafür müßen ja auch 600 Mitarbeiter der Stadt Bochum gehen!

Aber Herr Dr.Busch bestimmt nicht..

Immer nur der kleine..............

23.08.2010
19:37
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von CMB | #9

Jede gescheite Hausfrau kann besser mit Geld umgehen als die selbsternannten Finanzexperten in den Rathäusern, nicht nur in Bochum. Warum wird nicht einfach mal kräftig der Rotstift angesetzt anstatt zu zocken und anschließend die Bilanzen schönzufärben?

23.08.2010
18:48
Bochum verliert Millionen durch Devisengeschäfte
von Grummer1971 | #8

Mein Gott, meine Lebensversicherung auf Fondsbasis war auch durch die Wirtschaftskrise auch ordentlich im Keller und hat jetzt 20 % wett gemacht.
Das wird schon ...

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