Bochum Total 2012 - Nicht schön, aber sinnlich
09.07.2012 | 16:47 Uhr 2012-07-09T16:47:00+0200
Bochum Vier Tage, fünf Bühnen, mehr als 60 Bands und weit über 500 000 Besucher: Die Veranstalter des größten Umsonst-und-draußen-Festivals mitten in der Bochumer Innenstadt sind mit der 27. Auflage sehr zufrieden. Eine Nachbrachtung der Kultveranstaltung.
Bochum Total, Du bist keine Schönheit. Aber gerade das macht Dich aus. Das Musikfest, das nun schon zum 27. Mal in der Innenstadt zwischen Bermudadreieck und Südring stattfand, ist fast ein klassisches Rock- und Popfestival.
Vier Tage, gut 70 Acts. Mitten im urbanen Raum. Und vor allem umsonst. Also so ziemlich das Gegenteil von so etwas wie Haldern-Pop, wo geschmackssichere Hipster mit akademischem Hintergrund zelten und die neuesten Entwicklungen der Neo-Folk-Pop-Avantgarde feiern.
Bei Bochum Total räumen immer noch Truppen wie die H-Blockx , deren Stern in den Neunzigern am hellsten leuchtete, zur Prime-Time auf der Hauptbühne gnadenlos ab. Hier feiert die schwarz gekleidete Gothic-Fraktion ihre Lieblinge von Letzte Instanz vor genau jener Bühne, auf der am Vortag auch Deutschland-sucht-den-Superstar-Gewinner Thomas Godoj sein Bestes gab.
Auch wenn die Musikindustrie strauchelt, die Faszination für die Darbietung und die Darbietenden hält an. Eine gute halbe Million Menschen kamen schon an den ersten drei Tagen nach Bochum, um Live-Musik zu erleben. Altgediente wie eben die H-Blockx oder die Früh-Neunziger-Punklegende Plan B – die nach einem bösen Gerücht nur deshalb eingeladen worden sein sollen, weil jemand sie mit dem aktuell erfolgreichen gleichnamigen englischen Hip-Hopper verwechselt haben soll.
Newcomer und Lokalhelden
Und auch Newcomer, deren Stern gerade aufgeht, wie Frittenbude, Max Prosa oder Vierkanttretlager. Und natürlich immer wieder die Lokalhelden. Mobilée aus Duisburg etwa begeisterten restlos mit ihren luftig-folkigen Sound-Welten zwischen Ukulele und Glockenspiel. Besonders hervorgetan hat sich als Spielort in diesem Jahr die Rotunde. Die Multifunktionsspielstätte im ehemaligen Katholikentagsbahnhof, die in der Bochumer Kunst- und Kulturszene eine immer präsenterere Rolle einnimmt, hat mit ihrem Musik-Programm nach Ende der Open-Air-Veranstaltungen offenbar einen Nerv getroffen: Der perfekte Übergang vom Konzert- ins Nachtleben.
Das war in diesem Jahr im Bermudadreieck vor allem von den Kopfhörerpartys geprägt. Menschen tanzen dabei mit Kopfhörern bewehrt auf der Straße. Für den Betrachter manchmal eine gespenstische Szenerie, zumal die Musikfans bei ihrem Tun zuweilen recht schauerlich mitsangen. Die „Silent Disco“ ist eben gar nicht mal so leise, wie man sich das vorstellt – was auch in einem Fall dazu führte, dass die Polizei eine der Partys wegen des Lärms am frühen Morgen beenden musste.
Perfekt funktionierendes Glasflaschenverbot
Für den üblicherweise strapazierfähigen Bochumer Innenstadtbewohner ist die Totalität eben immer auch eine Zumutung. Das Dank des perfekt funktionierenden Glasflaschenverbots vielfach genutzte Dosenbier macht – anders als es die Gruppe Illegal 2001 einst gesungen hat – eben nicht nur schlau. Doch trotz der scheinbar mutwilligen Wildpinkler , Pöbler und Gröler halten sich die Probleme laut Polizei und Veranstaltern in Sache Hygiene, Gewalt und Lärm für ein Festival dieser Größenordnung in engen Grenzen.
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Der Bochum Total 2012 Film:
http://www.bochumschau.de/bochum-total-2012.htm