Bochum ist oft das erste Ziel junger Flüchtlinge

Dolf Mehring, Jugendamtsleiter der Stadt Bochum.
Dolf Mehring, Jugendamtsleiter der Stadt Bochum.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wird neu organisiert. Seit dem 8. April kümmern sich vier Mitarbeiter am Bodelschwingh-Platz um sie.

Bochum.. Im vergangenen Jahr hat die Stadt 200 so genannte unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (umF) aufgenommen, aktuell sind 120 in verschiedenen Einrichtungen untergebracht. Bochum ist ein bevorzugtes Ziel. „Das liegt mit daran, dass wir im Drehkreuz Dortmund liegen“, sagt Jugendamtsleiter Dolf Mehring.

„Andere Städte haben deutlich weniger Flüchtlinge. Land und Bund wollen aber nun dafür sorgen, dass die Städte möglichst gleich behandelt werden. Das heißt, dass die Flüchtlinge zwar zunächst in Bochum ankommen, dann aber in umliegenden Städte untergebracht werden können. Das würde uns etwas entlasten.“

Mit Herzblut bei der Sache

Das Jugendamt hat die Betreuung, beziehungsweise Aufnahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge neu geordnet. Seit dem 8. April kümmern sich an zentraler Stelle (Bodelschwingh-Platz) vier städtische Mitarbeiter in enger Kooperation der Stiftung Overdyck um sie. „Ab dem 1. Mai sind es dann fünf“, sagt Mehring. „Eine Kollegin kommt noch aus dem Mutterschutz zurück. Alle sind aus dem vorhanden Personal gewählt worden. Uns ging es bei der Auswahl darum, Mitarbeiter zu bekommen, die mit Herzblut bei der Sache sind.“

Er sieht die Stadt bei der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge als bundesweiten Vorreiter. „Diese Herangehensweise hat Bedeutung über Bochum hinaus.“ Bisher kümmerten sich die Mitarbeiter des sozialen Dienstes um die jungen Flüchtlinge. „Das war auf 60 Leute aufgeteilt“, sagt Mehring. „Da hat der eine das so gemacht, der andere anders. Das war nicht einheitlich. Nun wird es auf bestimmte Mitarbeiter konzentriert. Die können alle Flüchtlinge gleich behandeln, das wird ein standardisiertes Verfahren. Wir setzen uns auch einen Zeitrahmen von sieben Tagen, bis alles geklärt ist. Das ist anspruchsvoll, wir glauben aber auch machbar.“

Bei den jungen Flüchtlingen muss immer zunächst festgestellt werden, ob sie auch wirklich minderjährig sind. „Das geschieht durch Inaugenscheinnahme“, sagt Mehring. „Das ist nicht immer einfach. Es kommt vor, dass Flüchtlinge nur angeben, minderjährig zu sein, weil sie wissen, dass bei ihnen dann die Jugendhilfe greift. Wir aber wollen natürlich nicht unsere Jugendhilfeinrichtungen mit jungen Erwachsenen füllen.“