Blondschopf mit artistischer Schusstechnik

Satter Schuss: Juniorenfußballer Fynn Albers beim Training in der Sporthalle am Leithenhaus.
Satter Schuss: Juniorenfußballer Fynn Albers beim Training in der Sporthalle am Leithenhaus.
Foto: Funke Foto Services/ Ingo Otto
Ein Bild von Langendreers Juniorenfußballer Fynn Albers belegt bei der Wahl zum „Sportfoto des Jahres“ den zweiten Platz.

Bochum.. Das rechte Bein tritt gestreckt nach dem Ball in der Luft, eine Hand ist zur Faust geballt, das Gesicht konzentriert, ja geradezu angestrengt verzerrt. Die blonden Locken wehen um das Gesicht des hochkonzentrierten Jungen, der den Ball gerade noch mit der Fußspitze erwischt, bevor der Gegner ihn wegköpfen kann.

Es ist eine artistische Einlage von Fynn Albers, dem Mittelfeldspieler des SV Langendreer. Eingefangen hat sie der Dülmener Jürgen Fromme, der damit zum preisgekrönten Sportfotografen avancierte. Bei der Wahl zum „Sportfoto des Jahres 2014“ hob die Jury des Fußballmagazins „Kicker“ Frommes Foto auf den zweiten Platz in der Kategorie „Fußball Amateure und Jugend“.

Fotografische Umsetzung perfekt inszeniert

„Augen zu und durch“ heißt es in dem Magazin: „Die Endrunde des Emscher-Junior-Cups, ein Kleinfeldturnier für F-Jugendliche, geht am 22. Juni in Oberhausen über die Bühne. In einem der finalen Spiele schenken sich der kleine Ballkünstler vom SV Langendreer 04 und sein Gegenspieler vom BV Rentfort nichts, sie kämpfen wie die Großen ehrgeizig um jeden Ball.“

Auch die Jury sah die fotografische Umsetzung des Moments auf dem Platz perfekt inszeniert und honorierte Jürgen Frommes Arbeit mit dem zweiten Preis, der immerhin dotiert ist mit 1250 Euro.

An den magischen Moment selbst kann sich Fynn selbst gar nicht mehr erinnern: „Das war auf irgendeinem Turnier“, sagt er, als er von der Auszeichnung für den Sportfotografen hört, und zuckt nur mit den Schultern. Den Fotografen kennt der Viertklässler auch nicht.

Eine Fußballerfamilie

Seit drei Jahren spielt er nun schon beim SV Langendreer 04, der in diesem Jahr seinen 111. Geburtstag feiert. Schwester Lena (17) und Bruder Mika (15) spielen ebenfalls, und auch sein Vater trifft sich regelmäßig mit den Kumpels zum Hobby-Kick nach Feierband. Die Albers’ sind eine Fußballerfamilie. „Fynn hat schon als kleiner Junge viel im Garten gekickt“, erinnert sich Mutter Gabriele. Als dann ein Freund beim SV Langendreer 04 anfing war klar, dass Fynn auch in den Verein wollte. Im zentralen Mittelfeld kickt er nun und fühlt sich auf der Position pudelwohl. „Ich war auch mal Verteidiger“, erinnert er sich. „Aber das ist lange her.“

Zum Training läuft er an diesem Tag im Trikot von Bundesligist Werder Bremen auf, seinem Lieblingsverein. „Meine Freunde mögen auch Bayern, Bochum und Dortmund. Aber ich mag eben Bremen“, stellt Fynn klar. Und warum gerade Fußball? „Das macht einfach Spaß. Ich mag Ballsportarten lieber als andere. Ich spiele auch Tischtennis, aber nicht im Verein.“

Von seiner neuen „Berühmtheit“ durch das bundesweit bekannt gewordene Foto hat er über mehrere Ecken erfahren. Ein entfernter Bekannter erzählte Fynns Mutter von dem Foto. Es machte ihr nichts aus, dass das Bild ihres Kindes ungefragt groß in der Zeitung abgedruckt wird: „Nö, da habe ich nichts dagegen. Wenn das beim Fußball passiert, finde ich das okay.“ Auf eine spätere Karriere als Profifußballer und somit weitere Abbildungen in Fußballmagazinen legt Fynn Albers im übrigen überhaupt keinen Wert. „Ich möchte Fußball nur als Hobby machen“, sagt er.