Bildungsreise führt Bochumer Schüler in ein Krisengebiet

Die Bochumer Schülerinnen und Schüler besuchten im März des vergangenen Jahres auch das Grab von Yasser Arafat in Ramallah.
Die Bochumer Schülerinnen und Schüler besuchten im März des vergangenen Jahres auch das Grab von Yasser Arafat in Ramallah.
Foto: Andreas Keuchel
Regelmäßig besuchen Schüler des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums Israel und Palästina. Möglich macht das die Peter-Maffay-Stiftung und der Verein „Begegnungen-Schutzräume für Kinder“.

Bochum.. Der Nahostkonflikt, der Krieg zwischen Israel und Palästina ist etwas aus der aktuellen Berichterstattung verschwunden. Für einige Schülerinnen und Schüler des Heinrich-von-Kleist Gymnasiums aber gibt es dieser Tage kaum etwas Wichtigeres als diese beiden Länder, die schon so lange ihre Probleme immer wieder mit Waffengewalt zu lösen versuchen. Die Schüler nehmen am trilateralen Jugendaustausch zwischen Israel, Palästina und Deutschland teil. Es ist ein Projekt der Peter-Maffay-Stiftung und gemeinsam mit der Landesregierung organisiert ihn der Verein „Begegnungen-Schutzräume für Kinder“.

Sascha Hellen, Eventmanager, freier Journalist und Medienberater, hat den Austausch am Gymnasium in Gerthe etabliert. Regelmäßig besuchen Bochumer Schüler Israel, kommen junge Israelis und Palästinenser nach Deutschland, auch nach Bochum. Zum Ende des vergangenen Jahres musste der Besuch aus Israel und Palästina kurzfristig abgesagt werden. Es flogen Bomben, eine sichere Ausreise war nicht zu gewährleisten. Bomben, Krieg, Tote, es gehört zu diesem besonderen Austauschprogramm dazu.

„Ich habe auf beiden Seiten gute Freunde"

Wobei Hellen schmunzeln muss, wenn er an die Berichterstattung des Konfliktes in den Medien denkt. „Man kann auch in Israel deutsches Fernsehen empfangen. Und dann sitzt man in Jerusalem, trinkt einen Kaffee, schaut deutsches Fernsehen und da wird berichtet, dass dort Bomben fliegen. Da wundert man sich schon. Man darf das Land nicht auf die eine Minute dreißig in den Nachrichten reduzieren.“

Ihm liegen Israel und Palästina am Herzen, er hat die Länder schon als Schüler bereist. „Ich habe auf beiden Seiten gute Freunde und es ist immer wieder spannend, wie sich Israelis und Palästinenser beim gemeinsamen Besuch in Deutschland immer annähern, dass sie feststellen, wie ähnlich sie sich sind, die gleichen Interessen haben und wie schwierig es doch ist, dass sie die Grenzen überwinden.“

Übernachtung in der Jugendherberge

Der trilaterale Jugendaustausch ist kein klassischer Schüleraustausch. Die jungen Israelis und Palästinenser sind nicht bei deutschen Familien untergebracht, die deutschen Schülerinnen und Schüler nicht bei israelischen. „Wir übernachten in Jugendherbergen“, sagt Eckhard Buda, Schulleiter des HvK-Gymnasiums. „Urlaub ist das sicherlich nicht. Aus schulischer Sicht ist es eine Bildungsreise. Die Tage sind voll gepackt mit Programmpunkten und es kann dann sein, so ist es passiert, dass man gerade am Grab von Oskar Schindler steht und dann die Nachricht bekommt, dass der damalige israelische Staatspräsident Shimon Peres genau jetzt Zeit habe.“

Leja Korneffel (15) hat bereits am Israel-Austausch teilgenommen, Michelle Mrosek (14) bereitet sich gerade darauf vor. Angst hatte Korneffel nicht, hat Mrosek nicht. Die vielen positiven Erlebnisse, die Korneffel gemacht hat, „die Menschen sind sehr gastfreundlich, das war eine sehr spannende Reise mit beeindruckenden Erlebnissen“, kommen auf Mrosek noch zu. Für Hellen sind es zwei weitere deutsche Jugendliche, die ähnlich wie die vielen aus Israel und Palästina „mit dazu beitragen können, damit in Zukunft keine Kriege mehr entstehen“.