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Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof

27.07.2010 | 19:01 Uhr
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
Die Ausstellung World Press Photo ist im Hauptbahnhof Bochum bis zum 2. August zu sehen.

Bochum.Erstmals wird im Bochumer Hauptbahnhof die Ausstellung World Press Photo (WPP) gezeigt. Aus den zehn Wettbewerbskategorien sind 167 Fotos zu sehen, neben dem jeweiligen Siegerbild eine Auswahl der bestplatzierten Arbeiten.

Bochum ist die dritte Station dieser Wanderausstellungs-Tour mit der Deutschen Bahn. Die Ausstellung wird an 100 Orten präsentiert; zeitgleich zu der einen Woche in Bochum (bis zum 2. August) in Tokio, Santiago de Chile und St.Petersburg. „Ziel ist, ein breites Publikum zu erreichen“, erklärte zur gestrigen Eröffnung Anna-Lena Mehr, WPP-Projektmanagerin. Ins Auge fallen besonders die drastischen Bilder aus den Konfliktgebieten wie Afghanistan, Irak und Palästina. Da werden Steinigungen islamistischer Aufständischer gezeigt nach der Einführung der Sharia in Somalia, tote palästinensische Kinder nach dem Angriff der Israelis, verstümmelte Patienten in einem irakischen Krankenhaus.

„Ich war entsetzt über die Brutalität mancher Bilder. Es handelt sich beim Bahnhofsgebäude um einen öffentlichen Raum; das eignet sich nicht für Kinder“, so kommentierte etwa Martina Steinmacher die Ausstellung, die sie am Vormittag gesehen hatte.

„Wir haben Warnhinweise aufgestellt“

In der Tat sind krasse Dokumente von Gewalt zu sehen. „Wir haben Warnhinweise aufgestellt und versucht, die allzu heftigen Fotos nicht direkt an die Laufmeile zu stellen. Darauf sollten Eltern kleiner Kinder achten“, so Anna-Lena Mehr. Auch Bilder aus einem umbrischen Schlachthof sind wohl nichts für sorglose Fleischesser. Nahezu surreal dabei der Eindruck für Betrachter in dem kleinen Bochumer Bahnhof: Über allem weht der Geruch von Pommes und Bratfett.

Aber es gibt auch Bilder, die einfach nur wunderschön sind, wie jene Naturaufnahmen aus der Antarktis, die Pinguinkolonien zeigen. Bemerkenswert auch die kleine Fotoserie des Chinesen Ou Zhihang, der nackt Liegestütze macht jeweils vor Stätten der Ungerechtigkeit wie einem Gefängnis, wo es Todesfälle gab, Opfer von Müllverbrennungsanlagen und Gewalt an einem Hüttenwerk. Viel Fläche nehmen auch Portraits ein, die Menschen bei ihrer Arbeit, in Krankheit oder Kinder im Wachstum begleiten.

Die Stelltafeln ziehen sich vom Eingang hin zu den Seitengängen entlang der Geschäfte und vorbei an den Bahnsteigaufgängen bis zum Südausgang. Die Ausstellung wird in dieser Größe überall gezeigt. „Diese Auswahl ist keine Übersicht über das Weltgeschehen, sondern eine fotografische Reise aus dem Blickwinkel der Fotografen“, darauf weist die Ausstellung auch hin. Das Siegerbild von Pietro Masturzo bildet zwar auch eine Szene aus einem Krisengebiet ab, ist aber von erhabener Schönheit: Es zeigt irakische Frauen, die in der Abenddämmerung ihren Protest gegen die Präsidentenwahl von Hausdächern herabschreien.

Sabine Vogt

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Kommentare
30.07.2010
00:23
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von Santos | #6

Ich wage zu behaupten: Wenn man jetzt Fotos der Leichen aus der Duisburger Love-Parade-Bahnunterführung im Bahnhof Bochum ausstellen würde (oder es tun wollte, ich hoffe, dass dann doch jemand vorher verhindernd einschreiten würde), würde die Perversität dieser Zurschaustellung von in Not geratenen oder elend umgekommenen Menschen allen schlagartig klar werden. Aber im Bahnhof Bochum geht es nur um die Toten der Anderen. Es werden keine Gründe und Zusammenhänge klar gemacht, sondern es wird eine morbide Asthetik geschändeter Menschenwürde zur Schau gestellt. Der Deutschen Bahn, diesem kranken und krankmachenden Unternehmen, geht es am allerwenigsten um Aufklärung und Verhinderung von weiterem Leid. Den Zug der Erinnerung als Gedenk-Aktion für mit der Eisenbahn ins Vernichtungslager gefahrenen Kinder hat die DB nach bestem Vermögen behindert und bekämpft. Obwohl dabei keine Horrorszenen gezeigt werden. Das Verhalten der DB offenbart einen Abgrund von Niederträchtigkeit und Feigheit. Aber das ist im Großen und im Kleinen nichts Neues bei diesem Unternehmen.

29.07.2010
01:21
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von Binar | #5

Bisher habe ich eher die Treppen als den Gang als Nadelöhr empfunden. Und zumindestens einen Vorteil hat die Ausstellung außerhalb eines Zuges: Sie ist immer geöffnet. Ich musste diese Nacht am Bochumer Hbf warten und war bei weitem nicht der einzige, der sich dann dort diese Austellung angeguckt hat.

Heute Nachmittag war ich übrigens auch schon am Bahnhof und habe dort mangels Zeit keinen Blick auf die Bilder geworfen. Es ist wohl nicht unmöglich, den Bahnhof zu durchqueren, ohne sich Bilder anzugucken, die möglicherweise negative Gefühle hervorrufen.

Und zum Thema sorglose Fleischesser: Warum sollte man das Leid, was den Tieren angetan wird verstecken?

28.07.2010
14:29
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von Bahnfahrer | #4

Die Fotos sind qualitativ überwiegend hervorragend, die Präsentationsform ist allerdings zu beanstanden.

Man kommt an dieser Ausstellung einfach nicht vorbei. Und das ist auch wörtlich zu nehmen. Wer die Situation nach Ankunft eines oder mehrerer REs in den Stoßzeiten kennt und weiß, was dann für einige Minuten im Bahnsteigtunnel los ist, hat für die Aufstellung der Stellwände dort und auch in der Bahnhofshalle nur wenig Verständnis.

Ich hätte nach der wochenlangen Ankündigung der Ausstellung mit einem Sonderzug auf Gleis 2 gerechnet (wie bei anderen Ausstellungen auch).

Schade, das haben die Fotos wirklich nicht verdient!

28.07.2010
13:18
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von LEBO | #3

Ich habe es heute Morgen sehen müssen. Ich möchte die Wahl haben, ob ich mir so etwas anschaue und die hat man dort nicht. Auf Kinder müssten halt die Eltern aufpassen so heute Morgen eine Bahnmitarbeiterin. Lächerlich. Kinder und Minderjährige werden das sehen und das darf nicht sein. Vor kurzem wehrte sich die DB gegen den Zug der Erinnerung, wöhlmöglich zu schlechtes Licht für den Monopolisten und so etwas setzen sie jetzt allen Menschen ungefragt vor die Nase. Ich muss solche Bilder nicht sehen um zu wissen, dass es so etwas auf dieser Welt gibt. Geschmacklos und an diesem Ort vollkommen unangebracht.

28.07.2010
12:54
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von lulukramm | #2

Das ist nicht nur jetzt, sondern auch generell eine völlig unangebrachte Ausstellung. So etwas gehört nicht an einem öffentlich Platz ausgestellt. Jeder muss sich das anschauen -zwangsläufig- Eine Ausstellung in einer Galerie - wo man selbst entscheidet, ob man rein geht oder nicht-wäre idealer gewesen. Mal ganz ehrlich- es ist eine Zumutung

28.07.2010
11:12
Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof
von tomtom | #1

ist das jetzt angebracht ???
Gerade Bilder die Tote zeigen, mitten im Hauptbahnhof ?

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