Bezirk Mitte hat Nachholbedarf

Das ehemalige Gewerkschaftshaus an der Humboldtstraßesoll ab Herbst 90 Leute aufnehmen
Das ehemalige Gewerkschaftshaus an der Humboldtstraßesoll ab Herbst 90 Leute aufnehmen
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
355 Flüchtlinge müssen zusätzlich untergebracht werden. Eine Containeranlage auf altem Nordbad-Gelände ist geplant.

Mitte/Nord.. Während der Bochumer Norden mit der Aufnahme von 224 Flüchtlingen bereits einen ansehnlichen Beitrag geleistet hat, gibt es im Bezirk Mitte enormen Nachholbedarf. Der größte Bezirk im Stadtgebiet hat mit 145 Menschen bislang die wenigsten Flüchtlinge untergebracht. Das Verhältnis Einwohner/Plätze liegt hier bei 693:1 (Nord: 161:1). 355 Flüchtlinge muss der Bezirk Mitte zusätzlich aufnehmen.

Die Bezirksvertretungen diskutieren in diesen Tagen über weitere Standorte und Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen, die in Bochum anreisen. Dazu haben sie alle die Resolution der sechs Bezirksbürgermeister beschlossen, wonach auf Container und Turnhallen verzichtet werden soll.

Im ehemaligen St. Antoniusstift sollen 120 Leute unterkommen

Die Verwaltung aber setzt auf Container, etwa an der Herzogstraße in Hofstede (110 Plätze), am Nordbad (110). Insgesamt fünf sogenannte mobile Wohnanlagen will die Stadt auf die Bezirke verteilen. Jede kostet pro Jahr 1,5 Millionen Euro.

Für bestehende Gebäude gibt es folgende Vorschläge: Das ehemals als Altenheim genutzte alte Gewerkschaftshaus an der Humboldtstraße könnte für 90 Plätze hergerichtet werden, ins ehemalige Seniorenheim St. Antoniusstift an der Bessemer Straße sollen 120 Leute; der Rat hat dem Mietvertrag bereits zugestimmt, es fehlen noch Baugenehmigung und Umbauten. An der Haldenstraße 47 (Mitte) ziehen zwei Wohngruppen des ASB aus; hier fänden 35 Menschen Platz.

Appell an Hausbesitzer und Wohnungsunternehmer

Der Appell richtet sich an Hausbesitzer und Wohnungsunternehmen wie Annington und VBW, Wohnraum für Flüchtlinge anzubieten. Sozialdezernentin Britta Anger erklärte dazu im Bezirk Mitte: „Hotels und Ferienwohnungen sind zu teuer. Hier wollen wir 250 Flüchtlinge umsiedeln.“

Das Land hat die ehemalige Unterkunft der Bereitschaftspolizei am Gersteinring der Stadt zum Verkauf angeboten. Anger: „Dort könnten 500 Menschen unterkommen. Viel zu viele, das würde Konfliktstoff bergen. Überdies gibt’s dort nicht ausreichend Sanitärbereiche, keine Küche und zu große Flure. Wir lehnen den Kauf der Immobilie ab.“

Linke: Standards einhalten

Die Linke beruft sich derweil auf die Standards, wonach Unterkünfte möglichst klein gehalten werden sollten mit maximal 80 Plätzen. Sven-Eric Ratajczak im Bezirk Mitte: „Die Größen der geplanten Containerunterkünfte sind auf 110 Personen ausgerichtet. Auch bei den Planungen für die Humboldt-straße und Bessemer Straße wird die festgelegte Maximalgröße deutlich überschritten.“

Container für 110 Menschen: Standort-Debatte im Bezirk Nord

224 Flüchtlinge leben aktuell im Bochumer Norden, werden von Harpener Vereinen und der katholischen Kirche gut betreut. Weitere 110 Menschen müssen im Bezirk Nord untergebracht werden, wie Sozialamtsleiterin Ute Bogucki erklärte. Dazu will die Stadt eine von fünf Containeranlagen aufstellen und schlägt als Standort das Nordbad in Rosenberg vor.

Zwar waren sich die Bezirke bislang darin einig, keine Container zu wollen; doch die Bezirksvertretung Nord differenziert: „Wir sind uns der zeitlichen Not bewusst und akzeptieren die vorgeschlagene Container-Lösung“, heißt es in einem Antrag von SPD/Grünen. Indes schlägt die Koalition darin auch vor, die Anlage nicht am Nordbad, sondern an den bereits genutzten Standorten Harpener Hellweg zusätzlich aufzustellen. Grund: „Am Nordbad gibt es keinerlei Versorgung durch städtische Einrichtungen oder Kirchen“, so Christian Schnaubelt (Grüne).

Zersplitterung gilt als schwierig

Eine Zersplitterung an zwei Standorten werde von den Vereinen als schwierig angesehen, ein Ausbau der Adresse Harpener Hellweg nicht. Auch die Verwaltung räumt ein, dass am Nordbad nur ein kleiner unbefestigter Parkplatz geeignet wäre.

SPD-Ratsmitglied Susanne Mantesberg gab zu bedenken: „Ziel sollte sein, die Standorte nicht zu groß werden zu lassen. Sonst stoßen auch die ehrenamtlichen Betreuer an ihre Grenzen. Besser wäre eine Aufteilung.“