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Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum

18.03.2013 | 17:55 Uhr
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
Dieses umstrittene Schild steht auf dem Kirchplatz der Propsteikirche und erregt den Unmut einer Gläubigen.Foto: Franz Luthe

Bochum.   Ein Schild vor der Bochumer Propsteikirche mit der Aufschrift „Betteln und Hausieren auf dem Kirchplatz verboten“ erregt den Unmut einer Gläubigen: Das Schild sei mit christlichen Werten unvereinbar. Der Propst beruft sich auf öffentliche Sicherheit.

Mit Papst Franziskus haben die Kardinäle einen Mann an die Spitze der katholischen Kirche gewählt, der in seiner Heimat Argentinien als Helfer der Armen bekannt ist. Umso seltsamer mutet ein Schild vor der hiesigen Propsteikirche in der Innenstadt an. WAZ-Leserin Sabine Mosler (47) bemerkte es bei einem ökumenischen „Gottesdienst für Unbedachte“, wo sie in einem Chor sang.

Brief an Kirche blieb unbeantwortet

Das Schild rechts neben dem Eingang soll das Verhalten am Gotteshaus regeln. „Betteln und Hausieren auf dem Kirchplatz verboten“ ist dort zu lesen. Zuerst fühlte sich die evangelische Christin Mosler „geehrt, diesen besonderen Gottesdienst mit gestalten zu können“, schrieb sie im November letzten Jahres in einem Brief an Propst Michael Ludwig. Doch als sie das Schild sah, überkam sie „stattdessen ein großes Gefühl der Scham“, so Mosler weiter. Die Aussage des Schildes sei mit der christlichen Botschaft absolut unvereinbar, teilte sie ihm mit. Der Gottesdienst für die anonym Beerdigten wurde auch von armen Menschen besucht, „zum Teil angeschlagen und mit Plastiktüten statt Taschen“, schilderte sie. Diese Szene „hat die „Absurdität eines solchen Schildes vor einer Kirche verdeutlicht“, schrieb sie. Ihr Brief blieb bis heute unbeantwortet.

Formulierung „nicht schön“

Die WAZ-Redaktion konfrontierte Propst Michael Ludwig mit der Kritik. Dieser stellte zuvorderst klar: „Die Formulierung auf dem Schild ist nicht schön.“ Er habe es von seinem Vorgänger übernommen und es stehe bestimmt schon 20 Jahre da, schätzte er. Es diene dazu, die Kirche und vor allem die Gemeindemitglieder vor kriminellen Eindringlingen zu schützen, hielt er fest.

Es gebe Menschen, die beispielsweise alte Damen bedrängen. Auch gebe es organisierte Banden, die etwa bei Kommunionen gezielt Handtaschen klauen. Die Kirche sei ein Hoheitsgebiet und darum seien polizeiliche Einsätze, seines Wissens nach, nicht unter allen Umständen zulässig, erklärte der Propst. „Ein solches Schild ist da die einfachste Lösung“, sagte er. Es vereinfache, die öffentliche Ordnung in der Kirche zu wahren. „Glauben Sie mir, die Akte Propstei bei der Polizei ist nicht klein“, sagte er. Die Vorfälle reichten von Urin in den Beichtstühlen bis hin zu Diebstahl, schilderte er.

„Ganz doofes Schild“

Der Brief von Sabine Mosler sei vermutlich in der Menge der Post untergegangen. Er sei aber bereit, ihr die Gründe für das „ganz doofe Schild“, wie Ludwig es nannte, zu erläutern, so der Propst.

Nadja Juskowiak



Kommentare
24.03.2013
12:53
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Shy_Eye | #37

Wie peinlich ist das denn bitte??????
Kann ja wieder nur von der Kirche kommen.

21.03.2013
08:26
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von apfeltasche | #36

Wir leben aber im 21 Jahrhundert und der Glaube spielt hier für mich keine Rolle!!!

Was sich manche Zeitgenossen hier aufgeilen schlägt dem Fass den Boden aus!
Ich möchte Sie mal Zuhause besuchen kommen und mit Ihren Nachbarn sprechen ...anonym versteht sich....mal schauen ob die auch so ein markelloses Bild von Ihnen haben.....

Manche sind wie ein Pastor den ich mal kannte.Predigte Wasser und trank aber dennoch Wein.Heimlich verstreht sich.....alkoholiker.........heimlich natürlich....

21.03.2013
07:03
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Gewitterfee | #35

Mich würden noch 2 Dinge interessieren:

1.
Wie viele von den Leuten, die hier die Kirche verurteilen (das schließt die Redaktion
der WAZ interessehalber mit ein), kümmern sich eigentlich selbst um Bettler?

2.
Jesus hat doch gesagt: "Ich war obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.". Weil es
damals keine Kirchen gab, dürften damit Privatwohnungen gemeint gewesen sein. Da nun Frau Mosler so eine tolle Christin ist, uns allen ein Vorbild, der es zusteht,
auf ihre kath. Mitchristen mit dem Finger zu zeigen, sich für sie zu schämen und sie öffentlich bloßzustellen, - gehe ich da recht in der Annahme, daß sie all diese Bettler zu sich nach Hause einlädt, sie dort verköstigt, nächtigen und in ihrer Nachbarschaft betteln läßt?
Denn ansonsten würde doch gelten: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein"?

20.03.2013
20:52
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von berni44 | #34

Agressives Betteln ,also Angehen oder auch Ansprechen von anderen Personen, ist
in fast allen Städten ( Ortssatzungen) verboten.

Wie so oft sind Verbote da, werden aber nicht erfüllt aus verschiedesten Gründen.
Bei Angehen könnte man die Notwehr mit körperlicher Gewalt gegen den Angreifer ( hier Bettler) einsetzen.
Der Staat schützt die Bürger in solchen Situationen nicht. Er hat das Gewaltmonopol.
Falls man sich selbst wehrt, setzt die Rechtsstaatsdiktatur ein.

Dieser schützt vorwiegend die Angreifer, da sie ja offensichtlich die höchste Würde in Deutschland haben.
Deutschland ist eben eine Bananenrepublik.

20.03.2013
09:31
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Gewitterfee | #33

Übrigens mußte ich heute in der Druckausgabe der WAZ feststellen, daß zum Thema lediglich ein einziger Brief abgedruckt war - der sich natürlich gegen dieses Schild richtet.
Ich dachte eigentlich immer, die WAZ wollte sachlichen Journalismus betreiben - insofern hätte es sich meines Erachtens gehört, auch mindestens eine der hier offenbar durchaus zahlreichen Reaktionen abzudrucken, die dieses Schild befürworten oder zumindest Verständnis zeigen.
Wenn schon dann noch eine plakative Überschrift wie "Zum Schämen", dann wäre es doch eher die mangelnde Neutralität und Sachlichkeit, die hier zum Schämen ist.

Es geht hier keinesfalls darum, arme Leute abzuweisen, sondern aggressive Bettelei zu verhindern! Und daß hinter so manchen dieser Betteleien oft auch organisierte Banden stecken, haben ja bereits einige Vorposter zum Ausdruck gebracht. Also lieber erstmal gründlich informieren, bevor verurteilt wird!

20.03.2013
09:27
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Gewitterfee | #32

Ich kenne die Situation an der Propsteikirche selbst schon seit einigen Jahren. Anfangs saß auf der Treppe mal der eine oder andere Bettler; dies wurde auch immer geduldet.
Das Schild wurde aufgestellt, nachdem die Zustände unzumutbar wurden. Ich selbst habe erlebt, daß Leute, die nichts geben wollten, am Arm festgehalten wurden, daß man in der Kirche regelrecht verfolgt wurde. Während der Messe und beim Beten wurde man gestört - es wurde nicht einmal gewartet, bis man fertig damit war. Vor dem Allerheiligsten saß eine Frau und aß ihren Döner, während sie nach Geld für ihr hungriges Baby fragte - das freudestrahlend neben ihr im Kinderwagen saß. (Ich dachte immer, hungrige Babies schreien die Bude zusammen.)
So etwas ist aggressives Betteln und das ist meines Wissens in jeder Fußgängerzone verboten - auch ganz ohne Schild.

Und auch wenn einige Leute es nicht glauben mögen: Ja, seit das Schild steht, ist es tatsächlich etwas besser geworden.

20.03.2013
09:02
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von tginbo | #31

.... ich fasse einmal einige Kommentare hier zusammen:

"Was geht mich die Armut anderer an!!"

3 Antworten
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Bonnymama | #31-1

Welche Armut?

Haben Sie immer noch nicht verstanden,dass vor der Propsteikirche keine Bedürftigen betteln,sondern professionelle,kriminelle Banden?

Was geht mich die Armut anderer an!!
von Goldpenis | #31-2

jo, oder auch: "Eure Armut kotzt mich an".

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #31-3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.03.2013
07:29
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von apfeltasche | #30

Helfer der Armen ? Aha und in der Zeit des Putsches?

Ihr Heuchler!

20.03.2013
00:08
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von Xavinia | #29

Tja, zwischen Theorie und Praxis klaffen manchmal Welten.

Papst Franziskus wird hoffentlich die Welten wieder zusammen führen. Das Zeug dazu hat er.

Und das doofe Schild sollte schnellstens entfernt werden.

19.03.2013
12:41
Wenn man Diebstähle nicht möchte, muß
von bigkahuna | #28

auf dem Schild " Stehlen verboten " stehen !

1 Antwort
Bettelverbot vor Kirche sorgt für Unmut in Bochum
von defcon | #28-1

Und davon hält man Diebe ab ?

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