Betrügern nicht auf den Leim gehen

Gerd Sauer (rechts)
Gerd Sauer (rechts)
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Seniorenbüro Süd macht ältere Bürger fit für den souveränen Umgang mit Kriminellen, die die Gutgläubigkeit ihrer Opfer ausnutzen wollen.

Bochum Süd.. Enkeltrick, Ringtrick, windige Geschäfte an der Haustür, Taschendiebstahl, Internetbetrügereien – täglich werden Senioren Opfer solcher Straftaten. Sie sind leichte Ziele für die Täter. Wie man sich schützen kann und welche Maßnahmen präventiv zu ergreifen sind, darüber informierte jetzt das Seniorenbüro Süd mit dem Seniorensicherheitsberater Gerd Sauer in der Stadtbücherei in Querenburg.

Der Mann hat Erfahrung: 42 Jahre lang war Gerd Sauer im Kriminalkommissariat tätig und weiß daher, wie die kriminellen Täter in aller Regel ticken. Seinen Wissensvorsprung demonstriert Sauer an diesem Tag mit Leichtigkeit. Während er locker mit einer Teilnehmerin quatscht und etwas über Trickdiebstahl erzählt, zieht er ihr nebenbei mit einer geübten Bewegung flugs das Handy aus ihrer Umhängetasche. Erschrocken staunt die Dame. Sie war abgelenkt worden – durch ein herzliches Schulterklopfen und ein freundliches Lachen.

Geldbörse nah bei sich tragen

Genau das ist ihr schon einmal passiert – im Urlaub, wie sie sich erinnert. Die Tasche mit ihren Wertsachen trug sie nah bei sich in einer Gürteltasche um den Bauch geschnallt. Trotzdem schlugen die Täter zu. „Die Geldbörse nah bei sich zu tragen, ist wichtig“, erklärt Sauer: „Dazu sollte man nie viel Bargeld dabei haben, EC- sowie Kreditkarten nach Möglichkeit zu Hause lassen“, ergänzt er als Tipp für die Anwesenden.

Dina Gorch vom Seniorenbüro weiß, dass auf Senioren viele Gefahren im Alltag lauern. Oft werde ihre Unsicherheit und Gutgläubigkeit ausgenutzt. „Wir möchten mit dieser Veranstaltung Aufklärungsarbeit leisten. Somit können vielleicht einige Taten vermieden werden“, sagt Gorch. Senioren können sich jederzeit an das Büro wenden und dort kostenlos an Beratungsstellen vermittelt werden. Der Seniorensicherheitsberater Sauer berät auch persönlich.

Der Enkeltrick zieht noch immer

Die Teilnehmer haben viele Fragen an den Experten. Besonders zum Thema Wohnungsschutz. „Muss ich immer die Tür aufmachen, wenn Handwerker bei mir klingeln?“, fragt ein Senior, der in einem zehnstöckigen Haus in der Hustadt wohnt. „Nein“, lautet Sauers Antwort. „Ein gesundes Misstrauen anderen gegenüber ist wichtig“, rät er.

Das gelte auch für Telefonanrufe. Der berüchtigte „Enkeltrick“ zieht noch immer: Ein Fremder gibt sich am Telefon für einen nahen Verwandten aus und bittet um Geld. Einen solchen Anruf hat einer der Zuhörer auch schon bekommen. „Auflegen ist eine Lösung“, meint Sauer: „Oder einfach dreist nach einer Telefonnummer für einen Rückruf bitten, das schreckt die Täter meist schon ab und sie legen von alleine auf“, so der Experte. Grundsätzlich aber solle man niemandem so einfach Geld geben. Auch nicht auf der Straße: „Lieber einen großen Bogen um etwas machen, was verdächtig scheint. Passanten um Hilfe bitten oder die 110 wählen.“