Betriebsratschef Rainer Einenkel ist ab Mittwoch Ex-Opelaner

Der Kampf um Opel ist verloren. Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel an seinem letzten Arbeitstag. Im Hintergrund läuft der Abriss des Werkes in Bochum.
Der Kampf um Opel ist verloren. Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel an seinem letzten Arbeitstag. Im Hintergrund läuft der Abriss des Werkes in Bochum.
Foto: Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Rainer Einenkel ist ab Mittwoch Ex-Opelaner. Den Kampf um das Werk in Bochum hat der Chef des Betriebsrates verloren. Trotzdem nimmt er Positives mit.

Bochum.. Von wegen gebrochener Mann: Aufrecht wie eh und je steht Rainer Einenkel am Dienstagmorgen vor den Trümmern der Opel-Lackiererei an der Wittener Straße – und grient. „Das Werk hat etwas von uns“, sagt der 60-Jährige mit Blick auf die mächtige Stahlkonstruktion des Gebäudes, an der sich gleich mehrere Abrissbagger scheinbar ihre Zähne ausbeißen. „Und glauben Sie mir, das ist keine klammheimliche Freude“, versichert der langjährige Betriebsratschef an seinem letzten Arbeitstag für den Autobauer.

Opel Für Einenkel steht bereits jetzt fest, dass sich der Zeitplan für den Abriss verzögern wird und die Kosten „dramatisch“ höher als geplant ausfallen werden. „Das da hinten ist einer der größten Abbruchbagger Europas. Pro Stunde benötigt der eine Badewanne voll Diesel.“ Mit den bislang kommunizierten Stilllegungskosten werde Opel nicht hinkommen, sagt Einenkel. Die Rede ist von 650 bis 750 Millionen Euro. Einenkel ist sich sicher, dass sein oft gehörter Vorwurf, Opel habe seinem Eigentümer General Motors geschönte Zahlen vorgelegt, eines Tages Wahrheit wird.

"Und jetzt machen die alles platt"

Ein schöner Tag ist dieser 31. März gleichwohl nicht. Sturmtief Niklas liefert das passende Wetter. Sturm. Regen. Dunkle Wolken. „Furchtbar“, antwortet Einenkel auf die Frage des WAZ-Fotografen, wie er sich denn an seinem letzten Arbeitstag nach 42,5 Jahren fühle. „Tausende haben hier gearbeitet und jetzt machen die alles platt.“

Opel-Prozesse Völlig unnötig, findet er: Bochum sei für die Zukunft anderer Werke geopfert worden. Die größte Enttäuschung seines Berufslebens sei es daher auch gewesen festzustellen, „dass man in Bochum ganz allein steht, weil andere Standorte das Gefühl hatten, dass sie, wenn Bochum geschlossen wird, eine größere Überlebenchance haben und wenn man die Bochumer Produktion nach Rüsselsheim verlagert, Rüsselsheim eine Chance hat, überleben zu können“.

Einenkel, der gefühlte Bochumer

Einenkel nimmt aber auch Positives mit. „Mein Vater hat das Werk mit aufgebaut. Ich habe hier Freundschaften geknüpft und unheimlich viel Kollegialität und Solidarität erlebt. Das prägt, das bleibt.“ Aufs Altenteil zurückziehen will sich der „gefühlte Bochumer“, der in Witten lebt, nicht. „Ich werde mich in der Transfergesellschaft qualifizieren lassen und bleibe natürlich auch ein politischer Mensch, mit Kontakten zu Gewerkschaften und Parteien.“

Auch zu Hause gebe es zu tun. „Früher hatte ich einen Arbeitgeber, jetzt sind es zwei“, sagt er und spielt auf seine Frau an. „Glauben Sie mir, ich falle nicht in ein tiefes Loch.“