„Best Ätschas“ haben noch lange nicht fertig

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Walli gerät in Wallung. „Wir sind viele! Wir haben Geld, Einfluss und Erfahrung! Wenn wir wollen, gibt es hier eine Revolution!“, liest die patente Putze ihren mitunter müden Altersgenossen die Leviten. Die Zielgruppe ist vielköpfig vertreten: die „Best Ätschas“, wie es im typischen Waltraud-Ehlert-Duktus heißt.

In ihrem elften Soloprogramm widmet sich Kabarettistin und Sängerin Esther Münch der Generation 50plus, neudeutsch als „Best Ager“ tituliert. Als 55-Jährige schöpft sie aus dem Vollen und verabreicht dem jauchzenden Premieren-Publikum im Haus Spitz in ihrer Paraderolle als Reinigungsfachkraft eine zweieinhalbstündige Motivationsspritze.

„Schmiert dem Alter ein Schnittchen!“, vertreibt Walli Trübsal und Schatten im Herbst des Lebens, der doch noch so viele sonnige Tage hat. Über die Last des Alters klagen? Ach was: Besser die Lust auf Neues wecken. Immerhin wissen „Best Ätschas“, wo es langgeht, haben zwar schon viel Gestern hinter, aber auch noch jede Menge Morgen vor sich.

Manches sei eine Frage der Begrifflichkeit: „Entschleunigung der Epidermis“ hört sich viel besser an als Alterung der Haut. Und wenn’s doch mal ins Altenheim geht, ist zumindest für gute Musik gesorgt. Als in den 50ern und 60ern aufgewachsene Rock-Fans gibt’s bei den Bewohnern alsbald die Scorpions oder AC/DC auf die Ohren. Headbanging im Seniorenstift: Einige Besucher machen’s bereits auf der Bühne vor.

Mit ihren „Best Ätschas“ erstrahlt die Revier-Pflanze in voller Blüte. Wiedererkennungswert: 100 Prozent. Für alle Altersklassen empfohlen. Denn: Lachen hält jung.