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Beschneidung

"Es ist ein Schock" — Beschneidungsopfer aus Bochum erzählt

22.11.2012 | 13:26 Uhr
"Es ist ein Schock" — Beschneidungsopfer aus Bochum erzählt
„Warum hatte ich dieses Recht nicht“, fragt Önder Özgeday.Foto: Ingo Otto

Bochum.   Önder Özgeday leidet darunter, dass er als zehnjähriges Kind beschnitten wurde. Erst später merkte er, was ihm genommen wurde. Ein Betroffenen-Verein beklagt: Im Gesetzgebungsprozess würden die Opfer nicht gehört. Das Thema würde in der Öffentlichkeit bagatellisiert.

Önder Özgeday kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem er beschnitten wurde. Damals war er zehn. Es war eine kleine Arztpraxis, der türkische Arzt hatte schon viele aus seinem Bekanntenkreis beschnitten. Er musste sich ausziehen, bekam eine Schürze umgebunden, damit er nicht alles mitansehen musste. Denn da er nur örtlich betäubt wurde, bekam er alles bewusst mit. „Da war viel Blut – und die ärztliche Assistentin hat verschreckt geguckt“, erinnert er sich.

Auf dem Heimweg kamen die Schmerzen. Schmerzen, die mit der Zeit nachließen und ihn dennoch bis heute heimsuchen. Heute ist Önder Özgeday 29 und studiert Sozialwissenschaften. In den Wochen nach der Operation musste er jeden Tag ein Pulverbad nehmen. Dennoch entzündete sich sein Glied und es dauerte Monate, bis es endlich abheilte.

Bilder, die immer wiederkehren

„Das sind Bilder, die immer wiederkehren“, sagt Önder Özgeday. Er sitzt in seinem Bochumer Studentenzimmer – draußen ist es kalt und grau – und erinnert sich daran, wie verstört er nach dem Eingriff war.

„Damals dachte ich, das hat alles seine Richtigkeit.“ Er habe seinen Eltern vertraut und die hatten die Beschneidung für eine Selbstverständlichkeit gehalten. „Es geschah eher aus muslimischer Tradition, obwohl meine Eltern nicht besonders gläubig waren“, sagt er. Außerdem hatte ein Kinderarzt dazu geraten.

Beschneidungsopfer finden Gleichgesinnte im Internet

Doch in der Pubertät merkte Önder Özgeday, dass er verändert wurde. „Es ist ein Schock, wenn man bei anderen sieht, wie es anders sein kann.“ Er bekam psychische Probleme, das Verhältnis zu seinen Eltern und zu seiner Herkunftskultur litt und ging schließlich in die Brüche.

Im Internet fand er Gleichgesinnte. Merkte, dass andere ähnliche Probleme hatten wie er. Und fand schließlich den Kontakt zum Verein „Mogis e.V.“, der sich für die Opfer unterschiedlicher Formen von Gewalt stark macht. Mittlerweile ist Önder Özgeday wieder so stark, dass er für das Recht auf körperliche Unversehrtheit kämpfen will. Er will seine Geschichte erzählen, damit die Probleme der Beschneidungsopfer gehört werden.

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Kommentare
22.11.2012
21:48
Beschneidung ist Körperverletzung!
von erzhase | #17

Bei mir wurde aus medizinischen Gründen im Alter von 30 Jahren eine Circumsion vorgenommen. Die Behauptung das das eine Lapalie sei kann nur von...
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"Es ist ein Schock" — Beschneidungsopfer aus Bochum erzählt
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http://www.derwesten.de/staedte/bochum/beschneidung-wird-nicht-hinterfragt-id7318904.html
2012-11-22 13:26
Bochum, Beschneidung, Opfer, Gesetz, legal, Trauma, Blut
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