Berufsschüler reisen kulinarisch einmal um die Welt

Um ihren Mitschülern nicht nur Geschichten, sondern auch Gerichte aus ihrer Heimat näher zu bringen, erstellt die Internationale Förderklasse des Alice-Salomon-Berufskollegs ein Kochbuch
Um ihren Mitschülern nicht nur Geschichten, sondern auch Gerichte aus ihrer Heimat näher zu bringen, erstellt die Internationale Förderklasse des Alice-Salomon-Berufskollegs ein Kochbuch
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Um Mitschülern Gerichte aus ihrer Heimat näher zu bringen, erstellt die Internationale Förderklasse des Alice-Salomon-Berufskollegs ein Kochbuch.

Bochum.. Der Duft verschiedener Gewürze liegt in der Luft, Geschirr klappert, Lachen schallt durch den Raum. In der Industrieküche des Alice-Salomon-Berufskollegs steht eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern kochend an den Herden. Heute unter anderem auf dem Speiseplan: Briani, Gheimeh und Pofpof.

So international wie die Gerichte, sind auch ihre Köche. „Es handelt sich bei dieser Gruppe um die BQF-Internationale Förderklasse mit 19 Schülern aus elf verschiedenen Ländern; darunter China, Sri Lanka, Vietnam und Iran. Die Schüler sind aus ihren Heimatländern geflohen und leben seit ein bis fünf Jahren in Deutschland“, erklärt dazu Klassen- und Deutschlehrerin Stephanie Gmeiner.

Schüler waren sofort Feuer und Flamme

Die Idee, ein internationales Kochbuch mit Lieblingsgerichten aus den Heimatländern der Schüler zu erstellen, sei Ende vergangenen Jahres im Deutschunterricht entstanden: „Wir haben das Thema Vorgangsbeschreibungen durchgenommen und dazu gehören eben auch Rezepte. Die Schüler waren sofort Feuer und Flamme“, berichtet Gmeiner.

Doch bevor gekocht werden konnte, wurde zunächst ein Plan aufgestellt: Rezepte abtippen, kochen, fotografieren, die Finanzierung klären und verkaufen. Mehr als zehn Wochen Arbeit werden es am Ende sein. Der Erlös des Verkaufs soll dem Förderfonds des Kollegs zugute kommen, der Schüler beispielsweise bei einer drohenden Abschiebung finanziell unterstützt.

Gerichte aus verschiedenen Ländern ausprobieren

Am Donnerstag traf sich die Gruppe zum zweiten von drei Koch-Terminen. Sechs Gerichte wurden in Teams von zwei bis drei Schülern ausprobiert. „Es ist ein tolles Projekt, zu Hause habe ich nie gekocht. Ich kann aus allen Ländern dieser Klasse Gerichte probieren und das Kochen ist auch nicht so schwer“, erzählt Roshani Josef Braveen Kumar (19) aus Sri Lanka.

Die Lehrerin sieht neben dem Spaß auch den Lernerfolg: „Die Schüler sind jeweils Experten für ihr Gericht und können den anderen auf Deutsch erklären, welche Schritte sie zu beachten haben. Außerdem erweitern sie ihren Wortschatz, indem sie die Worte für Kochutensilien kennenlernen.“ Kommunikationsschwierigkeiten seien dabei nie aufgekommen. Alle Schüler verstünden sich sehr gut und seien motiviert, zu lernen. „Sie sind mit Feuereifer dabei.“

Nicht alle Zutaten waren einfach zu bekommen

Hilfe in der Küche erhalten die Schüler von Lehrerin Gabriele Heuermann: „Ich habe den Einkauf übernommen. Nicht alle Zutaten waren einfach zu bekommen; manche mussten wir ersetzen, zum Beispiel Schweinefleisch. Aber die Schüler und ich haben richtig Spaß. Letzte Woche haben sie den Hefeteig fast schwindelig geschlagen.“

Mit Hefe hat auch Matthew Allieu (19) aus Sierra Leone gearbeitet, um die sogenannten Pofpofs herzustellen. „Das ist ein sehr bekanntes und besonderes Gericht, das man auf Festen oder Geburtstagen isst.“ Eher untypisch für ihr Land sind Yi Xus (20) chinesische Cola-Flügel: „Das ist eher ein Gericht für junge Leute“, sagt die Schülerin lächelnd.