Berühmtes Märchen der Brüder Grimm in die Neuzeit übertragen

Hans (Florian Lange, vorn) sieht das Streben nach Karriere und Wohlstand kritisch.
Hans (Florian Lange, vorn) sieht das Streben nach Karriere und Wohlstand kritisch.
Foto: Diana Küster
„Hans im Glück“ ist ab Samstag in den Bochumer Kammerspielen zu sehen. Dabei könnte es auf der Bühne munter zugehen.

Bochum.. Das Märchen vom „Hans im Glück“ aus dem Hause Grimm gehört wohl zur Allgemeinbildung. Darin tauscht der leidlich naive Hans einen Klumpen Gold so lange gegen andere Dinge ein, bis er nur noch einen nutzlosen Schleifstein besitzt. Von jeglichem materiellen Wert befreit soll sich der Märchenleser Hans „frei von aller Last“ als glücklichen Menschen vorstellen.

Diese knapp 200 Jahre alte Vorlage hat der Schweizer Autor Reto Finger als Auftragsarbeit fürs Schauspielhaus in eine moderne Fassung gebracht und auf unsere Zeit umgedeutet. Als Regisseurin stellt sich erstmals Barbara Bürk vor.

Der moderne Hans (oder „Homo Hans“ wie er in Anlehnung an Homo Faber bei Reto Finger genannt wird) kündigt erst seinen Job, sucht dann sein Heil in der Selbstständigkeit und durchlebt eine tiefe Krise. Das ständige Streben nach Karriere und Wohlstand erscheint ihm immer absurder. Sein Körper rebelliert, aus jeder Pore seines Körpers strömt Wasser, er hinterlässt Pfützen. Davon peinlich berührt zieht er sich immer weiter zurück, bis er schließlich in kompletter Isolation verweilt. Hans steigt aus der Welt aus und sucht nach seinem persönlichen Glück.

Vom Leben in die Knie gezwungen

Regisseurin Bürk sieht Hans als naiven Helden ähnlich wie Simplicissimus oder wie „Candice“ bei Voltaire. „Er wird vom Leben in die Knie gezwungen und eigentlich von der gesamten Gesellschaft um ihn herum gnadenlos vorgeführt“, sagt sie. Dass Hans Wasser verliere und Pfützen bilde, habe bei aller Tragikomik auch etwas Surreales: „Das hat der Autor bewusst als Symbol gewählt“, so Barbara Bürk. „Der Druck fällt von ihm ab, es fließt aus ihm heraus.“ Dies beschreibe Reto Finger mit viel beißendem Humor.

Wer das Märchen nicht kennt, brauche vor der Vorstellung nicht zwingend die Grimmschen Bücher zu wälzen. „Das steckt in unserer Aufführung eigentlich alles mit drin“, sagt sie. Zwischen der Märchenwelt und der realen Welt wolle sie hin und her pendeln, so dass beide Ebenen kunstvoll miteinander verschmelzen.

Schauspieler treten als Pferd oder Kuh auf

„Auf der Bühne ist eine Menge los“, meint Barbara Bürk. Die fünf Schauspieler würden unentwegt in viele kleine Rollen schlüpfen und mal in der realen Welt, mal in der Märchenwelt als Tier, Pferd oder Kuh auftreten. Dazu werden die Musiker Manuel Loos und Markus Reschtnefki einige Songs hinzu steuern. „Es wird getanzt und gesungen“, so die Regisseurin. Die Hauptrolle des Hans spielt Florian Lange. „Er hat viel Freude daran, obwohl dies natürlich keine leichte Aufgabe für ihn ist.“

Premiere am Samstag, 18. April, 19.30 Uhr, in den Kammerspielen. Wieder am 25. und 29. April. Karten: Tel. 0234 / 33 33 55 55.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE