Bermuda-Club füllt mit Karaoke eine Marktlücke

Kult-Figuren: Marvin Gesierich präsentiert die Karaoke-Partys im „Kult“ als DJ und Sänger. Martina bewies am vergangenen Samstag bei ihrem Junggesellinnenabschied Mut und legte einen durchaus überzeugenden Auftritt hin.
Kult-Figuren: Marvin Gesierich präsentiert die Karaoke-Partys im „Kult“ als DJ und Sänger. Martina bewies am vergangenen Samstag bei ihrem Junggesellinnenabschied Mut und legte einen durchaus überzeugenden Auftritt hin.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Karaoke ist „Kult“: Im gleichnamigen Bermuda-Club sind die Mitsingabende ein Publikumsrenner. Viermal pro Woche üben sich Besucher als Sänger.

Bochum.. Werner kommt jedes Wochenende. So gegen neun. Mit der Bahn aus Hagen. Um elf fährt der letzte Zug zurück. Zeit für Satchmos „What a wonderful World“ und zwei, drei weitere ältere Balladen. Das Publikum ist jung, der Applaus mäßig. Werner scheint gleichwohl glücklich. Im Rampenlicht zu stehen, den Stars von gestern und heute nachzueifern, davon zu träumen, entdeckt zu werden, oder der schlichte Spaß am großen Auftritt: Das ist es wohl, was den Erfolg der Karaoke-Abende im Bermuda-Club Kult ausmacht.

Helmut „Manusch“ Schwalm weiß ein Lied davon zu singen. Vor vier Jahren ging das Gastro-Urgestein mit dem „Kult“ an der Kortumstraße an den Start. Live-Rock, Fußball, Schlager: Manusch hat vieles versucht, um den Laden nach oben zu bringen. Manches ging daneben. Bis er auf Karaoke kam. „Anfangs wurde ich ausgelacht“, sagt der 65-Jährige. Längst lacht er. Die Mitsing-Partys sind inzwischen so erfolgreich, dass sie viermal in der Woche präsentiert werden und Hobbysänger aus ganz NRW anlocken.

"Wie bei DSDS"

Von schön bis schräg, von grandios bis grottig: Das Talent der Mikro-Helden ist höchst unterschiedlich verteilt. Es gilt: Je später der Abend, desto schräger die Töne. Zum Auftakt gegen 21.30 Uhr sind es Dauerbrenner wie Werner, die das Publikum mehr oder weniger seriös unterhalten. „Wir hatten hier schon derartige Wahnsinnsstimmen, dass ich gefragt wurde, ob wir die Künstler engagiert haben. Haben wir nicht. Hier gibt’s keine Gagen“, betont Manusch. Zu später Stunde steigt mit dem Alkoholpegel der Besucher (hier sind ausdrücklich auch Junggesellenabschiede willkommen) der Mut, selbst zur Kult-Figur zu werden. Moderator Marvin Gesierich (23) hat 23.000 Titel samt Texteinblendung auf den Monitoren parat. Die größten Grausamkeiten der gängigen Party-Mucke sind unausweichlich. Von Mickie Krause bis – natürlich! – Helene: Geröhrt, gewispert, gegrölt, geschluchzt wird alles, wonach dem feixenden Fußvolk dürstet.

„Es ist“, konstatiert Manusch, „so wie bei DSDS.“ Richtig gute Sänger wechseln sich mit – nun ja – übersichtlichen Begabungen ab. Heraus kommen Karaoke-Nächte, die das Kult zur Hochburg der Party-Kultur im sonst mäßig ausgelassenen Dreieck erheben. „Darauf“, sagt der Chef, „sind wir mächtig stolz. Wir mussten unsere eigene Schiene finden. Jetzt haben wir uns etabliert.“

23 Uhr. Martina, die mit ihren Mädels im Hippie-Outfit ihren Junggesellinnenabschied feiert, hat „Hör gut zu“ von Pur respektabel dargeboten. Werner erhebt sich ein letztes Mal, um mit brüchiger Stimme Sinatras „My Way“ in Mikro zu hauchen.

Zeit zu gehen. Nächsten Samstag ist er wieder da. Werner kommt jedes Wochenende. So gegen neun. Mit der Bahn aus Hagen.