Bergmannsheil - Feuerwehr-Chef kritisiert Schüren von Ängsten

Mit einem Großaufgebot  kämpfte die Feuerwehr am Bergmannsheil gegen die verheerenden Flammen.
Mit einem Großaufgebot kämpfte die Feuerwehr am Bergmannsheil gegen die verheerenden Flammen.
Foto: Ingo Otto
Was wir bereits wissen
  • Die Kritik der Dt. Feuerwehr-Gewerkschaft am Feuerwehreinsatz im Bergmannsheil stößt ihrerseits auf Kritik
  • Die Bochumer Verdi-Fachgruppe Feuerwehr äußerte „großes Unverständnis“
  • Feuerwehr-Amtsleiter Dirk Hagebälling sprach von „Schüren von Ängsten“

Bochum.. Die Kritiker an der personellen Ausstattung der Bochumer Feuerwehr beim Brand im Bergmannsheil erhalten nun selbst Kritik. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft Bochum (DFeuG) hatte am Samstag in der WAZ erklärt, dass anfangs viel zu wenige Einsatzkräfte verfügbar gewesen sein, so dass in den ersten entscheidenden 45 Minuten überhaupt nicht gelöscht worden sei, weil alle erst zusammen mit dem medizinischen Personal die Patienten hätten in Sicherheit bringen müssen.

Brand-Katastrophe Feuerwehr-Amtsleiter Dr. Dirk Hagebölling sagte am Dienstag der WAZ: „Es ist grundsätzlich legitim, wenn Gewerkschaften in der Nachbetrachtung von Einsätzen ihre Vorschläge zur Optimierung kundtun. Allerdings erscheint es frag- und kritikwürdig, wenn dieses im Zusammenhang mit so außergewöhnlichen Einsätzen geschieht und zudem dieses noch mit Visionen von weiteren Ereignismöglichkeiten verknüpft wird.“

Die DFeuG hatte davor gewarnt, dass es bei Bränden in Krankenhäusern, die viel weiter von einer Feuerwache entfernt liegen als das Bergmannsheil, zu einer größeren Katastrophe kommen könnte: „Sicher wären in einer weniger zentral gelegenen Einrichtung deutlich höhere Verluste zu beklagen.“

„Wie viel ist genug und auch gegenüber dem Bürger als Steuerzahler vertretbar?"

Hagebölling hält dies für ein „Schüren von unnötigen Ängsten“. Und erklärte: Eine organisatorische Planung zur Vorhaltung von Einsatzeinheiten könne sich nicht grundsätzlich an solchen Großschadensereignissen orientieren. Als Planungsgrundlagen seien regelmäßig und am häufigsten auftretende Ereignisse heranzuziehen, die sich hierzulande am typischen Wohnungsbrand orientierten. Fast 90 Prozent der in Deutschland genutzten Bauten dienten als Wohnraum. Diese Tatsachen führten dazu, dass zum Beispiel in Krankenhäusern ein weitaus größerer Brandschutz verlangt werde als in gewöhnlichen Wohnhäusern.

Brandkatastrophe „Als eherner Grundsatz dabei ist stets die Schadensverhinderung einer Schadensbekämpfung vorzuziehen“, sagt Hagebölling. Die Brandvorbeugung mit viel weniger (Personal-)Aufwand könne erheblich effektiver sein als zusätzliche Löschkräfte oder Fahrzeuge. Außerdem müsse man fragen: „Wie viel ist denn genug und letztlich auch gegenüber dem Bürger als Steuerzahler vertretbar?“ Im Übrigen sei es auch völlig unklar, ob beim Brand im Bergmannsheil mehr Einsatzkräfte im ersten Zugriff „eine spürbare Minderung der Brandfolgen hätten erreichen können“.

Überörtliche Hilfe habe am Bergmannsheil „störungsfrei funktioniert"

Für den Fall von Großbränden erinnert Hagebölling auch an die Nachbarschaftshilfe: „Die Stadt Bochum mit einer zentralen Lage im Ruhrgebiet ist in der glücklichen Lage, bei Großschadenslagen auf die Unterstützung benachbarter und mindestens gleichwertig starker Partner zurückzugreifen. Dabei können sich unsere Nachbarn gleichermaßen auf die Bochumer Wehren verlassen wie auch umgekehrt.“

Diese überörtliche Hilfe habe am Bergmannsheil „störungsfrei funktioniert, weil auf der einen Seite die Integration ortsfremder Einheiten durch die Einsatzleitung am Schadensort als auch die Heranführung von taktischen Reserven für eine mögliche Verlegung von bis zu 200 betroffenen Patienten in die umliegenden Krankenhäuser und Nachbarstädte aus dem Rückraum reibungslos verlief“.

Kritik an der Kritik der Feuerwehrgewerkschaft

Kritik an der Kritik der DFeuG kam auch von einer anderen Gewerkschaft, der Bochumer Verdi-Fachgruppe Feuerwehr. Verdi zeigt „großes Unverständnis darüber, dass der Großbrand im Bergmannsheil von einigen Leuten jetzt ausgenutzt wird, um dieses Thema öffentlich anzuprangern“.

Frank Oldach von der Verdi-Fachgruppe: „Vielmehr müssen und werden die Vorkommnisse intern bewertet und anschließend die richtigen Schlüsse gezogen werden!“ Trotzdem spricht auch Verdi von einer „desolaten Personalsituation“ bei der Bochumer Feuerwehr. Eine „deutliche Personalaufstockung“ müsse „schnellstmöglich umgesetzt“ werden, fordert Verdi-Gewerkschaftssekretär Thorsten Knüppel. Ein externer Gutachter für die Erstellung neuer Bedarfspläne müsse her.

Unabhängig vom „Bergmannsheil“ hat die Stadt bereits vor einigen Monaten 43 neue Stellen bis April 2017 versprochen, darunter 15 Azubis.