Das aktuelle Wetter Bochum 11°C
Streit ums Altenheim

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug

21.06.2013 | 18:06 Uhr
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug

Bochum.   Der Streit um das St. Antoniusstift steht vor dem Ende. Der Stadt wurde am Freitag vom Verwaltungsgericht abermals Recht gegeben. Der Trägerverein wappnet sich für eine baldige Schließung des Heimes.

„Wir wollen bleiben“, „Keine Zwangsräumung“: Noch immer  flattern beschriebene Bettlaken aus den Fenstern an der Humboldtstraße . Doch der Protest verpufft: Die 23 verbliebenen Heimbewohner und 50 Mitarbeiter müssen sich auf ein Aus einstellen . Finanziell droht die Zahlungsunfähigkeit, vor Gericht eine Niederlage.

Wie berichtet, genießt das 2008 bezogene Provisorium seit 1. Juni keinen Heimstatus mehr. Die Baugenehmigung ist ausgelaufen. Die Stadt hat eine weitere Nutzung aufgrund baulicher und hygienischer Mängel untersagt. Zurecht, wie das Verwaltungsgericht am Freitag in einem Schreiben an die Stadt bekräftigte. Der Heimträger, so teilt das Gericht mit, habe seinen Widerspruch zurückgezogen. Das könnte mit dem Zwangsgeld zu tun haben, die die Bauverwaltung dem Antoniusstift angedroht hat. „Es geht um 20.000 Euro“, verrät Dezernent Ernst Kratzsch.

Zahlungen zum 1. Juni eingestellt

Schätzungsweise 50.000 Euro dürften bereits in der Kasse fehlen: Pflegegelder und Leistungen des Sozialamtes. Weil das Stift nicht mehr als Heim gilt, wurden die Zahlungen für die Bewohner eingestellt. „Wir gewähren seit 1. Juni kein Pflegewohngeld und keine Hilfen zur Pflege mehr“, bestätigt Sozialamtsleiterin Heide Ott.

Beim St. Antoniusstift e.V. stehen die Zeichen auf Rückzug. Zwar verweist Propst Michael Ludwig als Vorstandsvorsitzender im WAZ-Gespräch auf die weiteren, noch laufenden verwaltungsrechtlichen Verfahren. Gleichwohl treffe man Vorsorge, „sollte das Gericht gegen uns urteilen“. Für die Senioren werde Ausschau nach kurzfristig verfügbaren anderen Heimplätzen gehalten: „Zu dieser Fürsorge sind wir verpflichtet.“ Die Arbeitsagentur ist für die Mitarbeiter vor Ort. „Alles andere wäre fahrlässig“, betont Propst Ludwig. Denn: Bleiben die Zahlungen für die Bewohner weiter aus, wäre eine Insolvenz „zwangsläufig“.

Neubau angeblich nicht in Gefahr

Nicht in Gefahr ist nach Angaben des Propstes der Neubau des Antonius-Altenheims an der Bessemer-straße. Anfangs war befürchtet worden, dass ein Sozialplan für die meist langjährigen Beschäftigten das Zehn-Mio-Kirchenprojekt torpedieren würde. „Doch die Finanzierung ist gesichert. Der Neubau erfolgt unabhängig von der weiteren Entwicklung an der Humboldtstraße“, bekräftigt Michael Ludwig. Mit dem Baubeginn sei noch in diesem Jahr zu rechnen.

Zwar ist die Auszahlung der Juni-Löhne laut Mitarbeitervertreter Helmut Wahl „mündlich zugesichert worden“. Gleichwohl richtet sich die Heim-Belegschaft auf ein baldiges Ende ein.

Am Donnerstag waren Mitarbeiter der Arbeitsagentur vor Ort, um über den Arbeitsmarkt in der Pflege zu informieren und Beschäftigten erste Job-Angebote zu unterbreiten.

„Die Perspektiven für examinierte Pfleger sind gut“, weiß Helmut Wahl. „Doch 40 unserer 50 Kollegen haben kein Examen. Viele sind nicht mehr die Jüngsten. Das wird schwierig.“

Jürgen Stahl



Kommentare
24.06.2013
16:32
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Tender | #6

Warum werden hier Beiträge, die sich kritisch mit dem Artikel auseinandersetzen gelöscht?

@ Pella:
Ihr Kommentar "Jeder Artikel muss durch die Zensur" fiel da auch zum Opfer der WAZ ;-)

Habe Screenshots für alle Interessierten davon gemacht.

1 Antwort
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Tender | #6-1

@Pella
Ironie pur oder? ;-)

23.06.2013
20:04
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

2 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.06.2013
19:02
Eine Umwandlung in normale Apartments
von meigustu | #4

mit mobiler Betreuung (wenn auch reduzierten Pflegegeld) würde zumindest die Übergangszeit finanziell ein wenig erleichtern. Und es spricht auch nichts dagegen, wenn die arbeitslosen Pfleger/innen sich ehrenamtlich zumindest in dem Umfang engagieren, den ihr Arbeitslosengeld geteilt durch alten Stundenlohn hergibt. Das die Leitungsebene sich mit einem Gehaltsverzicht an der Lösung der von ihr verursachten Situation beteiligt ist wahrscheinlich unrealistisch.



23.06.2013
17:28
Beschwerde, Widerspruch, laufende Verfahren, Rücknahme?
von steude | #3

Beim Oberverwaltungsgericht (OVG) läuft ein Beschwerdeverfahren.

Wie kann da das Verwaltungsgericht dem Heim dann nochmals Recht gegeben haben?
Welchen Widerspruch hat wer zurück genommen? Ein Widerspruch wurde doch gar nicht eingelegt.
Der Propst verweist auf die weiterhin laufenden Verfahren. Wenn das OVG gegen den Propst entschieden hat, dann sind diese obsolet, werden frühestens in 6-12 Monaten entscheiden. Bis dahin ist es für die Bewohner zu spät.

Irgendwie hat Hr. Stahl da wohl die Zusammenhänge nicht ganz verstanden.

Auch scheint die WAZ das eigentliche Problem aus den Augen verloren zu haben. Es gibt, egal wie der Rechtsstreit verläuft immer noch keine Lösung für die Bewohner, weil Stadt und Propst sich da gänzlich unflexibel und nicht gesprächsbereit zeigen.

Diesbezüglich mal Propst, Verwaltung und den politisch Verantwortlichen die Leviten zu lesen, das traut man sich aber wohl bei der WAZ nicht... . Schade.

8 Antworten
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Pella | #3-1

"für die Senioren werde kurzfristig Ausschau nach anderen Heimplätzen gehalten". Das ist dann wohl die Lösung für die verbliebenen Heimbewohner. Da muss man dann nehmen, was an Plätzen übrig bleibt, Haben die, die vorzeitig ausgezogen sind, alles richtig gemacht, weil sie noch die Möglichkeit der Wahl hatten.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von steude | #3-2

.. leider hatten die, die zuerst ausgezogen sind, überhaupt keine Wahl. Sie wurden in das erstbeste Heim umgesiedelt, wo gerade was frei war.

Nie hat man sich darüber Gedanken gemacht die Bewohner in Gruppen in andere Heime zu übersiedeln. Der Vorschlag der Bewohner sie im Antoniusstift zu belassen und sukzessive in das auf der anderen Straßenseite liegende Marienstift umziehen zu lassen, wurde abgelehnt. Probst und Stadt lehnen es bis heute ab, mit den Bewohnern über Lösungen zu sprechen.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Pella | #3-3

Sie behaupten also, dass die Stadt die Bewohner "umgesiedelt" hat?.
Bei bereits 25 umgezogenen Bewohnern, werden sicher auch welche in denselben Einrichtungen untergekommen sein.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Tender | #3-4

Es ist doch mittlerweile allgemein bekannt, dass die Stadtverwaltung Bochum durch die Drohungen die Gelder zu streichen Druck auf die Betreuer ausgeübt hat und so die "Entführungen" (wie die Bewohner es intern nennen) in teilweise menschenverachtender Weise durchgeführt wurden. Die "neuen" Einrichtungen sind teilweise wesentlich schlechter als das Antoniusstift. Stichwort: Doppelzimmer!!

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Pella | #3-5

Dann machen Sie sich doch einfach mal die Mühe, umgezogene Personen zu befragen, ob die sich verschlechtert haben; oder deren Angehörige -nicht alle werden ja unter Betreuung stehen. Aber ist ja so einfach, immer einen Buhmann zu suchen. Und wenn es sogar Personen geben würde, die sich nun weitaus wohler fühlen, will man das sicher gar nicht wissen. Würde ja das eigene Weltbild kaputt machen.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Tender | #3-6

Sie werden lachen. Das habe ich und mein Weltbild wurde wirklich erschütterst, als ich erfahren habe, unter welchen Umständen alleine die Umzüge von den städtisch bestellten Betreuern durchgeführt wurden. Sogar haben sich manche Betreuer Entrümpeler für die letzten persönlichen Sachen geteilt. Ja, die wurden mit Einem Entsorger aus den Zimmern entfernt und weggeschmissen. Ja, glauben Sie es ruhig. Es wird Ihnen bestätigt werden.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Pella | #3-7

Es gibt keine städtisch bestellten Betreuer. Allein das zeigt mir schon, dass der Rest auch nicht stimmt.

Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Tender | #3-8

Damit ihre Goldwaage justiert werden kann: http://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W272UBN8120BOLDDE

22.06.2013
07:07
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von Pella | #2

Die Tage stand noch was von 23 Mitarbeitern, jetzt sind es 50! Pflegekräfte? Das stimmt nie und nimmer. Hinzu käme ja noch hauswirtschatliches Personal und Verwaltung. Das wären auch bei voller Auslastung allein schon Personalkosten, die in der Höhe nicht reinkämen.

21.06.2013
20:03
Beim Streit ums Antoniusstift stehen die Zeichen auf Rückzug
von DerAusHerne | #1

Endlich hat die Farce ein Ende.

Schade um die sehr (!) motivierten Mitarbeiter. Ich denke aber der ein oder andere kann schnell unterkommen.

Aus dem Ressort
Bei den Bochumer Symphonikern schauen alle auf den Solisten
Musik
Mit dem Solo-Violinisten Raphael Christ in der Rolle des Orchesterleiters beginnt eine neue interessante Reihe der Bochumer Symphoniker: Sonntags heißt es fortan fünf Mal: „play and conduct“.
Die Horrorzentrale von Querenburg
Halloween
Familie Hartings verwandelt sich an Halloween in „die Schlotters“ und lädt zur Familienzusammenkunft ein. Grausige Gestalten wie Vampire, Zombies, Leichen, Geister und lebende Mumien bevölkern das Haus und bringen entsetzliche Speisen mit. Architektin im Dekofieber richtet Gruselparty detailverliebt...
In Altenbochum entsteht neues Haus der Generationen
Mehrgenerationenhaus
Die frühere Montessori-Schule in Altenbochum wird zu einem Haus der Generationen umgebaut. Vor allem für junge Familie ist dort noch – auch bezahlbarer – Platz. Nach einem Jahr Bauzeit soll an der Liebfrauenstraße neues Leben einziehen – gerne mit Kindern. Noch sind Wohnungen zu haben
Ein Tag zu spät gemeldet: Knappschaft streicht Krankengeld
Kankenkasse
Ein 58-jähriger Bochumer hat die Knappschaft verklagt. Die Kasse hat ihm gekündigt und die weitere Zahlung des Krankengeldes gestoppt. Grund: Der Riemker hat seine AU-Bescheinigung einen Tag zu spät verlängern lassen.
Gemeinsam alt werden im Ehrenfeld
Senioren
Zwei Ehrenfelderinnen, Barbara Jessel und Dagmar Bartsch, beide 59 Jahre, wollen eine Nachbarschaftshilfe im Viertel gründen. Treffen ist am nächten Mittwoch im Seniorenbüro Mitte. Barbara Jessel: „Wir wollen das Quartier für Ältere nutzen.“
Fotos und Videos
Mitgliederversammlung beim VfL
Bildgalerie
VfL Bochum
Messe Handmade
Video
Video