Bei Johnson Controls in Bochum stehen die Bänder still

Betriebsratsvorsitzender Michael Munsch, fotografiert vor der Warenannahme des Automobilzulieferers Johnson Controls.
Betriebsratsvorsitzender Michael Munsch, fotografiert vor der Warenannahme des Automobilzulieferers Johnson Controls.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Betriebsversammlung bei Johnson Controls dauert seit Dienstagmorgen an. 400 Beschäftigte sind empört. Bei Ford droht nun Produktionsstillstand.

Bochum.. Nichts geht mehr beim Automobilzulieferer Johnson Controls an der Hüttenstraße. Seit Dienstagmorgen ist die Produktion von Autositzen für das Ford-Werk in Köln unterbrochen. Ein aus ihrer Sicht unzureichendes Angebot der Geschäftsleitung für einen Sozialplan hat die 400-köpfige Belegschaft erzürnt.

So soll nach WAZ-Informationen die angebotene Abfindung im Falle einer drohenden Werksschließung im nächsten Jahr um gut 30 Prozent schlechter ausfallen als noch 2014 bei der Entlassung von mehr als 100 Mitarbeitern, die damals nach einem weggefallenen Opel-Auftrag das Unternehmen verlassen mussten. „Wir lassen uns nicht verarschen“, sagt ein Mitarbeiter gegenüber der WAZ. „Die machen Millionen-Gewinne und wollen uns abspeisen.“

Gefordert hat die Belegschaft in ihrem vom Betriebsrat ausgearbeiteten Vorschlag unter anderem Abfindungen von durchschnittlich 100.000 Euro und die Bildung einer Transfergesellschaft. „Die Belegschaft hat ein hohes Durchschnittsalter von 47 Jahren, bei vielen liegt die Ausbildung schon weit zurück“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Michael Munsch. Nur mit zusätzlicher Qualifizierung im Rahmen einer Transfergesellschaft hätten die meisten noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dass das Unternehmen Abfindungen und Zugehörigkeit zur Transfergesellschaft miteinander verrechnen will, ist offenbar einer der Gründe für die Empörung der Belegschaft.

Angebot mehrfach herausgezögert

Sie hatte den vor einigen Wochen neu gewählten Betriebsrat gedrängt, Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen aufzunehmen, da sie nach dem Auslaufen des Ford-Auftrags im Frühjahr 2017 eine Werksschließung befürchtet. Das Ziel sollte eine Verabredung über einen Sozialplan im Falle eines Schließungsbeschlusses sein. „Die Leute haben Angst, dass am Ende kein Geld mehr für sie übrig bleibt, zumal das Werk Bochum ein eigenständiges Unternehmen ist“, sagt Volker Strehl, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Bochum. Die Empörung der Belegschaft sei aus seiner Sicht nachvollziehbar, zumal die Geschäftsleitung das angekündigte Angebot mehrfach herausgezögert und erst am Montagabend präsentiert habe. Der Betriebsrat hatte zwischenzeitlich die am Montagmorgen begonnene Betriebsversammlung unterbrochen und am Dienstag fortgesetzt. Und ein Ende der Produktionsunterbrechung war am Mittwochabend noch nicht in Sicht. Gegen 16 Uhr war ein hochrangiger Gesprächspartner der Deutschland-Zentrale aus Burscheid gekommen, um zu verhandeln.

Einzelheiten über den Konflikt mochte Johnson Controls am Mittwoch nicht nennen. Indes bestätigte Unternehmenssprecher Lars Boelke, dass die Arbeit ruhe. „Wir lassen gerade die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme prüfen.“

Täglich 1750 Autositze

Täglich 1750 Sitze werden in Bochum im Drei-Schicht-Betrieb für die Fiesta-Produktion in Köln hergestellt – im Wesentlichen „just in time“. Die täglich angelieferten Sitze werden in der Regel sofort verbaut. Ford-Kommunikations-Chefin Beate Falk erklärte am Mittwoch, noch laufe der Betrieb, und Ford versuche Einfluss darauf zu nehmen, dass die Arbeit wieder aufgenommen werde. Sollte die Produktion nicht bald wieder anlaufen, „werden wir ein Problem bekommen“, so Falk. Dann müssten Schichten ausfallen. Bis zu 1900 Exemplare des Fiesta werden im Ford-Werk täglich für den skandinavischen Raum, für West- und Südeuropa hergestellt. Falk: „Das sind alles bestellte Fahrzeuge. Wenn wir nicht produzieren können, dann müssen die Kunden länger darauf warten.“