Bei Fiege in Bochum ist und bleibt Pils die Nummer eins

Flaschenkontrolle: Auch modernste Technik kann das geschulte Auge von Mitarbeitern nicht ersetzen.
Flaschenkontrolle: Auch modernste Technik kann das geschulte Auge von Mitarbeitern nicht ersetzen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
20 WAZ-Leser besuchten zum Auftakt unserer Sommerserie die Brauerei Fiege. Eine Verkostung des Zwickelbieres gehörte mit zum Programm.

Bochum.. „Bier schmeckt gut“, prangt auf einer der historischen Reklametafeln, die die Kellerflure schmücken. Damals, in der Wirtschaftswunderzeit, wurde Werbung noch auf den Punkt gebracht. Die Botschaft gilt bis heute. Frag’ nach bei den 20 Leserinnen und Lesern, die sich zum Auftakt der Sommerserie „Die WAZ öffnet Pforten“ bei Fiege zuprosteten.

Jährlich sind es 10.000 internationale Freunde des Gerstensaftes, die sich durch die Privatbrauerei an der Moritz-Fiege-Straße führen lassen. Die WAZ-Tour ist ausnahmsweise Chefsache. Inhaber Hugo Fiege lässt es sich nicht nehmen, unsere Leser zu begrüßen und mit Mitarbeiterin Saskia Albers ein Stück weit durch eine der letzten unabhängigen Brauereien im Ruhrgebiet zu begleiten.

Kontinuität ist Trumpf

„Sehr zum Wohle!“: Ein Pils zur Einstimmung. Und ab geht’s auf den Brauhof, wo Hugo Fiege stolz sein bescheidenes Geburts- und Elternhaus zeigt. Hier ist er mit seinem Bruder Jürgen aufgewachsen. Seit gut einem Vierteljahrhundert, in vierter Generation, führen sie die Arbeit ihrer Vorväter fort. Traditionspflege ist ihnen wichtig. Bierbrauen, sagen sie, ist Charaktersache. Die Ahnentafel der Braumeister zeigt gerade mal fünf Charakterköpfe. Das nennt man Kontinuität.

Serie Die erste Treppenstufe hoch (bis zum Ende der Führung werden es 360 sein): Im Sudhaus pocht das Herz der Brauerei. Die Leser probieren vom erstklassigen Hopfen und Malz. Männlicher Hopfen, erfahren sie, ist innen hohl und daher nicht zu gebrauchen. „Kenn’ ich irgendwo her“, grinst eine Ehefrau. Das Mischen der Maische wird am Computer gelenkt und überwacht. Das Reinheitsgebot stammt von 1516. Die Technik des 55-Mitarbeiter-Betriebs genügt modernsten Ansprüchen.

„Bochum“ ertönt im Lagerkeller

Würzpfanne, Läuterbottich, Gär- und Hefekeller: Station für Station beobachtet und begreift die WAZ-Gruppe den Prozess des Bierbrauens. Im Lagerkeller, 13 Meter unter dem Brauhof, erwartet sie eine Überraschung. Aus den Lautsprechern ertönt Grönemeyers „Bochum“: Ausweis der Verbundenheit, die die Fieges mit ihrer Stadt verknüpft; als dessen Botschafter und Sponsoren sie sich seit Jahrzehnten engagieren.

1878 – der Braubetrieb war just aufgenommen worden – wurde das düstere Ziegelgewölbe angelegt. In der Urzelle, der Kühlkammer der Brauerei, reift das Jungbier bei null Grad 28 Tage bis zur Entfaltung. Dass das Pils auch mit ungefilterten Hefe- und Eiweißrückständen lecker ist, erschmecken die Leser bei einer Verkostung des „Zwickelbiers“ direkt aus einem der mächtigen Tanks, die sechs Millionen Gläser Bier fassen. Mit inzwischen zwölf Sorten werden Gastronomie und Getränkehandel beliefert. „Als ich mit meinem Bruder die Leitung übernahm, waren’s noch zwei“, erzählt Hugo Fiege. Mit 70 Prozent Marktanteil ist das Pils aber unangefochten die Nummer 1.

Experten-Tipp - „Biergläser gehören nicht in die Spülmaschine“

Der Umtrunk in der Brauerei wird für Expertentipps genutzt: Lagern Sie Ihr Bier daheim kühl und dunkel und genießen Sie es bei sechs bis acht Grad. Und: Biergläser nie in die Spülmaschine packen. Die Reinigungsmittel sind zu aggressiv. Die Gläser einfach mit Wasser ausspülen. Das reicht vollkommen.

XXL-Spülmaschinen bestaunen die Leser inmitten des lauten Klirrens der Abfüllanlage. Jedes Gefäß wird vom „Flascheninspektor“ durchleuchtet und auf Schäden geprüft. So kann eine Pulle 20 bis 30 Mal wiederverwendet werden. Abfüllung, Etikettierung auf Bauch und Rücken: Alles läuft automatisch. Bis zu 25 000 Flaschen werden stündlich gefüllt. Der Bügelverschluss, den Fiege 2002 wieder eingeführt hat, kostet zwar zusätzliches Geld, sorgt aber für einen fast unbezahlbaren Wiedererkennungswert. „Das ,Plop’ gibt’s eben nur bei Fiege“, sagt ein Liebhaber. Fast feierlich.

Leere Flaschen immer geöffnet lassen

Ihr nächstes Fiege werden sie sich „besonders schmecken lassen“, bedanken sich die Leser zum Abschluss. Gut möglich, dass sie auch einer großen Bitte der Brauerei folgen: „Stellen Sie die leeren Flaschen immer geöffnet in den Kasten zurück.“ Zwar werden die Verschlüsse vor dem Abfüllen nicht manuell, sondern automatisch geöffnet. „Ist die Flasche mit den Rückständen länger verschlossen, kann sich aber Schimmel bilden – was die Reinigung unnötig erschwert.“