Begegnungshof in Bochum bietet Therapie für Mensch und Tier

Susanne "Sunny" Claus mit dem niederländischen Kaltblut-Pferd Franz auf dem Mensch-Tier-Begegnungshof.
Susanne "Sunny" Claus mit dem niederländischen Kaltblut-Pferd Franz auf dem Mensch-Tier-Begegnungshof.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Auf dem Mensch-Tier-Begegnungshof schätzen Besucher die Nähe zu Tieren. Darunter sind auch Kinder und Erwachsene mit Behinderung.

Bochum-Riemke.. Behutsam legt Peter Brinke seine Arme auf den Rücken von Franz und schmiegt sich an das dunkelbraune Fell des Kaltbluts. Das Pferd steht ganz still. „Die beiden sind tiefenentspannt“, ruft Susanne Claus über das Gatter hinweg. Sie hält Franz am Halfter. Seitdem das Pferd vom Schlachter gerettet wurde, hat sie es ins Herz geschlossen und kommt regelmäßig zum Mensch-Tier-Begegnungshof. Genau wie der 46-jährige Peter. Er ist geistig behindert. Einmal in der Woche ist er auf dem Hof, hilft mit und genießt es, den vielen Tieren hier so nah sein zu dürfen.

Möglich macht das Angelika Tillmann-König. Im Jahr 2007 hat sie den früher landwirtschaftlich genutzten Hof am Tippelsberg in eine sozial- und heilpädagogische Einrichtung verwandelt. Gemeinsam mit vier geistig behinderten Menschen lebt sie hier, betreut diese und versorgt die vielen Tiere. Denn neben Kaltblut Franz konnte sie noch mehr Pferde, Esel, Ziegen, Schafe, Kaninchen, Schweine, Hunde und Katzen bei sich aufnehmen. Bei der Pflege der Tiere und Instandhaltung des Hofs werden die Chefin, die vier Bewohner und zwei Angestellte von den vielen Besuchern unterstützt.

Gartenarbeit, Hauswirtschaft, Handwerk – überall kann jeder mit anpacken und etwas dazu lernen. Egal, ob jung oder alt, mit oder ohne Behinderung. „Den großen Begriff Inklusion setzen wir hier schon seit Jahren um“, sagt Heilpädagogin Tillmann-König. Von Anfang an war es ihr wichtig, dass der Hof für alle geöffnet ist.

Begehbares Piratenschiff und Bauwagen erwarten Besucher

Die Vielfalt ist da – unübersehbar. Die Wände der Stallungen sind bunt gestrichen und wurden mit selbstgemalten Figuren verziert. Während der Ferienspiele im Sommer ist ein begehbares Piratenschiff als Spielplatz gebaut worden. Es gibt einen Bauwagen mit Kinderwerkstatt. Im Garten wachsen Blumen, Gemüse und Kräuter.

Die Möglichkeit mitzugestalten motiviert vor allem Jugendliche, die ihre Sozialstunden auf dem Hof leisten und anschließend als Praktikanten dort bleiben wollen. In den verschiedenen Bereichen auf dem Hof lernen die Jugendlichen neue Arbeitsfelder kennen, können ihre eigenen Fähigkeiten kreativ einsetzen und treffen auf unterschiedlichste Menschen. Im intensiven Kontakt mit den Tieren übernehmen die Jugendlichen Verantwortung. Und diese, wie Kaltblut Franz, geben alle etwas zurück. „Franz ist mein Seelenheiler“, sagt Susanne Claus. „Pferde fühlen, was uns bewegt. Und es bewegt sie“, zitiert sie einen Spruch. Franz sei immer ehrlich und spüre ihre Emotionen, wie niemand anders. Das hat auch Peter Brinke gespürt.