Baustelle: unbeliebt, aber akzeptiert

Das Bild zeigt (v.l.) Kinga Woss und Katharina Bersch am Mittwoch dem 06.05.2015 vor dem Deco Markt, Kortumstraße in Bochum.
Das Bild zeigt (v.l.) Kinga Woss und Katharina Bersch am Mittwoch dem 06.05.2015 vor dem Deco Markt, Kortumstraße in Bochum.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Kortumstraße bleibt noch bis November eine Wanderbaustelle. Kanalisationund Pflasterung werden erneuert.

Bochum.. Es ist laut, es ist schmutzig und die Kunden sind genervt. Das tägliche Leben mit der Baustelle geht nicht spurlos an den Anliegern der Kortumstraße vorbei. Zwischen Südring und Husemannplatz wird seit Februar die Kanalisation erneuert und anschließend mit einer neuen, flanierfreundlichen Oberfläche versehen. Die vergangenen Wochen verbrachten die Einzelhändler an der Kortumstraße inmitten von Dreck und Lärm, doch wirklich verärgert ist kaum jemand.

„Es muss ja gemacht werden“, zeigt eine Verkäuferin, die namentlich nicht genannt werden möchte, Verständnis für die Umstände. „Es ist nur der Staub, der nervt. Ich habe gerade hier die Regale geputzt, ich kann gleich schon wieder putzen“, sagt die Angestellte eines Schuhgeschäftes und rollt dabei mit den Augen.

Weniger der Staub, sondern eher die Lautstärke stört die beiden Mitarbeiterinnen des Geschenkeartikelladens Deco. „Es ist eine Katastrophe!“ sagt Kinga Woss. „Es ist unglaublich laut. Die Laufkundschaft bleibt weg, die Stammkunden kommen seltener.“

Probleme bereite den Einzelhändlern besonders die teils abenteuerliche Wegesituation vor den Geschäften. „Das schlimmste ist, wenn wir Ware bekommen“, sagt Ilona Paschko. Die früher übliche Anlieferung per Lkw bis direkt vor das Ladenlokal sei so nicht mehr möglich. Eine große Hilfe jedoch seien die Baustellenarbeiter: „Die sind alle sehr hilfsbereit. Die helfen, schieben, schleppen...die können wir nur loben. Und die machen ja schließlich auch nur ihren Job“, sagt Kinga Woss. Dennoch: Etwa 50 Prozent weniger Umsatz verzeichnen die Deco-Mitarbeiterinnen seit Februar.

Seit Baustellenbeginn 40 Prozent weniger Umsatz

Über weniger Kundschaft klagen auch Christel und Felix Lang. Die Franchisenehmer machen seit Baustellenbeginn mittlerweile 40 Prozent weniger Umsatz mit ihrem Backshop. Die Außengastronomie mit rund 20 Plätzen steht normalerweise das ganze Jahr über vor der Tür, jetzt ist dort kein Platz mehr. Lediglich ein schmaler Weg bleibt den Fußgängern noch, an Tische und Stühle sei unter diesen Umständen nicht zu denken, sagt Christel Lang. Weniger Ware und weniger Personal sind die Konsequenz, die sie und ihr Mann daraus ziehen.

Auf die Frage, wie lange das „Backwerk“ die wirtschaftliche Situation noch aushalten könne, zuckt sie nur mit den Schultern und sagt: „Schau’n mer mal. Nützt ja nichts.“ Mit dem Verlauf der Baustelle ist die Stadt derweil bislang vollauf zufrieden. Denn: „Wir sind noch im Plan“, sagt Thomas Fründ vom Baustellenmarketing. Bis zum November soll die Kortumstraße komplett fertig gestellt sein.