Autoren werden immer teurer
30.07.2007 | 23:46 Uhr 2007-07-30T23:46:11+0200Trotzdem hat sich die Literarische Gesellschaft für den Herbst viel vorgenommen
"Höhenkammliteratur", Nachwuchs und lokale Talente - die Literarische Gesellschaft Bochum hat sich für die Zukunft viel vorgenommen.
Nach dem Wechsel im Vorstand der 1905 gegründeten Literarische Gesellschaft Bochum soll ein möglichst breites Spektrum an Literatur abgedeckt werden. Die beiden Vorsitzenden Dr. Gerhard Rupp und Dr. Ralph Köhnen wollen nicht mehr nur "die Höhenkammliteratur abgrasen", wie Köhnen meint. Dennoch will man sich von den großen Namen auch nicht verabschieden.
Die indes nach Bochum zu holen, ist kein leichtes Unterfangen. "Die Autoren werden immer teurer. Unter 400 Euro plus Spesen und Übernachtung läuft da gar nichts mehr", so Köhnen. Die Gesellschaft finanziert sich über die Jahresbeiträge ihrer 170 Mitglieder sowie über Spenden. Immerhin, mit Ralph Giordano steht man bereits in Verhandlungen. Der eloquente, manchmal unbequeme Querkopf ("Erinnerungen eines Davongekommenen") soll im nächsten Frühjahr nach Bochum kommen, ebenso der Hölderlin-Preisträger Ludwig Harig ("Kalahari - ein wahrer Roman").
Doch bis zum Frühjahr muss man nicht warten, um in den Genuss von Lesungen ausgezeichneter Autoren zu kommen. Den Anfang macht am 4. September der altgediente Bochumer Wortrecke Hugo-Ernst Käufer mit einer Lesung und Musikcollage in der Stadtbücherei. Hiermit wird eine Ausrichtung des Bochumer Literaturclubs bereits erkennbar. Man will sowohl rauf auf den Berg als auch hinunter ins Tal, sprich: Die guten Autoren sind oft ganz in der Nähe, man hat den Blick für den Propheten im eigenen Land.
Ebenso verhält es sich mit dem erst 24-jährigen Jörg Albrecht, der an der Bochumer Ruhr-Universität studiert und unlängst am Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilgenommen hat. Er stellt am 19. September im Museum seine Kreativität im Rahmen einer Lesung und Klangperformance vor. Im Rahmen der "Adalbert-von-Chamisso-Tage" reüssieren dann am 18. Oktober die beiden Italiener Gino Chiellino und Franco Biondi im Theater unter Tage des Schauspielhauses. Ihr Auftritt beschäftigt sich mit "Migrantenliteratur", früher auch "Gastarbeiterliteratur" genannt.
Gespannt sein darf man auf den "Literaturneuling" Martin Becker, dessen erster Roman "Ein schönes Leben" jetzt im renommierten Luchterhand-Verlag erscheint. Der erst 25 Jahre alte Becker ist Absolvent des Leipziger Literaturinstituts, sein Roman hat von einigen Kritikern bereits Vorschusslorbeeren erhalten. Er liest am 8. November im Theater unter Tage (TuT).
Eine Besonderheit wird der Abend mit dem exzentrischen Romancier und Lyriker Raoul Schrott am 15. November im TuT werden. Seine intensive Beschäftigung mit dem Dadaismus prägt auch sein eigenes Werk. Zu erwarten ist ein Abend zwischen eleganter Wortakrobatik und kreativem Nonsens.
Mit der Bücherschau am 4. Dezember bleibt sich die Literarische Gesellschaft treu. Angelehnt an das berühmte "Literarische Quartett" mit dem gnadenlosen Marcel Reich-Ranicki, stellen Gerhard Rupp, die Jugendbuchautorin Tamara Bach sowie die bekannten Literaturkritiker Thomas Steinfeld und Hubert Winkels die interessantesten Bücher der Saison vor. Allerdings sollen hier mehr Tipps für den klugen Bücherkauf gegeben werden, Verrisse und Warnungen sind weniger zu erwarten.
Mit dem Wettbewerb "Geld schreibt" rufen Rupp und Köhnen darüber hinaus die Bochumer Literaturinteressierten auf, selbst einen kurzen Prosatext zum Thema "Geld" zu verfassen. Der Stil ist frei, der Text sollte aber etwas mit dem Zahlungsmittel zu tun haben. Beginnen soll der Wettbewerb am 1. September, der Einsendeschluss der Manuskripte ist auf den 30. November 2007 festgelegt. Adresse: Literarische Gesellschaft Bochum, PD Dr. Ralph Köhnen, Germanistisches Institut der Ruhr-Uni Bochum, 44780 Bochum.

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