Auswandern nach Rumänien fürs Studium

Tristan Kollecker will in Rumänien Medizin studieren; derzeit büffelt er für die Aufnahmeprüfung.
Tristan Kollecker will in Rumänien Medizin studieren; derzeit büffelt er für die Aufnahmeprüfung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Tristan Kollecker macht Aufnahmeprüfung fürs Medizinstudium in Rumänien. Bis Mitte September muss er 450 Fragen zum Körper beantworten können.

Mitte.. Rumänische Ärzte kommen nach Deutschland, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden – der Bochumer Student Tristan Kollecker wandert bald nach Rumänien aus, um dort Medizin zu studieren. „Schon ziemlich abgefahren“, findet der 24-Jährige. Denn obwohl in Deutschland, besonders auf dem Land, Ärztemangel herrscht, ist für viele junge Leute an ein Medizinstudium kaum zu denken – selbst mit Einserabitur ist ein Studienplatz nicht sicher.

„Da gibt es ja keine andere Möglichkeit, außer ins Ausland zu gehen“, sagt Tristan Kollecker. Medizin habe ihn schon immer interessiert; da ein Studienplatz aber außerhalb seiner Möglichkeiten lag, schrieb er sich zunächst für Geschichte und Philosophie ein. Nach einigen Semestern historischer Quellenanalyse und Vorlesungen über das Verhältnis von Sprache und Denken war ihm dann doch klar: „Ich will lieber etwas Praktisches machen.“

4500 Euro Studiengebühr pro Jahr

So fasste er seinen Entschluss: ab ins Ausland – quasi als NC-Flüchtling (Numerus Clausus). Aber warum Rumänien? „Fand’ ich spannender als etwa Holland, das machen ja viele“, sagt er. „Außerdem ist es eine günstige Alternative.“

Denn obwohl er an der Victor Babes University in Timisuora pro Jahr 4500 Euro Studiengebühren zahlen muss, sind Miete und Lebenserhaltskosten in dem EU-Neuling sehr viel günstiger als hier, hat sich Tristan ausgerechnet: „Das gleicht sich locker wieder aus.“

Rückkehr ist ungewiss

Zeitaufwändiger ist da auf jeden Fall das Lernen für die Aufnahmeprüfung: Einen Katalog von 450 Fragen zum menschlichen Körper muss der Bochumer, der in der Stadtmitte wohnt, bis zur Prüfung Mitte September beherrschen – von Basisfragen zur Grundstruktur der Zelle bis zu Spezialwissen wie den Reaktionen des autonomen Nervensystems. „Das ist zwar viel, aber machbar“, sagt er optimistisch. Genau wie der Fragebogen ist auch der Unterricht, zumindest in den ersten Semestern, auf Englisch. Nach zwei Jahren muss er aber Rumänisch gelernt haben – die Sprache ähnelt dem Italienischen, hat aber auch viele Einflüsse aus slawischen Sprachen.

Wenn’s mit der Aufnahmeprüfung klappt, geht es für Tristan Kollecker im Oktober dann nach Rumänien – ob und wann er zurückkommt, weiß er noch nicht. „Das mache ich ja auch davon abhängig, ob es mir in dem Land gefällt.“ Über das Leben in Rumänien und die Kultur des Landes weiß er bisher noch wenig. „Aber gerade deshalb möchte ich ja dahin – ich bin auf jeden Fall super gespannt.“