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Auswandern, der Liebe wegen

14.02.2012 | 17:05 Uhr
Auswandern, der Liebe wegen
Die Ausstellung „Erinnerungen an eine neue Heimat“ in Stahlhausen thematisiert die Geschichte der Einwanderung in die BRD.

Bochum.Es gibt wenige Stadtteile, wo die Ausstellung „Erinnerungen an eine neue Heimat“ besser hinpasste als Stahlhausen. In diesem Wohnviertel leben besonders viele Menschen verschiedener Nationalitäten, wobei der Großteil türkischer Abstammung ist. Nicht zuletzt deshalb entsteht dort auch in der Friedenskirche ein multikultureller Stadtteiltreff.

Die zweisprachige Ausstellung erzählt in Texten, Fotos und Filmen die Lebensgeschichten von deutschen und türkischen Frauen, die vor mehreren Jahrzehnten in das jeweils andere Land ausgewandert sind.

Liebe vs. Arbeit

Dabei wollten die Initiatoren die aktuelle Integrationsdebatte um einen Perspektivwechsel ergänzen, erklärte Kuratorin Dorte Huneke. „Wir wollten auch zeigen, wie deutsche Migrantinnen in der Türkei leben.“ Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist der Auswanderungsgrund. „Die deutschen Frauen sind oft der Liebe wegen ausgewandert, die türkischen Frauen meist wegen der Arbeit“, so Dorte Huneke.

Die Türkei bot in den 1930er Jahren zahlreichen Wissenschaftlern und Intellektuellen aus Deutschland Zuflucht. Sie fanden vor allem in Istanbul eine neue Heimat. Die ersten deutschen Einwanderer kamen bereits im frühen 19. Jahrhundert als Händler und Geschäftsleute an den Bosporus. Heute leben in Istanbul schätzungsweise 6000 Deutsche, es gibt deutsche Kirchengemeinden, das deutsche Krankenhaus und den Kulturverein.

10.000 Menschen türkischer Herkunft

Die Türkei und Deutschland unterzeichneten am 31. Oktober 1961 das Anwerbeabkommen zur zeitlich begrenzten Anwerbung von Arbeitskräften. Heute leben in Bochum zirka 10.000 Menschen türkischer Herkunft.

Am Donnerstag, 23 Februar, 18 Uhr, stellen die Autoren Dr. Kemal Bozey und Kemal Yalcin das Buch „Deutsche im Exil in der Türkei“ vor. Am Donnerstag, 1. März, 18 Uhr, gibt es ein interreligiöses Gespräch mit Pfarrer Holger Nollmann von der Evangelischen Kirchengemeinde, der früher die deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul leitete, und dem islamischen Theologen Mehmet Soyhun, Ditib-Beauftragter für interreligiöse Zusammenarbeit im Regionalverband Essen, Thema: „Christliches Leben in der Türkei, muslimisches Leben in Deutschland“.

Sabine Vogt

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