Ausstellung der Gründerstudenten der Ruhr-Uni geht online

Roland Emrich (l., ehemaliger Vorsitzender des Asta), Willi Bredemeier und die von ihnen organisierte Ausstellung im Unizentrum.
Roland Emrich (l., ehemaliger Vorsitzender des Asta), Willi Bredemeier und die von ihnen organisierte Ausstellung im Unizentrum.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Sie soll ein Denkmal an die wilde Studentenzeit sein und ein Angebot auf Versöhnung. Es geht um große und kleine Politik und viele Erinnerungsstücke.

Bochum.. Es soll ein Denkmal an die wilde Studentenzeit sein, aber auch ein Angebot auf Versöhnung: Die Ausstellung über die 68-er Studentenbewegung in Bochum, auf die Beine gestellt von Willi Bredemeier und Roland Emrich, geht nun auch online. Die Tafeln, die bis zum vergangenen Samstag im Querenburger Bürgersaal am Unicenter zu sehen waren, erzählen vom ersten Aufbegehren der Studenten an der noch jungen Ruhr-Universität.

Artikel der Studiertenzeitung

„Vieles was heute Mainstream ist, musste damals erst erkämpft werden“, sagt Bredemeier. Zum Beispiel die Mitbestimmungsrechte der Studenten. Oder, ganz profan: die U35. Alte Artikel der Studierendenzeitung BSZ bezeugen die großen Demos, nach dem Mord an Benno Ohnesorg, gegen die Notstandsgesetzgebung oder auch gegen die Fahrpreiserhöhung der Bogestra. „Damals haben alle mitgemacht – undenkbar in der heutigen Zeit“, sagt Bredemeier. Er und sein Partner und alter Studienkollege Ermrich bedauern ein wenig, dass die heutige Studentengeneration so unpolitisch sei: „Heute ist es schwierig, die Leute für Dinge zu mobilisieren“, meint Bredemeier. Andererseits: mit dem Kalten Krieg im Hintergrund ist es einfach, wenn nicht notwendig, sich mit Politik zu beschäftigen. Nicht zuletzt, weil sie auch auf zwielichtige Weise ins Unileben Einzug hielt: „Es lohnt sich für Leute, die hier studiert haben, mal ihre Stasi-Akte zu lesen“, empfiehlt Bredemeier. Denn so mancher Kommilitone entpuppte sich als Spion der DDR, mit dem Auftrag, die westlichen Studenten unter die Lupe zu nehmen, erzählt er.

Bei der Ausstellung geht es aber nicht nur um die große und kleine Politik: Auch den damaligen Studentenkneipen wird Respekt gezollt, Fotos zeigen den damals noch kleinen Campus, auf dem wohl alles etwas familiärer zuging als heutzutage: Den damaligen Mensachef kann Bredemeier heute noch mit Namen nennen. Es war nicht alles Revolte, manchmal hatte man auch schlichtweg Spaß: „Es war ja nicht nicht so, dass wir einfach Rabatz machen wollten. Aber Deutschland war damals ein autoritäres Land“, stellt Bredemeier klar: „Aber wir haben gewagt, zu widersprechen.“

Gerade daran will die Ausstellung erinnern, genau deshalb geht sie nun auch ins Netz, wo sie länger zu sehen ist: „Außerdem taucht in letzter Zeit so eine 68-er-Beschimpfung auf, dem wir entgegentreten wollen“, sagt Ermrich. Um Selbstbeweihräucherung soll es aber nicht gehen. Emrich: „Wir wollen nur unseren Ruf wieder gerade rücken.“