Ausbrüche zwischen Wahnsinn und tiefster Depression

„Den 20. ging Lenz durchs Gebirg.“ So lapidar beginnt Georg Büchners Erzählung „Lenz“ (1839) und ebenso harmlos eröffnet Schauspieler Linus Ebner seinen Soloabend im Rottstr.5-Theater. Noch eine Theatralisierung eines Prosatextes, denkt man und harrt, nicht sonderlich aufgeregt, der Dinge, die da kommen mögen. Doch spätestens nach zehn Minuten ist man derart überrascht und gefesselt von dem, was der junge Schauspieler auf der Bühne veranstaltet, dass man sich vor Erstaunen die Augen reibt.

Ebner hat nicht nur die Textfassung erarbeitet und dabei clever montiert und gestrichen, sondern zeichnet auch für die Regie verantwortlich. Er rezitiert in einer Art und Weise, die der Schönheit der Sprache Rechnung trägt und findet zugleich wunderbar abstruse Bilder, um die Geschehnisse der Novelle in Szene zu setzen. Ebner wird zu Jakob Michael Reinhold Lenz, der Büchner als Vorlage diente.

Lenz litt an einer paranoiden Schizophrenie und Büchner, als Arzt an allem Pathologischen interessiert, beschreibt die Lebensphase, in der die Krankheit zum ersten Mal ihr furchtbares Gesicht zeigt. Doch Ebner macht daraus kein Betroffenheitstheater. Im Gegenteil, neben stillen und beklemmenden Momenten hat er viele lustige Ideen, um Lenz’ Ausbrüche zwischen Wahnsinn und tiefster Depression zu bebildern. Und so gerät dieser Abend zu einem urkomischen und phantasievollen Psychogramm. Am Ende verlässt man das Theater glücklich.

Linus Ebner gehört zu den wirklich Guten, und man darf auf seine künftigen Projekte gespannt sein.