Auch Lehrer fürchten Mathe
02.09.2009 | 13:27 Uhr 2009-09-02T13:27:00+0200
Bochum. Naturwissenschaften - nein danke. Viel zu wenig Lehramtsstudenten entscheiden sich für diese Disziplinen. An der Ruhr-Uni sind es gerade mal 44 Studierende. Als vorübergehende Möglichkeit, dem Lehrermangel zu begegnen, setzt der Philologenverband auf die Einstellung osteuropäischer Lehrer.
Mathe, Physik und Chemie - nicht nur für viele Schüler sind diese Fächer ein Graus. Viel zu wenig Lehramtsstudenten entscheiden sich für diese Disziplinen. Das hat Folgen: Es herrscht Lehrermangel bei den so genannten MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)-Fächern. Das bekommen immer mehr Bochumer Schulen zu spüren.
Nur 44 studieren Mathematik auf Lehramt
„Viele Abiturienten ziehen es wegen der hohen Anforderungen vor, keine naturwissenschaftlichen Fächer zu belegen", erklärt Ulrich Wicking, Leiter des Schulverwaltungsamtes. Momentan seien Lehrämtler mit diesen Fächern dünn gesät. So studieren an der Ruhr-Universität in diesem Semester nur 44 Lehramtsstudenten Mathematik. Zum Vergleich: Im Fach Deutsch sind es 237. Um die Zahl der Lehrer für Naturwissenschaften zu erhöhen, veranstaltet die Ruhr-Universität Projektwochen in der Fakultät für Physik oder Chemie. Künftigen Lehrern sollen so die Naturwissenschaften schmackhaft gemacht werden. „Schüler sollten früh für diese Fächer begeistern werden", betont Wicking.
Als vorübergehende Möglichkeit sieht der Philologenverband die Einstellung von osteuropäischen Lehrern. Um sich für das Unterrichten hierzulande fit zu machen, besuchen derzeit 20 Anwärter auf den deutschen Schuldienst das Studienkolleg des Ökumenischen Studienwerks Bochum.
Viele stammen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und sind ausgebildete Lehrkräfte für Mathe, Physik oder Informatik. Fachlich erfüllen sie die gesuchten Qualifikationen. Im Seminar vertiefen die Zuwanderer ihre Sprachkenntnisse. Darüber hinaus lernen sie alles über den Alltag in deutschen Klassenzimmern.
Während der Sommerferien prognostizierte der Deutsche Philologenverband, dem viele Gymnasial-, Gesamt- und Hochschullehrer angehören, bundesweit eine Lücke von 30 000 Lehrerstellen bei diesen Fächern. Nach der Lehrer-Einstellung zum neuen Schuljahr ist klar: „In Bochum sind alle MINT-Fächer Mangelfächer", bestätigt Reiner Willeke von der Bezirksregierung Arnsberg. Das größte Sorgenkind unter diesen Fächern ist Mathematik. Hier fehlten in Bochum die meisten Pädagogen. Die genaue Zahl der unbesetzten Lehrerstellen liegt nach Angaben der Bezirksregierung erst im Laufe dieses Monats vor.
Die Pädagogen-Knappheit macht sich auch an der Schiller Schule bemerkbar. „Weil wir keinen Physiklehrer einstellen konnten, unterrichtet bei uns ein Seiteneinsteiger", erläutert die stellvertretende Schulleiterin, Gudrun Birkholz-Bräuer. Gerne hätte das Gymnasium einen Pädagogen eingestellt. Schließlich müssen Quereinsteiger die pädagogische Qualifikation erst noch nachholen. Für Birkholz-Bräuer ist Lehrermangel in den Naturwissenschaften indes kein Novum. „Es hat schon immer Fächer gegeben, für die es zu wenig Lehrer gibt", erklärt sie und ergänzt: „Mathe und Physik gehören zu diesen Mangelfächern, aber auch Musik und Latein."
"Es ist schwer, Ersatz für pensionierte Lehrer zu finden"
Sogar Schulen, bei denen zurzeit noch alle Lehrerstellen besetzt sind, haben Schwierigkeiten: Oliver Bauer, Schulleiter am Heinrich-von-Kleist Gymnasium, schildert die Lage. „Im nächsten Schuljahr werden Kollegen, die Chemie und Physik unterrichten, pensioniert. Es ist schwer, Ersatz für sie zu finden." Um später den Unterricht in diesen Fächern gewährleisten zu können, sucht Bauer schon jetzt nach neuen Pädagogen. In einer ähnlichen Situation befinden sich andere Bochumer Schulen. Wie groß mittlerweile der Druck – auch zwischen den Schulen – geworden ist, zeigt sich etwa daran, dass viele Direktoren sich öffentlich nicht zu dem Thema äußern wollen.
Der Philologenverband fordert als eine Lösung für das Lehrer-Problem die „gesellschaftliche Aufwertung des Lehrerberufs". So sollen mehr Abiturienten als Lehrer für Naturwissenschaften gewonnen werden. Bis diese Maßnahme greift und die neuen Lehrer eingesetzt werden können, dauert es aber mehrere Jahre.

06:46
In den Mangelfächern fehlen die Studenten, die eine hohe Abstraktionskraft und Ausdauer besitzen. Solche werden leider in der Schule nicht herangezogen.
18:47
Auch Lehrer fürchten Mathe ist natürlich Unsinn.
Gemeint sind hier Abiturienten, die noch lange keine Lehrer sein werden.
Wieder ein Beispiel für die kleinen Sticheleien, denen wir von Seiten der Journalisten ständig ausgesetzt sind.
13:40
@vielfahrer
Woher nehmen Sie denn Ihre Kenntnisse über die Ansprüche eines Lehramts-, Ingenieurs- und BWL-Studium?
Die Aussage, dass BWL-Mathe schwerer sein soll als Lehramts-Mathe kann ich gar nicht teilen, die, dass Ingenieurs-Mathe schwerer ist, nur teilweise. Aber das ist eben auch subjektiv, dem Einen fällt dieses, dem Anderen jenes einfacher
19:19
@5 von Prinz v.Savoyen.Carignan
Toller Kommentar! Sowas möchte ich auch schreiben können. Was muss man dafür vorher einnehmen?
18:01
Wer klug genug ist, ein naturwissenschaftliches oder mathematisches Studium zu schaffen, wird wohl auch so klug sein, sich alternative Berufsfelder vorher genau anzusehen und wird dann kaum einen Grund finden, sich fürs Lehramt zu entscheiden.
Medien und Politik haben diesen Beruf in den letzten 25 Jahren derartig verunglimpft, dass das Lehramt nicht mehr erste oder zweite Wahl ist, sondern letzte Wahl. Die öffentlichen Schulträger haben den Arbeitsplatz Schule so sehr verkommen lassen, dass normale städtische Angestellte sofort von ihrer Gewerkschaft in den Streik geschickt würden, wenn sie unter diesen Bedingungen arbeiten sollten.
18:00
Lehrer fürchten nicht direkt die Mathematik sondern die Arbeit. Diese Einstellung entsteht nicht erst nach dem (Lehramt) Studium.
17:45
Solange in Fernsehshows sogenannte Promis stolz davon erzählen, das sie Mathe-Nieten waren, wird sich das nicht ändern. Würde einer sagen, dass er Mathe gut findet, wäre er wohl gleich unten durch. Mathe erfordert Konzentration und Anstrengung, zudem sind die Ergebnisse eindeutig bewertbar, da kann man sich nicht mit improvisiertem Rumlabern herausreden und noch gute Noten bekommen-deshalb ist Mathe unbeliebt. Die Ausbildung für das Lehramt ist doch gar nicht so schwer, jeder BWL-oder erst recht Ingenieur-Student an einer guten Uni muss im 2. odr 3. Semester mehr Mathe können als ein Lehramtsbewerber. Und bis zur 10.Klasse müssten die Lehrer ja noch nicht einmal Abiturkenntnisse beherschen. Also : Verkürztes und einfachere Ausbildung für Lehrkräfte bis zur 10. Klase, für die Oberstufe die besseren und engagierteren ausbilden.
17:04
Wozu Mathe, Physik oder Informatik????
Da rare Geld mit flächendeckenden Islam-Unterricht verpulvern, damit bringen wir Deutschland zurück in die Wirtschaft-Weltspitze.
Da gibts auch keine Sorge wegen zu hohen Anforderungen an das Lehrpersonal.
Das kann jeder kranke Gotteskrieger.
MAHLZEIT!
16:38
Mit mehr GEld kommt auch die Anerkennung. Zudem sollte endlich etwas gegen die schlechte Bewertung des Lehrerberufes getan werden, warum ist ein Lehrer weniger anerkannt als ein Bankmanager, der nur eine simple Aufgabe hat,Gewinn zu machen?
Gesellschaftlich ist der Lehrer wichtig, nicht ein Zocker.
15:43
Wenn in der ach so bösen freien Wirtschaft - nur als Beispiel - ein Mangel an Software-Ingenieuren herrscht, es aber eher (zu) viele Bauingenieure gibt, dann steigen die (Einstiegs)gehälter der ersteren gegenüber denen Letzterer. Das geht im öffentlichen Dienst bzw. im Beamtensystem natürlich nicht. .... ähm...warum eigentlich nicht?
Wieso kann bzw. will man nicht auch finanzielle, gehaltliche Anreize für das Lehramt in Mangelfächern schaffen?