Astrofotograf verbringt Nächte als einsamer Sternengucker

Der stolze Astrofotograf Christian Ivanowski zeigt eine seiner Aufnahmen.
Der stolze Astrofotograf Christian Ivanowski zeigt eine seiner Aufnahmen.
Foto: Funke Foto Services
Christian Iwanowski ist fasziniert von fernen Galaxien. Um sie zu fotografieren, schlägt er sich so manche Nacht um die Ohren – allein in der Natur.

Bochum.. Eines vorweg: Weihnachtsstern, Mann im Mond oder die sausende Kutsche von Santa Claus hat Christian Iwanowski noch nicht gesehen, dafür aber viele andere faszinierende Bilder aus den Tiefen des Weltraums. Galaxien, Reflexionsnebel und rot leuchtende Wasserstoffwolken – das sind die Objekte seiner fotografischen Begierde. Der Bochumer ist begeisterter Sternengucker und Astrofotograf.

„Es gibt Wahnsinnsobjekte da draußen“, schwärmt der 50-Jährige und zeigt Bilder auf seinem Laptop. Irre. Aufnahmen aus fernen Welten, unerreichbar weit weg. Zwischen dem Fotografen und dem Motiv liegen Entfernungen, die nur in Lichtjahren gemessen werden können. Also gibt es Bilder, die eigentlich nicht zu sehen sind, erst zum Vorschein kommen, wenn mit entsprechendem technischen Aufwand gearbeitet wird. Mysteriös mutet da das unheimliche blaue Leuchten im Sternbild Orion an, unvorstellbare 25 Millionen Lichtjahre entfernt. Oder der wild-bunte Orionnebel aus leuchtendem Gas, den „heiße, junge Sterne umgeben“.

„Kurz gucken“ reichte ihm nicht mehr

Für Iwanowski sind das Ansichten, von denen er nicht mehr lassen kann, seit er vor zehn Jahren vom Astro-Virus infiziert wurde. „Es war im Urlaub. Ich betrachtete mit dem Feldstecher den Nachthimmel und war begeistert.“ Doch nur „kurz gucken“ reichte ihm nicht mehr. „Ich wollte die Bilder auch mit nach Hause nehmen.“

Also ran an die Optik. Nicht irgendeine Kamera oder Teleskop sollte es sein, sondern eine Mischung aus Gekauftem und Selbstgebautem. Kein Problem für den Elektroingenieur, der aber zugibt, dass zu solch einem eindrucksvollen Ensemble im Wert von rund 12.000 Euro auch Know-how gehört. „Wenn man es so weit treiben möchte, dann muss man schon technikaffin sein.“

Ins Stativ-Teleskop integrierte Iwanowski einen Motor und eine zweite Kamera. Die wird elektronisch angesteuert, fixiert die ausgewählten Sterne, hält sie so im Fadenkreuz. Der Motor sorgt zudem für den nötigen Dreh – aber gaaanz langsam. Denn während der Belichtungszeit, die bis zu sechs Stunden dauern kann, dreht sich die Erde ja weiter, muss das Teleskop nachgeführt werden. „Sonst wird der Stern zur Strichführung.“ Ein enormer Aufwand für nur ein Sternenfoto, denn hinzu kommt noch mal eine ebenfalls sechsstündige Bearbeitungszeit am Computer. „Im Grunde benötige ich für eine Aufnahme eine ganze Nacht.“

Tochter und Frau wundern sich manchmal über den Papa

Nicht zu vergessen die Aufnahmesituation an sich. Es muss am besten rabenschwarz sein, also Neumond, Lichtsmog verbietet sich und damit bleibt nur das dunkle Land. So steht der Sternengucker allein bei Dülmen auf einem Acker und friert sich den Ast ab. „Es ist kalt, man wird müde, da hört man schon mal die Flöhe husten und bekommt durchaus Angst.“ Ein einsamer Job, den der Sportler des TV Frisch Auf Altenbochum denn auch nur an sechs Tagen im Jahr annimmt. „Nach so einer Nacht kriecht man hundemüde und durchgefroren ins Bett.“

Klar, dass sich „Tochter und Frau schon mal wundern, wenn der Papa erst um vier Uhr morgens nach Hause kommt“, schmunzelt Iwanowski, der für sein Hobby Kälte und Einsamkeit in Kauf nimmt. Der Lohn jedenfalls ist riesig. „Es ist die Faszination, in die Vergangenheit zu blicken.“ Denn wenn eine dieser wundervollen, farbenprächtigen Galaxien, die auf den Fotos zu sehen sind, 30 Millionen Lichtjahre entfernt ist, dann guckt der Betrachter auch 30 Millionen Jahre zurück. Er sieht also etwas, was es jetzt wohl nicht mehr so gibt. „Beeindruckend“, findet der Sternengucker und empfindet Demut vor der Schöpfung. „Da kann man schon ins Grübeln geraten und sagen: Was sind meine kleinen Sorgen, wenn ich in die Anfänge des Universums blicke.“