Arbeit schützt nicht vor Pleite

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Das Unternehmen Creditreform hat den aktuellen Schuldneratlas für das Jahr 2014 vorgelegt. Dabei sind harte Fakten über die persönliche Finanzsituation eingearbeitet, wie Inkassofälle. Aber auch sogenannte weiche Daten wie Zahlungsverzögerungen oder andere Säumnis-Sachverhalte spielen eine Rolle. Bochum liegt mit einer Schuldnerquote von 12,23 Prozent im Vergleich zu anderen Revierstädten etwa im Mittelfeld. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Quote um 0,26 Prozent.

Nach den Zahlen von Creditreform gab es 2014 in der Stadt 28 026 Männer und Frauen, die nicht oder nicht vorschriftsmäßig in der Lage waren, ihre Schuldner zu bedienen. Die günstigste Quote der erfassten Revierstädte kann der Ennepe-Ruhr-Kreis aufweisen, dicht gefolgt von der Stadt Mülheim/Ruhr. Von zwölf bewerteten Städten und Kreisen liegt Bochum auf Rang 5. Das Schlusslicht bildet die Stadt Gelsenkirchen mit einer Quote von 16,78 Prozent an Schuldnern.

Doch der Blick ist uneinheitlich. Auch innerhalb einer Stadt gibt es ganz verschiedene Schuldnerquoten. Es hätte wohl nicht diese Untersuchung gebraucht, doch sie bestätigt ein innerstädtisches Klischee. So leben im Süden, etwa in Stiepel, nur 5,14 Prozent überschuldete Familien und Einzelpersonen. Ganz anders sieht es etwa in der Innenstadt aus. Dort liegt die Quote bei 22,01 Prozent. Ein genauer Blick auf die Verteilung der Quoten über das Stadtgebiet bestätigt das Nord-Süd-Gefälle, das auch als Wohlstandsgefälle bezeichnet werden kann.

Dabei gibt Creditreform auch Vorschläge zur Begründung und zum Hintergrund dieser Entwicklung. Die Arbeitslosenquote, früher ein sicherer Indikator für die Entwicklung einer Stadt, habe diese Funktion verloren. Immer mehr Menschen befinden sich zwar in einem Arbeitsverhältnis, jedoch häufiger in einem sogenannten prekären. „Die hieraus resultierenden Einkünfte eignen sich in der Regel nicht, um sich aus einer Überschuldungssituation zu befreien.“