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Antrag: Viele Jahre Haft wegen Missbrauchs

28.01.2008 | 21:29 Uhr

Staatsanwältin forderte nach einjährigem Prozess siebeneinhalb Jahre für einen Frührentner (49) aus Bochum. Sie ist sicher, dass er sich an seiner Tochter in mindestens 87 Fällen schwer vergangen habe. Es liegt kein Geständnis vor

Nach einjähriger Verhandlung am Landgericht hat die Staatsanwaltschaft am Montag für einen Frührentner (49) aus Bochum siebeneinhalb Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs gefordert. Die Staatsanwältin ist überzeugt, dass der Mann sich an seiner Tochter (heute 22) zwischen dem neunten und 13. Lebensjahr in mindestens 87 Fällen vergangen habe. In 37 Fällen habe er sogar den Geschlechtsverkehr vollzogen. Tatorte seien seine Bochumer Wohnungen und Urlaubsorte gewesen. Er habe seine Tochter "nachhaltig traumatisiert". Sie habe damals "großen Ekel" empfunden. Teilweise habe sie während der Prozeduren "nur einen Punkt fixiert, um nicht nachdenken zu müssen".

Es liegt kein Geständnis vor. Im ganzen Prozess schwieg der Angeklagte (nicht vorbestraft). Die Anklägerin warf ihm auch vor, nichts unversucht gelassen zu haben, um die Glaubwürdigkeit seiner Tochter zu erschüttern. Und: "Besonders schmerzhaft für sie ist, dass ihr Vater überhaupt kein Mitleid oder Reue gezeigt hat." Bis heute leide die 22-Jährige. Sie habe "ein mangelndes Selbstwertgefühl, obwohl sie selbst das Opfer geworden ist". Eine Verschwörung oder Falschbelastung schließt die Anklägerin aus.

Laut Anklage sollte es sogar rund 350 Übergriffe gegeben haben, sogar ab dem sechsten Lebensjahr. Bis auf 87 wurden aber alle anderen Vorwürfe im Laufe des Prozesses ungeklärt eingestellt. Angezeigt hatte die 22-Jährige ihren Vater nach einer Zeitungsanzeige zum 18. Geburtstag. Darin hatte er beklagt, dass seine Tochter den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte, nachdem sie ausgezogen war. Die Eltern sind geschieden. Am Donnerstag halten die zwei Verteidiger ihre Plädoyers. Urteil: 6. Februar.

Im Gerichtssaal nebenan fiel bereits gestern ein Urteil wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in einem anderen Fall. Ein Wittener (57) bekam vier Jahre und drei Monate Haft, weil er fünf Nichten (heute 14 bis 26) großteils schwer missbraucht hatte. 86 Übergriffe stellte die 3. Strafkammer fest. Der Täter war geständig. B.Ki.

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