Das aktuelle Wetter Bochum 12°C
Landgericht

Anklage nach großer Brandserie in Bochum

21.08.2012 | 17:45 Uhr
Anklage nach großer Brandserie in Bochum
Siebenmal in kurzer Zeit musste die Feuerwehr einen Brand in dem Haus (li.) an der Reichsstraße löschen.Foto: Karsten John

Bochum.   Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine ehemalige Bewohnerin (47) eines Mehrfamilienhauses an der Reichsstraße erhoben. Sie soll für die Brandserie in dem Haus an der Bochumer Reichsstraße verantwortlich sein, die von Mai bis Juni fast vier Wochen lang Anwohner, Polizei und Feuerwehr in Alarmbereitschaft versetzte.

Nach der großen Brandserie in einem Mehrfamilienhaus an der Reichsstraße mit sechs Verletzten hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine damalige Hausbewohnerin (47) erhoben. Das bestätigte am Dienstag das Landgericht auf WAZ-Anfrage. Ihr wird schwere Brandstiftung vorgeworfen. Der Frau drohen mehrere Jahre Gefängnis.

Die Brandserie in dem vierstöckigen Wohnhaus in Hamme hatte die Bewohner und die Feuerwehr wochenlang in Atem gehalten. Zwischen dem 11. Mai und 8. Juni war dort an verschiedenen Stellen Feuer ausgebrochen. „Eigentlich“, hatte ein Feuerwehrsprecher nach Brand Nr. 6 gesagt, „könnten wir den Hydranten und unsere Schläuche gleich vor Ort lassen.“ Wenige Tage später wurde die 47-jährige Bewohnerin verhaftet. In der U-Haft wartet sie jetzt auf ihren Prozess. Sie lebte zuletzt von Sozialleistungen. Vorbestraft ist sie nicht.

Staatsanwalt Dieter Justinsky hat jetzt nur zwei der sieben Brandfälle - die besonders schweren - in seine Anklage geschrieben. Zunächst das Feuer am 22. Mai: Damals hatte es auf dem Dachboden gebrannt. Die Feuerwehr konnte die Flammen löschen, bevor sie auf die Dachkonstruktion übergriffen. Der zweite Fall: Am 8. Juni war die Wohnung des Sohnes (26) der Beschuldigten völlig ausgebrannt. Ein Laken auf dem Bett soll angezündet worden sein.

„Aufgrund der Kamera-Auswertungen kann es niemand anders gewesen sein“

Noch am selben Abend war die 47-jährige Bewohnerin festgenommen worden. Nach dem sechsten der sieben Brände hatte die Kripo Kameras in dem Haus installiert. „Aufgrund der Kamera-Auswertungen kann es niemand anders gewesen sein“, sagte die Polizei.

Trotz der Festnahme wirft der Fall teilweise noch viele Fragen auf. Die Beschuldigte hatte damals nach Polizeiangaben zwar ein Geständnis abgelegt, dies aber teilweise widerrufen. Zu einem Tatmotiv ist bis heute nichts Genaues bekannt. Nur soviel: Sie soll sich über Müll im Haus geärgert haben. Im Prozess werden die Richter auch ein psychiatrisches und psychologisches Gutachten zur Schuldfähigkeit hinzuziehen.

Das Haus ist mittlerweile renoviert

Einmal hatte es die Frau hingenommen, dass ihr eigener Sohn festgenommen wurde. Er wurde aber kurze Zeit später wieder freigelassen . Während der Brandserie hatte die Frau einmal gegenüber der WAZ gesagt: „Er ist es wirklich nicht gewesen.“ Der Prozess vor der 1. Strafkammer wird wohl erst in vielen Wochen beginnen.

In dem Gebäude ist mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt, sagte der Besitzer gestern auf Anfrage. Außerdem sei das Haus jetzt in einem besseren Zustand als vorher. Die Fassade sei gestrichen, das Treppenhaus renoviert, die Installation im Keller erneuert worden. Die Wohnung der Beschuldigten wurde gekündigt.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
Aus dem Ressort
Wieder Brandstiftung? Fünfter Brand in Bochumer Hustadt
Kellerbrand
Geht in der Bochumer Hustadt ein Serien-Brandstifter um? Die Vermutung liegt nahe, denn in der Hochhaussiedlung häufen sich in jüngster Zeit die Feuerwehreinsätze. Immer wieder brennt es in Kellern von Mehrfamilienhäusern. Am Dienstagabend musste die Feuerwehr erneut ausrücken.
Stadt sucht dringend Wohnraum für 200 weitere Asylbewerber
Flüchtlinge
Die Stadt Bochum sucht Wohnungen oder Häuser, die vorübergehend von Flüchtlingen aus Syrien genutzt werden könnten. Die derzeitigen Kapazitäten seien nahezu komplett belegt. Derzeit kommen im Schnitt pro Woche 15 neue Flüchtlinge aus Syrien. Die Stadt erwartet mehr konkrete Hilfe vom Land.
Proteste gegen Bundeswehr-Stand bei Berufsmesse erwartet
Berufswahl
In der kommenden Woche findet im Ruhrcongress die 7. Berufsbildungsmesse Mittleres Ruhrgebiet statt. 94 Aussteller stellen mehr als 180 Berufe vor. Auch die Bundeswehr ist wieder mit einem Stand vertreten. Deshalb haben verschiedene Interessengruppen Proteste angekündigt.
Spende für Musikzentrum - Stadt muss 500.000 Euro zuschießen
Musikzentrum
Die Stiftung Bochumer Symphonie hat 600 000 Euro für den Ausbau der Verwaltungstrakts des Musikzentrums zur Verfügung gestellt. Allerdings liegt diese Summe zunächst nur als Bürgerschaft der GLS-Bank vor. Und: die Stadt Bochum muss zusätzlich 500 000 Euro Erstellungskosten über Kredite finanzieren.
Kommunales Kino in Bochum verdoppelt Angebot
Film
Seit 25 Jahren bietet das Kommunale Kino (KoKi) der Volkshochschule ein kleines, aber ausgewähltes Kinoprogramm. Zum zweiten Halbjahr 2014 verdoppelt sich das Angebot und es werden zwei neue Filmreihen präsentiert.
Umfrage
Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Niedecken "Unplugged" im Zelt
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
"Langendreer hats"
Bildgalerie
Schrubberaktion
Die Lerschstraße
Bildgalerie
Straßenserie