Angehörige von Demenzkranken erhalten Hilfe bei der Pflege

7000 Bochumer sind dement. Hilfe bietet unter anderem eine Musiktherapie der Alzheimer-Betreuungsgruppe.
7000 Bochumer sind dement. Hilfe bietet unter anderem eine Musiktherapie der Alzheimer-Betreuungsgruppe.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das LWL-Klinikum in Bochum weitete seine Hilfe für die Angehörigen von psychisch Kranken aus. Fachkräfte kommen auf Wunsch in die Wohnung.

Bochum.. Das Netzwerk für Angehörige von Demenzkranken wird ausgebaut. Fortan richtet auch das LWL-Universitätsklinikum Pflegekurse ein und unterstützt die Familien bei ihrer schweren Aufgabe daheim.

7000 Bochumer sind demenzkrank. Das sagt die Statistik. Das wahre Ausmaß dürfte deutlich größer sein. Als gesichert gilt: Vier von fünf Erkrankten werden zuhause betreut; vom Ehepartner, der Tochter, der Schwiegertochter. Allen gemein ist die körperliche und seelische Belastung. Meist rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche. Und das, obwohl die Angehörigen selbst nicht mehr die Jüngsten sind. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 58. Jeder Vierte ist sogar 75 und älter.

"Viele Angehörige sind froh, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen“

Das Leid der Kranken ist oft auch das Leid der Angehörigen. Sie gelten als „der zweite Patient“. Im LWL-Klinikum kennt man die Probleme, die auftreten, wenn der demente Ehegatte, Vater oder Mutter aus dem Krankenhaus nach Hause kommt. Vielfach seien die Angehörigen mit der häuslichen Pflege, aber auch in ihrer Trauer und Ohnmacht überfordert, weiß Pflegedirektorin Marion Brand. Feindseligkeit, Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Übergriffen: Sich stets klar zu machen, dass es die Geißel Demenz ist, die den geliebten Partner, die Eltern derart verändert, ist nicht leicht.

Die LWL-Psychiatrie bietet den Angehörigen jetzt verstärkt Hilfe an. Die Klinik beteiligt sich an einem Modellprojekt der Universität Bielefeld und der AOK. Titel: „Familiale Pflege“. Die Pflegefachkräfte Marion Strube und Franziska Kühne haben eine Weiterbildung der Uni Bielefeld absolviert. Seit Sommer 2014 stehen sie den Angehörigen seelisch kranker Menschen (meist Demenz) während des Klinikaufenthalts und sechs Wochen danach zur Seite – auf Wunsch auch zuhause, als mentale Unterstützung in der Regel zusätzlich zum Pflegedienst. „Wir erleben große Dankbarkeit. Viele Angehörige sind froh, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen“, berichtet Franziska Kühne von den ersten, positiven Erfahrungen.

Neben der Betreuung durch das LWL-Duo können die Angehörigen in Kursen (zehn bis zwölf Stunden) alle wichtigen Handgriffe und Hilfen für die Pflege daheim erlernen. Ende 2014 wurde der erste Lehrgang eingerichtet. In dieser Woche begann der zweite Kurs.

Der Bedarf an Hilfe und Information sei riesengroß, sagt Pflegedirektorin Marion Brand. Die Klinik will dem nachkommen: „Hält die Nachfrage an, könnten weitere Mitarbeiterinnen für das Pflegeprojekt weitergebildet werden.“