Andi Rogenhagen schreibt Romane als Urlaub vom Film

Andi Rogenhagen überarbeitet seine Drehbücher mehrfach. Nebenbei musiziert er gerne und zeichnet.
Andi Rogenhagen überarbeitet seine Drehbücher mehrfach. Nebenbei musiziert er gerne und zeichnet.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Der Bochumer Autor, Filmemacher und Grimme-Preisträger Andi Rogenhagen nimmt in seinem neuen Buch „Zwölfmeter“ die DDR aufs Korn. Ein Besuch in Langendreer.

Bochum.. Andi Rogenhagen hat seinen zweiten Roman geschrieben. „Zwölfmeter“ handelt von Bernd, einem Plakatmaler in der DDR. Die Plakatsprüche wie „DDR absolut Gestörten- und Gewalttäterfrei! “ oder „Reduziert die Waldbrände um 36,7 %“ sind so obskur, dass Bernd sich vom System distanziert. Dass die DDR im Jahr 1979 als Schauplatz eines Bochumer Autors fungiert, mag erstaunen. Das kam so: Rogenhagen träumte den Plot der Geschichte. Es geht, grob gesagt, um ein schicksalhaftes Fußballspiel gegen eine Sowjet-Auswahl.

Völlig fremd ist Rogenhagen die DDR nicht. Sein Vater arbeitete als Übersetzer im ehemaligen Ostblock für die Hüls-AG in Marl und brachte Anekdoten mit. Von weiterer DDR-Recherche ließ der Autor beim Schreiben allerdings schnell die Finger und erfand das System mit viel Fantasie neu. Gleichwohl fragte sein Lektor aus Sachsen: „Warum kennst du dich so gut in der DDR aus“, berichtet Rogenhagen. „Ein Autor muss darüber nachdenken, wie er die Hauptfigur quälen kann. Die DDR eignet sich hervorragend als Gegenspieler“, erläutert er. Der Roman, den er in vier Monaten schrieb, sei wie ein „Urlaub vom Film“ gewesen. An Drehbüchern arbeite er mehrere Jahre, da müsse er die Szenen viel ökonomischer bauen.

Komödien für Constantin und UFA

Andi Rogenhagen radelte als Junge gern zum Wesel-Datteln-Kanal. Dabei flimmerten wohl die ersten Filmszenen durch seinen Kopf. „Ich habe als Schüler mit Freunden Filmchen gemacht, aber habe relativ schnell kapiert, dass das ohne Plan furchtbar ist“, erinnert sich der 49-Jährige an die Anfangstage in Marl. Später studierte er in Dortmund Fotografie und Film, dann Drehbuchschreiben in Köln. Andi Rogenhagen ist heute gut im Geschäft.

Er lebt in Langendreer in einem Haus von 1904, das er mit seiner Frau gekauft hat. Der Autor schreibt morgens bis mittags und abends bis nachts. Zwischendurch kommen seine zwei Töchter aus der Schule. Über die Inhalte aktueller Auftragskomödien für Constantin Film und die UFA darf er nichts verraten. „Die haben immer alle Angst. Das geht dann so: Der eine macht einen Film über Tomaten. – Komm wir machen auch einen Film über Tomaten. Dann kommen drei Filme über Tomaten ‘raus und der erste, der ‘rauskommt, verdient Geld.“ Bis auf weiteres sind Rogenhagens Welt und Witz gut in seinen Filmen „Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte“, „Ein Tick anders“ oder in seinen Romanen zu erleben. Es lohnt sich.