An der Lehwackerstraße machten einst die Esel Station

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Was wir bereits wissen
Die Lewackerstraße in Bochum birgt Geschichten, die vor allem älteren Anwohnern noch bekannt sind. Willi Gellermann weiß solche Anekdoten zu erzählen.

Bochum.. Die Lewackerstraße erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Es sind eher die kleinen Anekdoten, die historischen Hintergründe, die diese Ecke zwischen Linden und Dahlhausen l(i)ebenwert erscheinen lassen. Neben der Lage natürlich, wie Willi Gellermann betont. „Die ist im Bochumer Süden nämlich exzellent.“

Was damit gemeint ist, wird er im Verlauf des Spaziergangs noch erläutern. Doch schnell wird klar, dass der 78-Jährige Ur-Lindener genau das „Dahinter“ schildern kann, das die Lewackerstraße birgt. „Früher gab es hier nur Felder“, sagt Gellermann von der Ecke Hattinger- und Lewackerstraße aus gesehen. „Und einen Sportplatz.“ Selige Zeiten, als der MBV Linden dort noch gegen Größen wie Schalke 04 spielte. Die Partien waren dabei stets ein Höhepunkt, aber auch ein Problem im Leben des jungen Willi Gellermann. „Um halb drei hatten wir Christenlehre. Da mussten wir zusehen, dass wir pünktlich zum Anpfiff kamen.“ Denn „MBV gucken“ war Pflichtprogramm, weil Ortsgespräch.

Posse um die Pontonbrücke

Die Lewackerstraße ein Stück weiter gegangen, wird deutlich, dass die Wald, Wiesen und Felder-Ära längst der Vergangenheit angehört. „Rechts kommt jetzt die Montan-, geradeaus die KAB-Siedlung“, sagt Gellermann. Die Bezeichnungen beziehen sich noch auf die Hintergründe der Baumaßnahmen, heute seien die Wohnungen und Häuser längst privatisiert. Und es sind nicht wenige. Gerade abends und am Wochenende ist der Bereich zwischen Hattinger- und Langenberger Straße oftmals zugeparkt. Ein kleines Problem, an das sich die Anwohner fast gewöhnt haben.

Eingespielt hat sich auch die Situation an der Lewackerschule. Kurzfristig wurde im September 2014 die ehemalige Förderschule in ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umgewandelt. 140 Flüchtlinge kamen noch im gleichen Monat. In einem Kraftakt hatte die Stadt in Zusammenarbeit mit freiwilligen Helfern dafür gesorgt, dass das Gebäude zügig bewohnbar war. Bis zu drei Wochen bleiben die Menschen gewöhnlich vor Ort. 105 Flüchtlinge, etwa aus Westafrika, Syrien und dem Balkan, waren Ende Januar übergangsweise in der Lewackerschule untergekommen.

Bergbaugeschichte der Straße wird angedeutet

Ein paar Schritte weiter wird die Bergbaugeschichte der Straße zumindest angedeutet, ein altes Zechnenhaus sticht aus den moderneren Bauten heraus. Es erstreckt sich ein tolles Panorama für die Anwohner mit Garten, bei unverbautem Blick auf die Ruhr. In den Kurven Richtung Dahlhausen erinnert sich Gellermann: „Dort war früher die Waschkaue, von oben konnte man hineinsehen. Dahinter stand der Förderturm.“ Das nahegelegene Freizeitgelände am Chursbusch ist gerade älteren Bürgern noch als Standort der Zeche „Dahlhauser Tiefbau“ bekannt. Zwischen 1860 und 1965 bauten Kumpel hier Kohle ab. 1972 wurde der erst zwölf Jahre zuvor erstellte wuchtige Betonförderturm an der Lewackerstraße abgerissen. Eine Hinweistafel an gleicher Stelle informiert über die frühere Nutzung des Geländes.

Hoch oben über der Ruhr entdeckt der Spaziergänger schließlich den Horkenstein. Unten, an der Pontonbrücke, gibt’s dagegen nichts Neues. Wegen der akuten Baumängel ist die denkmalgeschützte Brücke für größere Fahrzeuge gesperrt. Busfahrgäste müssen den Fluss zu Fuß überqueren und auf der anderen Seite auf Anschluss warten. Eine Verkehrsposse, die kurzfristig wohl nicht zu lösen ist. Langfristig streiten die beteiligten Städte über eine im wahren Wortsinn tragfähige Lösung. Bochum schwebt der Neubau einer leistungsfähigen Brücke 300 Meter weiter südlich des jetzigen Standorts vor. Das Bauwerk soll den Verkehr von der Lewackerstraße in einigen Metern Höhe über die Ruhr bringen und auf Hattinger Seite mit einer neuen Straße durch das Grüngebiet im Bogen auf die Straße „Auf dem Stade“ zurückgeführt werden. „Allein, ich glaube nicht mehr daran“, sieht Gellermann das Projekt kritisch – auch aufgrund des Eingriffs in die Natur, der damit verbunden wäre.

Früher habe man noch Maut bezahlen müssen, blickt Gellermann zurück. Doch fällt ihm in Anbetracht der Pontonbrücke noch eine andere Geschichte ein. Denn dort, in der nahegelegenen Gaststätte „Eselstall“, habe er das WM-Finale 1954 geguckt. In einer Kneipe übrigens, die weithin bekannt war: Denn am Ort standen einst die Esel, die einen bei Bedarf hinauf zum Horkenstein brachten.