An der Essener Straße ist der Ofen aus

Schlusspunkt. Am Dienstag wurden die letzten 360 Tonnen Edelstahl an der Essener Straße geschmolzen. Künftig bleibt der Ofen kalt.
Schlusspunkt. Am Dienstag wurden die letzten 360 Tonnen Edelstahl an der Essener Straße geschmolzen. Künftig bleibt der Ofen kalt.
Was wir bereits wissen
Nach gut 100 Jahren geht die Edelstahlproduktion in Bochum zu Ende. Outokumpu Nirosta legt den Betrieb still und spart jährlich 30 Millionen Euro.

Bochum.. Mehr als 100 Jahre Edelstahlproduktion in Bochum sind am Dienstag zu Ende gegangen. Nach der letzten Schmelze im Stahlwerk von Outokumpu Nirosta an der Essener Straße wurde der Elektrolichtbogenofen heruntergefahren.

„Das ist ein wahnsinniges Trauerspiel“, quittierte IG-Metall-Bezirksvorsitzende Eva Kerkemeier den Schlussstrich unter Bochums Edelstahlgeschichte. Die Stilllegung sei ein Schlag für die Beschäftigen. „Und es geht Technologie verloren, die die Region gut gebrauchen könnte.“ Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Frank Klein erinnert sich derweil an die letzte Betriebsversammlung. „Die war schon sehr emotional.“ Was die Entwicklung im Werk betreffe, so sprächen die Mitarbeiterbefragungen Bände. 2010, zu Thyssen-Krupp-Zeiten, hatten 85 Prozent ihrem Arbeitgeber ein positives Urteil gegeben. Fünf Jahre später seien es nur noch 50 Prozent gewesen.

Outokumpu in den letzten Jahren

Der finnische Konzern Outokumpu hatte erst 2012 die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp übernommen, aber schon im Oktober 2013 angekündigt, das Werk an der Essener Straße zu schließen und sich damit über die Bestandsgarantie bis 2016 hinweggesetzt. Nach Unternehmensangaben sind allein noch in diesem Jahr Kosteneinsparungen in Höhe von etwa 20 Millionen Euro möglich. Von 2016 an würden jährlich 30 Millionen Euro eingespart. Zahlen, die Beschäftigte, Betriebsrat und Gewerkschaft immer wieder bezweifelt hatten. „Die unabhängigen Prüfungen haben gezeigt, die Unternehmensstandorte in Bochum und Krefeld sind leistungsfähig und innovativ“, hatte IG-Metall-Landeschef Knut Giesler schon vor gut einem Jahr gesagt.

„Es macht traurig, dass wir heute eine Ära der Edelstahlproduktion in Bochum beenden. Aber es ist für uns ein notwendiger Schritt, um innerhalb Europas zu ausgewogenen Produktionskapazitäten zu gelangen“, sagte unterdessen Dr. Oliver Picht, Vorstandsvorsitzender der Outokumpu Nirosta GmbH gestern. „Ich danke allen Mitarbeitern des Bochumer Werks ausdrücklich für ihre engagierte Unterstützung, insbesondere auch in den vergangenen zwei Jahren. Es war für uns von größter Bedeutung, dass für alle Anschlussbeschäftigungen oder weitere gute Lösungen gefunden werden konnten und keiner in die Arbeitslosigkeit gehen muss.“

Viele Mitarbeiter zu Thyssen-Krupp

Zuletzt hatte nur noch eine Rumpfbelegschaft von 230 Mitarbeitern im Drei-Schichtbetrieb in Bochum gearbeitet. Viele waren bereits gegangen, davon 200 zurück zu Thyssen-Krupp. Weitere werden folgen, vor allem nach Duisburg oder Dortmund. 80 Mitarbeiter mit Altersteilzeitvereinbarungen bleiben bei Outokumpu. Unversorgt sind derzeit noch 40 Beschäftigte und Auszubildende. Bleiben werden im Werk vorerst gut 120 Mitarbeiter, die noch Restarbeiten erledigen.

Nachdem Outokumpu die damalige Edelstahlsparte des Konzern erworben hatte, gab es eine vertraglich garantierte Übernahme von bis zu 300 Outokumpu-Mitarbeitern für den Fall der Schließung eines Standortes. Dies hatte die IG Metall damals zur Bedingung für eine Zustimmung zu dem höchst umstrittenen Geschäft gemacht.