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Amt schickt 63-Jährigen zum Bewerbungstraining

05.08.2010 | 00:00 Uhr
Amt schickt 63-Jährigen zum Bewerbungstraining

Bochum.Die Arbeitsagentur Bochum hat einen 63-Jährigen verpflichtet, eine Eingliederungsmaßnahme zu besuchen. Wenn der Bochumer mit dem Bewerbungstraining fertig wäre, könnte er noch acht Monate arbeiten. Rausgeschmissenes Geld, findet er.

Hans-Werner Günther ist 63 Jahre alt. Als er jetzt das erste Mal in seinem Leben bei der Agentur für Arbeit vorstellig wurde, fühlte er sich abgespeist mit einer Eingliederungsvereinbarung. Dazu gehört eine zehnmonatige Maßnahme als Bewerbungstraining. „Bei Ende der Maßnahme wäre ich 64. Wer soll mich noch nehmen? Das ist sinnlose Verschwendung öffentlicher Mittel.“

Günther hatte als Vorarbeiter bei der Wittener Ruhrtaler Gesenkschmiede gearbeitet. 26 Jahre gehörte der Bochumer dem Betrieb an, insgesamt war er 48 Jahre in der Metallverarbeitung tätig. „Aus der Krise heraus wurde den älteren Kollegen angeboten, vorzeitig auszuscheiden; 20 von uns machten Gebrauch davon, um Platz für Jüngere zu schaffen.“ Ab Mai war er dann arbeitslos, zuvor wandte er sich Ende April an die Arbeitsagentur. Dort wurde Günther verpflichtet, sich einen Minijob zu suchen und sollte mindestens fünf Bewerbungen bis zum nächsten Termin vorweisen. Damit verbunden: ein zehnmonatiges Bewerbungstraining.

„Ich war fix und fertig. Nach 48 Jahren war ich froh, aus dem Knochenjob heraus zu sein.“ Hans-Werner Günther ist zu 30 Prozent schwerbehindert, seine Tätigkeit im Heißbetrieb hat ihm Rücken und Füße kaputtgemacht.

Lieber ehrenamtlich bei der Bahnofsmission engagieren

Noch einmal voll arbeiten, das ginge nicht. „Ich würde mich lieber ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel bei der Bahnhofsmission.“ All das hätte er gern seiner Sachbearbeiterin dargelegt, doch sein Folgetermin am 14. Juni wurde von der Arbeitsagentur abgesagt. Er hat dann einen so genannten Gleichstellungsantrag gestellt, der seine Vermittlungschancen eher erhöhen würde, denn dann kann das Versorgungsamt Zuschüsse geben. Danach hat er nichts mehr gehört.

Derweil trug der Bochumer Bewerbungen zusammen, sieben Stück, alle ohne Chancen. „Als dann die Maßnahme näherrückte, fragte ich nach, was denn nun mit einem neuem Termin sei.“ Daraufhin bekam er schriftlich einen für Ende August, überdies wurde sein Gleichstellungsantrag abgelehnt. Günther wurde krank, findet ohne Tabletten keinen Schlaf mehr.

Seither setzt sich Rechtsanwalt Gerhard Ayasse für den Bochumer ein: „Wenn Hans-Werner Günther mit diesem Bewerbungstraining fertig wäre, stünde er dem Arbeitsmarkt noch acht Monate zur Verfügung. Das ist rausgeschmissenes Geld.“ Ayasse kündigt an: „Ich werde Strafantrag wegen Untreue stellen.“

Maßnahmen sollen die Statistiken bereinigen

Michael Hermund, Vorsitzender der DGB Region Ruhr Mark: „Mit diesen Maßnahmen soll die Statistik bereinigt werden; Teilnehmer von Maßnahmen gelten nicht als arbeitslos.“ Hermund vermutet, dass Günther damit zum früheren Renteneintritt bewegt werden soll. „Es ist ein Irrwitz, einen 63-Jährigen mit einem Bewerbungstraining zu behelligen.“

Dazu Anja Greiter, Pressesprecherin der Arbeitsagentur: „Grundsätzlich sind wir verpflichtet, jedem Unterstützung anzubieten, unabhängig vom Alter. Viele sind auch froh, dass sie aufgrund einer längeren Maßnahme später dann ohne Abschläge in Rente gehen können.“ Zum konkreten Fall konnte sie aus Datenschutzgründen nicht Stellung nehmen.

Sabine Vogt

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Kommentare
08.08.2010
22:56
Amt schickt 63-Jährigen zum Bewerbungstraining
von abcsagt | #83

Wissen Sie eigentlich, dass es in Deutschland

6 Mio Arbeitssuchende
1,3 Mio Auftsocker

aber nur

1,2 Mio offene Stellen

gibt?

Und wissen Sie auch, dass Deutschlands Volkswirtschaft von ganz anderen Leuten, als den Transferleistungsempfängern ausgeblutet wird?

Ist Ihnen klar, dass auf Kosten der Steuerzahler in großem Ausmaß Arbeitgeber subventioniert werden, die sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Minijobs umwandeln, die ebenso wie das Heer der Leiharbeiter und Billiglöhner auf aufstockende Transferleistungen angewiesen sind? Was im übrigen auch verheerende Auswirkungen nicht nur auf die Steuereinnahmen sondern auch auf die Sozial- und Rentenkassen hat.

So wird der Sozialstaat verramscht auf Kosten der Steuerzahler.

Regen Sie sich darüber auch auf oder ist Ihnen das egal?

06.08.2010
12:54
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von wkah | #82

Stimmt Kohl selber hat während seiner Zeit auch für ein Vermögen gesorgt.
Schützt er heute noch mit seinem Ehrenwort.
Andere gehen dafür als Verbrecher in den Knast.......

06.08.2010
12:31
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von inside | #81

und Dozenten die einen Fragen ob man denn nicht die Stelle, die man selbst gefunden hat, als über das Institut gefunden darstellen könnte, schließlich bekämme das Institut dann noch eine Prämie.

06.08.2010
11:34
Amt schickt 63-Jährigen zum Bewerbungstraining
von So geht es nicht | #80

Den artikel muss man gelesen haben!!!

Ich kann es kaum glauben. Hauptsache die Statistik stimmt!

Und warum dauert ein Bewerbungstraining 10 MONATE??????? Was wird denn da vermittelt?????????

Ein Anschreiben, der Lebenslauf und Gesprächstraining für das Vorstellungsgespräch können doch keine 10 Monate dauern? Selbst wenn dann noch einige Stunden über Allgemeines geredet wird.

06.08.2010
09:06
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von micha69 | #79

Da gibt es das sogenannte kaufmännische Qualifizierungstraining was ca. 8 Monate geht. Bringt ehrlich gesagt nicht viel , MS-Office muss jeder von zu Hause schon eigentlich beherrschen. Der Lehrgang kostet pro Teilnehmer 14.500 Euro, wir waren 20 Teilnehmer. Ein dickes Sümmchen für den Bildungsträger der noch 10 weitere Massnahmen parallel mit Dozenten am Laufen hatte.

06.08.2010
08:15
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von Justina | #78

Liest eigentlich jemand von den Verantwortlichen diese Meinungen hier???? Wäre doch auch mal interessant

06.08.2010
07:33
Blockierter Kommentar.
von nie88 | #77

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.08.2010
07:25
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von B.Schmitz | #76

Da sieht man mal wieder was für Schwachsinnige in der Agentur arbeiten. Mit 40 Jahren ist man schon zu alt um eingestellt zu werden. Die Firmen leiden doch alle an Jugendwahn. Aber mit 64 wird er ganz bestimmt für 10 Monate eingestellt? Da sieht man mal wieder, dass die Doofheit keine Grenzen kennt.

05.08.2010
19:45
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von Gartenfreunde | #75

Auf der Abendschule ist ein Herr den Das Arbeitsamt mit 58 Jahre noch die Meister-Prüfung Zahlt.
Und die ganzen Schulungen.

Und er ist 50% Schwerbehindert..

Man man man...
Da verstehe noch einer was

05.08.2010
19:44
Bewerbungstraining mit 64 Jahren
von Elektrosteiger | #74

Ich glaube, die in der ARGE leiden unter Langeweile...

Na ja, Beamtenmikado macht halt nicht den gesamten Arbeitstag Spaß...

Diese Leute von der ARGEN sollten sich mal wirklich um neue Arbeitsplätze kümmern, als so einen Unsinn zu verzapfen...

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