Am Rennofen in die Eisenzeit reisen

Die Flamme über dem Schornstein lodert schon, ein würziger Geruch gebrannten Lehms und Mistes liegt in der Luft. Willkommen in der Eisenzeit. Wir befinden uns etwa 700 Jahre v. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Europas, im skandinavischen Raum.

16 Jugendliche traten im Bergbaumuseum diese Zeitreise an. Schüler von sechs verschiedenen Bochumer Schulen und die ehemalige Eisenzeit-AG von Chemie-Lehrerin Susan Eva Bursche (Heinrich-Böll-Gesamtschule) trafen sich am Samstag im Rahmen der „Juniorakademie“ des Matthias-Claudius-Sozialwerks, um Eisenerz zu verhütten.

„Sie sollen sehen, wie wertvoll Eisen ist, wie viel Arbeit darin steckt, hier fünf Stunden zu sitzen und das Eisen herzustellen“, sagt Bursche. Sie brachte die Idee von einer Reise aus Dänemark mit und baute im vergangenen Jahr mit ihrer Eisenzeit-AG einen Rennofen, der auch hier und heute zum Einsatz kommt. Mit dem Rennofen verhütteten die Menschen bis in die Neuzeit. Dann lösten die Hochöfen die Technik ab.

Ein Schornstein, geformt aus Lehm und Pferdemist, ein Zweikammer-Blasebalg und ein Dreibein mit Pumpe – mit dieser Konstruktion und unentwegtem Einsatz wird aus Eisenerz das Eisen. Die Glut im Rennofen muss pausenlos belüftet werden. Nur bei einer Kerntemperatur von etwa 1200 Grad wird es klappen. Bevor das Eisenerz in den glühenden Ofen rieselt, rösten Jungs die großen Brocken poröser und hacken es in kleine Stücke.

Die Schüler tauchen ein in die Lebenswelt der Menschen in der Eisenzeit. „Wir haben darüber gesprochen, was sie damals zu essen hatten. Dann haben wir einige Weizenkörner gemahlen, sie mit Sauerteig vermischt und daraus Brote geknetet“, schildert David (13).

Am Abend kommt der große Moment. „Wenn die Platte entfernt wird und die Schlacke hinaus läuft, sieht es aus wie eine Lava“, beschreibt Jacqueline (14). Darüber liegt dann das wertvolle Gut, die so genannte Luppe, der Eisenschwamm.