Altes Brauhaus hat die Pforten geschlossen

Das Alte Brauhaus Rietkötter hat seit Wochenbeginn geschlossen. Ein neuer Pächter wird gesucht.
Das Alte Brauhaus Rietkötter hat seit Wochenbeginn geschlossen. Ein neuer Pächter wird gesucht.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Rietkötter-Pächter wechseln nach Dortmund. Deshalb muss für eines der ältesten Gasthäuser unserer Stadt ein neuer Betreiber gesucht werden. Der wird bis Januar gefunden sein, glaubt Hugo Fiege.

Bochum.. Das Alte Brauhaus Rietkötter hat seine Pforten geschlossen. Nach zwölf Jahren haben sich Udo Rogge (57) und seine Frau Sabine (52) zu Wochenbeginn von ihren Gästen verabschiedet. Das Wirte-Ehepaar zieht es nach Dortmund. Das Traditions-Gasthaus im Brückviertel soll schon bald fortgeführt werden.

Das Brauhaus an der Großen Beckstraße ist eines der bekanntesten und ältesten Gebäude Bochums. Im historischen Stadtkern hat allein das Fachwerkhaus die Bombennächte und die Stadtsanierung der Nachkriegsjahre überlebt. Eine Altersbestimmung des hölzernen Dachstuhls ergab kürzlich, dass das Haus mindestens seit 1756 existiert. Ab 1777 stillte eine Brauerei den Bierdurst der Bochumer.

Kuhhirte kippte hier seinen Klaren

Um das Brauhaus rankte sich früher so manche Schnurre. Hier trank der alte Kortebusch, Bochums letzter Kuhhirte, ebenso seinen Klaren wie Dr. Arnold Kortum. Alt-Bochumer Flachs war hier immer zuhause. Von Mutter Rietkötter erzählten sich die Pohlbürger, sie habe die Restsumme für den Ankauf des Hauses im 19. Jahrhundert mit mehreren Säcken voller Pfennigmünzen bezahlt.

Als gediegen-bürgerliche Speisegaststätte wurde Rietkötter zur Bochumer Institution. Die bröckelte zwar, als 2013 Holzschäden im oberen Ständerwerk entdeckt wurden. Über zwei Jahre zog sich die aufwendige Restaurierung des denkmalgeschützten Kleinods hin. Das Restaurant blieb wochenlang geschlossen. „Harte Zeiten“, erinnert sich Udo Rogge, Doch die Pächter blieben zunächst bei der Stange. Mit seiner westfälisch geprägten Küche thront das Brauhaus in der aktuellen Ausgabe des Gastro-Führers „Bochum geht aus“ in der Kategorie „gutbürgerlich“ auf dem Spitzenplatz.

„Es gibt keine Streitigkeiten“

Gleichwohl sei die Zeit für einen Abschied reif. „Es gibt keine Streitigkeiten“, betont Udo Rogge. Aber: Man habe keine Einigung bei noch ausstehenden Arbeiten erzielt. Das Auslaufen des Pachtvertrages nehme das Ehepaar daher zum Anlass, sich „nach Dortmund zu orientieren, wo eine neue gastronomische Herausforderung auf uns wartet“.

Hugo Fiege, dessen Brauerei das Lokal im Auftrag von Familie Rietkötter verwaltet, zeigt sich im WAZ-Gespräch „zuversichtlich, bis Januar eine Nachfolgeregelung gefunden zu haben“. Es gebe mehrere Interessenten. „Das ein oder andere muss noch repariert werden. Spätestens bis Frühjahr wird das Brauhaus mit einem neuen Pächter aber wieder eröffnen. Alles andere wäre für diesen stadthistorisch einzigartigen Standort undenkbar“, so Fiege. „Es wird weitergehen“, erkennen auch die Rogges für ihre ehemalige Wirkungsstätte eine gute Zukunft.