Alte Brennerei steht leer

Foto: Franken
Ehemalige Gastronomie an der Oberstraße wird nun fürs Wohnen und Arbeiten zum Verkauf angeboten.Einst wurden hier Korn und Wacholderschnaps hergestellt

Langendreer. Eine ganze Reihe von Pächterwechseln hatte das historische Gebäude an der Oberstraße 43 schon hinter sich, seit Getränkehändlerin Ruth Gabriel Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die historische Brennerei Eickelberg zur Gastronomie umgebaut hat.

So, wie der einstige Besitzer damals einfach seinen Kittel an den Haken hängte, das Gebäude verließ und es nie wieder betrat - so scheint es jetzt mit der Gastronomie zu sein: Auf dem Immobilienportal immoscout24.de wird das Gebäude als Lösung angeboten fürs „Wohnen und Arbeiten unter einem Dach“ zum Preis von 649 000 Euro. Zum Verkauf hat man den bis dahin etwas verwilderten Bereich vor dem Haus dadurch etwas aufgehübscht, dass wuchernde Pflanzen entfernt, die Hecke beschnitten wurde. Die Eigentümerin war für ein Gespräch nicht zu erreichen.

Ruth Gabriel begann ihr Projekt etwa 1990: Sie ließ die Brennerei sehr aufwändig sanieren, wobei das Inventar komplett erhalten blieb, an manchen Stellen ergänzt wurde.

Ob sich das Gebäude mit seinen geschätzten 320 Quadratmetern Wohn- und 408 qm Nutzfläche wirklich für Wohnzwecke eignet, ist nicht unmittelbar zu beantworten. Ein attraktives Büro könnte aber sicher dort entstehen.

Die Brennerei wurde 1866 von Dietrich Eickelberg gegründet, etwa gleichzeitig mit der Eröffnung der nahe gelegenen Müser-Brauerei an der Hauptstraße. Das Angebot umfasste Korn und Wacholderschnaps, nicht aber den sonst weit verbreiteten, billigen Kartoffelschnaps. Hochprozentige Getränke waren im 19. Jahrhundert gerade unter der Arbeiterschaft beliebt. Auf der einen Seite förderte das gemeinschaftliche Trinken in Kneipen die Geselligkeit, so dass dem Alkoholgenuss durchaus eine starke gesellschaftliche Komponente zukam. „Nicht selten ergänzte kalorienreicher Schnaps aber auch die einseitige Ernährung mit der Folge, dass die Industriegesellschaft des Ruhrgebiets mit einer nicht unerheblichen Suchtproblematik konfrontiert wurde.“ So schreibt die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung auf ihrer Website.

Die Brennerei wurde mehrere Generationen lang bis zu ihrer Schließung 1970 von Familienmitgliedern geführt. Gebäudeteile wie der stattliche, aber baufällige Turm, so erklärt die Website, wurden abgetragen und aufgemauert. Dazu wurden die alten Steine einzeln gereinigt und für den Neuaufbau wieder verwendet. Der schiefstehende Schornstein musste ebenfalls gerichtet werden. „Als besonders aufwändig stellte sich die Sanierung der Fensterfront dar. Hierfür wurden eigens 526 Thermopanescheiben angefertigt und eingebaut.“

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