"Als Rechtsanwalt versagt"
26.10.2009 | 16:29 Uhr 2009-10-26T16:29:00+0100Bochum. „Das ist mir sehr unangenehm, das einräumen zu müssen. Mir tun die Dinge sehr leid. Ich habe als Rechtsanwalt versagt.” Mit schamvollen Sätzen wie diesen hat am Montag ein angeklagter Rechtsanwalt (42) am Landgericht ein Geständnis abgelegt.
Die beiden hatten in Bochum eine gemeinsame Kanzlei betrieben. Laut Anklage sollen sie von 2005 bis 2008 in unterschiedlicher Beteiligung in rund 15 Fällen Mandantengelder veruntreut (bis zu mehrere tausend Euro), fremde Akten einbehalten, Sozialabgaben für Personal nicht weitergeleitet und auch die Miete für ihre Sozietät (37 000 €) geprellt haben. Die meisten Vorwürfe richten sich gegen die Frau. Laut Anklage hatte sie sogar 400 €, die sie zur Begleichung einer Geldstrafe an die Gerichtskasse hatte weiterleiten sollen, für sich einbehalten, so dass gegen den Mandanten Haftbefehl beantragt wurde. Nur knapp konnte er dem Gefängnis trotzdem entkommen. Mandantengelder, das macht die Vorwürfe so schwer, sind quasi heilig.
Mandantengelder veruntreut
Die beiden sitzen auf der Anklagebank jeweils zwischen zwei Verteidigern. Anders als die Frau, die sicham Montag nicht in der Lage sah, selbst ein paar Worte zu sagen, bekannte sich ihr Ex-Kollege mit sehr persönlicher Offenheit zu den vielen Unregelmäßigkeiten. Er verwies zwar auf große Probleme mit dem Vermieter der Kanzleiräume und auf wirtschaftliche Nöte. Allerdings betonte er mehrfach, dass dies nur „Erklärungen, keine Rechtfertigungen” für sein Versagen sein soll. Er hätte damals viel früher Rat von Dritten einholen sollen. Seine Berufsprobleme habe er damals verdrängt.
Über ein spezielles jetzt angeklagtes Anwaltsverhalten sagte der Angeklagte: Hätte man die Sache zehn Richtern zur Entscheidung vorgelegt, hätten wohl acht gesagt: Das war falsch! Vorsitzender Richter Dr. Markus van den Hövel kommentierte: "Vielleicht auch alle zehn."
"Die Dinge sind ihr über den Kopf gewachsen"
Ein Verteidiger sprach für die Mitangeklagte. Ja, es sei richtig, sie habe „Fremdgelder nicht an Mandanten weitergeleitet, sondern einbehalten”. „Sie bereut, dass es so weit gekommen ist.” Außerdem: „Die Dinge sind ihr über den Kopf gewachsen.” Das begründe auch „die Unordnung und das Chaos, was zu weiteren Taten führte”. Zum Hintergrund des Dramas sagte der Verteidiger: „Die Umsatzerwartungen haben sich nicht realisiert.”
Zulassung weg
Am Dienstag (27. Oktober) will sich die Angeklagte zu den Vorwürfen persönlich äußern. Die Zulassung hat sie bereits zurückgegeben. Ihr angeklagter Ex-Kollege arbeitet heute als „juristischer Mitarbeiter” in einer Kanzlei. Ein Urteilstermin steht noch nicht fest.

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