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Als die Bilder den Rahmen verließen

12.08.2011 | 15:14 Uhr
Als die Bilder den Rahmen verließen
Iris Possegger ist die Kuratorin des Museums Kubus/Situation Kunst. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.Zurück in die Zeiten, als die Bilder den Bilderrahmen verließen, führt eine Ausstellung, die für September im Museum Situation Kunst/Kubus im Schlosspark Weitmar angekündigt ist.

„Aufbruch. Malerei und realer Raum“ bietet anhand von etwa 60 Werken einen Überblick über die künstlerischen Ansätze in der Mitte des 20. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf europäischen und nordamerikanischen Künstler/innen liegt, die damals die Geschlossenheit des Bildes mit den Mitteln der Malerei aufzubrechen begannen.

„An Werken von ,Klassikern’, aber auch weniger bekannten und jüngeren Künstlern werden die optischen Kräfte und malerischen Energien vorgestellt, mit denen die Wahrnehmung des Betrachters über die Grenzen des traditionellen Tafelbildes hinausgeführt wird“, verspricht Ausstellungs-Kuratorin Dr. Iris Poßegger.

Über Jahrhunderte war die Leinwand als zweidimensionale Fläche verstanden worden, auf der perspektivisch der Raum „gemalt“ wurde. Aber 1949 durchstieß der Italiener Lucio Fontana zum ersten Mal mit einem Locheisen die materielle Bildfläche, so dass der Bildträger selbst zum Objekt wurde, das in die Dreidimensionalität hinauswuchs.

Öffnung der festen Grenzen des Bildes

Um dieselbe Zeit schuft de Amerikaner Ellsworth Kelly Paris sein erstes rahmenloses Bildobjekt. Und seit 1952 überzog der Franzose François Morellet weiß gestrichene, einfache Bildtafeln mit sich wiederholenden Strukturen. Seitdem öffneten immer mehr Künstler in Europa und Amerika die festen Grenzen der gerahmten Bildfläche und ersetzten den illusionären Bildraum durch den Bezug des Kunstwerks zum realen Umraum. Diese Bilder stellten nichts dar, sondern präsentieren sich selbst. Der Vorgang ihrer Entgrenzung vollzieht sich dabei sinnlich direkt und untheoretisch. „It should meet the eye – direct“, schrieb Ellsworth Kelly bereits 1950 an John Cage. Absicht war es, die traditionelle Malerei zu überwinden: „Ich interessiere mich nicht für Malerei in ihrer seit langem eingebürgerten Form – Malerei in Form von Bildern, die man an die Wand hängt. Zur Hölle mit den Bildern – sie sollten die Wand selbst sein!“, postulierte Kelly

Die Ausstellung im Kubus, die am 10. September eröffnet wird, ist nicht nach kunsthistorischen Richtungen gegliedert, sondern präsentiert unterschiedliche Strategien zur Öffnung des Bildes. Gezeigt werden Werke so unterschiedlicher künstlerischer Temperamente wie Günther Fruhtrunk, Kuno Gonschior, Emil Schumacher, Antoni Tápies, Leon Polk Smith, Frank Stella oder Mary Heilmann. Man darf gespannt sein! (Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.)

Jürgen Boebers-Süßmann

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