Achse für die Kultur
28.03.2008 | 20:51 Uhr 2008-03-28T20:51:17+0100Im Hauptstadtjahr 2010: An der Viktoriastraße reihen sich die Attraktionen aneinander wie Perlen an einer Kette Dezernent Michael Townsend spricht zunächst nur von "Ideenskizzen". Zieht das Regent-Theater um in die Marienkirche?
Wunder gibt es immer wieder. Wie lange sehnt sich Sibylle Broll-Pape nun schon danach, aus den cityfernen Räumen an der Prinz-Regent-Straße mit ihrem Theater in die Innenstadt umzuziehen. Dort draußen - beinahe in der Diaspora - wird es immer schwerer, Publikum anzulocken. Nun eröffnet sich im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 die Möglichkeit, eine Spielstelle an der Viktoriastraße zu eröffnen.
Und das nicht in einem profanen Einheitsbau, sondern in der Marienkirche in direkter Nachbarschaft zum künftigen Konzerthaus. Kulturdezernent Michael Townsend plädiert für das sakrale Gebäude: "Die Marienkirche ist eine wichtige architektonische Marke. Es würde etwas fehlen, wenn wir sie schleifen würden." Der Plan, an der Viktoriastraße zwischen Schauspielhaus und dann umgewidmeter Marienkirche eine Kulturachse einzuziehen, gehört zu den besonderen Attraktionen, die in Bochum für das Kulturhauptstadtjahr geplant werden.
Der Möglichkeiten gäbe es viele: "Ideenskizzen", wie Kulturdezernent Michael Townsend abschwächt, sind zu diesem Zwecke aufgelistet worden. Da mag sich unter den Vorschlägen auch Wunschdenken verbergen. Und doch: Wenn sich Kultur-Initiativen wie Perlen an einer Schnur aneinander reihen, vom Schauspielhaus über ein Zentrum für Theaterforschung und die junge Oper NRW bis hin zum Konzerthaus und der Prinz- Regent-Bühne in der Marienkirche, dann kann durchaus von einem "europäischen Modellprojekt" gesprochen werden (so Townsends Einschätzung).
Zumeist handelt es sich bei den Projekten um vage Überlegungen. Man habe einfach die Gedanken spielen lassen "ohne Selbstzensur und ohne das Geld zu berücksichtigen", erläutert Michael Townsend und warnt davor, die Pläne nur von dem "magischen Datum" 2010 abhängig zu machen.
Wenn zu diesem Zeitpunkt "manche Projekte schon fertig sind und bei anderen erst Richtfest gefeiert wird", dann sei das nicht so schlimm, meint der Kulturdezernent. Bei allen finanziellen und anderweitigen Unwägbarkeiten hält es Michael Townsend für wichtig, "Planskizzen in der Pipeline zu halten", um auf Entwicklungschancen umgehend reagieren zu können; die Ideen seien Potenzial "über einen langen Zeitraum hinweg.
Die Finanzkraft der Stadt ist bekanntlich nicht besonders schäumend, darum setzt der Kulturdezernent auf die Geldquellen von Land und Bund - Kulturstiftungen nicht zu vergessen. Zehn Millionen Euro seien sicherlich notwendig, um der Kulturachse Viktoriastraße bis zum Kulturhaupt-stadtjahr 2010 ein angemessenes (und ausbaufähiges) Outfit zu geben.
Auch die lang diskutierte Idee eines Europäischen Literaturhauses Ruhr scheint durch die Kulturhauptstadt in erreichbare Nähe gelangt zu sein: Auch wenn es - wie vieles andere auch - das Stadium der Ideenskizze ebenfalls noch nicht überwunden hat. Doch die Einsicht, dass sich Bochum während des Kulturhaupt-stadtjahres auch als "Stadt des Wortes" verstehen könnte, hat anscheinend eine Diskussion in Gang gesetzt.
Townsend kann sich vorstellen, dass im Bedarfsfall für das Literaturhaus der denkmalgeschützte sogenannte Katholikentagsbahnhof am Bermuda Dreieck genutzt wird.
(Siehe auch Bericht auf der Kulturseite im Hauptteil).

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