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Strafverfahren

Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt

06.09.2011 | 16:48 Uhr
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
Frust über den Abstieg entlud sich in Teilen der Ostkurve in Gewalt. Fotor: Jakob Studnar - fotopool

Bochum.   Zwei junge Bochumer VfL-Fans mussten am Dienstag vor Gericht, weil sie bei den Tumulten nach dem Abstieg ihres Vereins im Mai 2010 mitgemischt hatten. Sie sollen eine Polizeisperre durchbrochen und ein Tor geöffnet haben.

Nach der Randaleaktion beim letzten Bundesligaabstieg des VfL Bochum mussten am Dienstag zwei junge Bochumer auf die Anklagebank. Landfriedensbruch warf ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Bestraft wurden sie aber nicht.

Der 8. Mai 2010 war eine ganz schwarze Stunde im Bochumer Stadion. 0:3 gegen Hannover 96 - der sechste Abstieg der „Unabsteigbaren“ war besiegelt. Einige Fans in der Ostkurse flippten beim Abpfiff aus. Sie kletterten über den Zaun aufs Spielfeld. Zwei von ihnen standen nun vor dem Amtsgericht, ein Filialleiter (31) und ein Handwerker (26). Laut Anklage wollten sie das Feld stürmen, „um die körperliche Auseinandersetzung mit Spielern zu erzwingen“. Der Jüngere soll eine Polizeisperre durchbrochen, der Ältere ein Tor geöffnet haben.

„Man war sauer und frustriert “

„Man war sauer und frustriert“, erklärte der 31-Jährige seine damalige Stimmung. Die Richterin konnte dies nicht nachvollziehen: „Sie sind doch ein erwachsener Mann in einer führenden Position.“

Beide Angeklagten gaben aber „nur“ zu, über den Zaun auf den Rasen geklettert zu sein - Gewalt jedoch nicht. Auch nicht das Toröffnen.

„Dritte Liga ist doch uninteressant“

Der VfL hatte gegen den Filialleiter drei Jahre, gegen den Handwerker zwei Jahre Stadionverbot verhängt. Verteidiger Christoph Pindur kommentierte das so: „Dritte Liga ist doch uninteressant.“ Dieser Hohn angesichts der aktuellen Tabelle (Vorletzter) war als Scherz gemeint. Der 31-jährige Angeklagte berichtete jedoch, dass er sich beim VfL entschuldigt und dieser ihm die Hälfte des Stadionverbots erlassen habe. In der Rückrunde steht er wieder in der Kurve.

Vor Gericht wurden die Tumulte im Stadion mit einem Beamer an die Wand projiziert. Die Beweislage war aber dünn, so dass die Richterin das Strafverfahren wegen geringer Schuld ohne Auflagen einstellte. Auch die Kosten des Verteidigers trägt der Staat.

 

Polizist wurde von eigenen Kollegen mit Pfefferspray verletzt - „Friendly Fire“

Im Prozess sagte auch ein Polizist (51) aus. „Ich war 15 Minuten außer Gefecht gesetzt, weil ich Pfefferspray ins Gesicht bekommen hatte.“ Er war von Kollegen getroffen worden. „Friendly Fire“ merkte der Verteidiger an - der Fachbegriff für unabsichtlichen Selbstbeschuss.

Bernd Kiesewetter

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Kommentare
09.09.2011
07:33
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von GrafEngelbert | #8

Ihr Nickname zeigt ja zum Glück welch Geistes Kind sie sind. Kommentar erübrigt sich da wohl... vielleicht mal den Ursprung des Wortes Fan googeln. Und welcher Familienvater mit seinem Sohn wurde in der Vergangenheit durch vermummte Brutalos attackiert? Ich erinner mich nur an Kinder und Jugendliche die sich unter Tränen den Pfefferspray aus den Augen reiben mussten. Sie wissen überhaupt nicht was an jenem Tag vorgefallen ist!

08.09.2011
07:24
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von mitLINKSinsVERDERBEN | #7

Es ist doch schon eine Frechheit, dass vermummte im Stadion als Fans bezeichnet werden. Wer sich gezielt vermummt, weiß warum. Und das hat nichts mit friedlichem Protest oder Leidenschaft zu tun. Es ist der reine Hass, die bloße Aggression - und so etwas hat nichts im Stadion zu suchen.
Genauso wie linke gewaltbereite Radikale jeder antifaschistischen Demonstration einen Bärendienst erweisen, schaden diese vermummten Brutalos dem Verein, der Stadt und dem Fußball allgemein. Abgesehen davon dass diese - die sich dann ironischerweise auch noch selbst als wahre Fans bezeichnen - dafür sorgen, dass man sich als junger Familienvater mehrfach überlegt, in welchem Block man mit seiner Familie den VfL unterstützt. Doch leider ist da die Vereinsführung auch nicht gerade hilfreich!

07.09.2011
21:14
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von Causa.cognita | #6

Bitte nicht übersehen, was diese Verfahrenseinstellung bedeutet:
Es gibt trotz aller, angeblich im Stadion installierten Überwachungstechnik und der minutenlangen Auseinandersetzungen auf dem Platz also angeblich keine gerichtsverwertbaren, juristisch belastbaren Fotos oder Videos!

Soll man das nun gut finden?

07.09.2011
16:59
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von haruo | #5

Dito. Dieser polizeiliche Eingriff war vollkommen unverhältnismäßig. Das Sprayen hatte zu unterbleiben, als das Marathontor wieder zu war. Stattdessen zügellos in die Menschenmasse zu sprayen ... . Da wollte wohl ein Knabe sein Lieblingsspielzeug nicht loslassen. Tststs.

07.09.2011
15:38
Abstiegsrandale blieb vor Gericht ungesühnt
von GrafEngelbert | #4

Richtiges Urteil! Ich hatte am besagten Spieltag auch den Kaffee auf. Die Polizei hat völlig überzogen mit Pfefferspray in die Menschenmenge geschossen!

06.09.2011
22:56
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von DerSteiger | #3

Das Urteil ist genau richtig. Mal schön die Kirche im Dorf lassen.
Selbst der VFL halbiert das Stadionverbot, weil ja sonst bald keiner mehr kommt.

Und es zeigt auch, dass alle Videomaßnahmen von Seiten des VFL und der Polizei (welche beide in den vergangenen Jahren massiv zugenommen haben) nutzlos sind, wenn der entscheidene Moment verpasst wurde oder unscharf ist.

06.09.2011
19:14
Abstiegsrandale beim VfL Bochum blieb vor Gericht ungesühnt
von PeterPeters | #2

.

schade, dass mangels Beweisen die Randalierer freigesprochen wurden. Aber was wichtig ist, sind rechtsstaatliche Verfahren.

Fazit: Bessere Kameras im Stadion, dann den Pöbel identifizieren und anzeigen.

.

06.09.2011
17:39
Abstiegsrandale blieb vor Gericht ungesühnt
von FB-1848 | #1

Nach dem Spiel gegen Paderborn könnte es zu ähnlichen Szenen kommen.
Auch wenn nur ca. 7000 Zuschauer im Stadion sind.
Also Ordnungshüter aufgepasst!!!

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