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13.08.2008 | 20:05 Uhr

Bochmer Label "Roof Music" hat sich in drei Jahrzehnten die Liebe zum Außergewöhnlichen bewahren können Mit Herbert Grönemeyer und Moondog eröffnete Firmenchef Bernd Kowalzik das erste Programm

Roof Music - alles unter einem Dach: Firmenchef Bernd Kowalzik war stets um eine Rundum-Betreuung der von ihm vertretenen Künstler bemüht. Das gelang in nunmehr erfolgreichen 30 Jahren. Foto: WAZ, Ingo Otto Helge Schneider - Roof Music seit 22 Jahren treu.

Bernd Kowalzik wirkt immer ruhig und aufgeräumt. Es ist nett, mit ihm zu plaudern. Er scheint das Rezept gefunden zu haben, seit 30 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen zu führen und trotzdem entspannt zu bleiben. 1978 wurde das Label "Roof Music" gegründet.

Das "Roof" im Namen (englisch für "Dach") weist darauf hin, dass die Künstler bei ihrem Heimatverlag alle Möglichkeiten finden sollen, die sie zu ihrer kreativen Entfaltung benötigen: Tonstudio, Vertrieb, Management, Label. Diese "Rundum-Betreuung" wird fraglos geschätzt: So kümmert sich "Roof" seit 27 Jahren um Götz Alsmann, Helge Schneider ist seit 20 Jahren mit dem Hause verbunden. Merke: Auch wenn die zu Stars avancierten Künstler von Konzernen vermarktet werden, bleiben sie Roof Music dennoch treu.

Bernd Kowalzik hat in seiner Jugend in einer Band gespielt, seine Plattensammlung war legendär wie später vielleicht die von Jürgen Kruse. Nach Abschluss eines Studiums der Publizistik und der Sozialwissenschaften kam es daher nicht von ungefähr, dass Bernd Kowalzik ins Musik-Business rutschte.

Als Prokurist eines Schallplatten-Großhandels (just der heutigen "Zeche" benachbart) stieg er ein, stieg dort 1978 aus, um sein "eigenes Ding" zu starten.

Zwei Glücksfälle gleich zu Anfang: Die ersten Scheiben von Herbert Grönemeyer wurden von "Roof" vorproduziert, und Bernd Kowalzik konnte seine Sympathie für "Moondog" praktisch umsetzen, imdem er mit dem blinden legendären amerikanischen Komponisten zahlreiche LPs / CDs bis zu seinem Tod im Jahre 1999 produzierte und veröffentlichte. Seit dem Tod von "Moondog" kümmert sich "Roof Music" um seine bislang unveröffentlichten Werke. Und das mit einem Engagement, das nicht nur aus geschäftlichen Sinn, sondern durch Herzensbindung gespeist ist. Ähnliches gilt für das Werk Jürgen von Mangers. Der seinerzeit beinahe schon vergessene Ruhrgebietskomiker wurde von Bernd Kowalzik wieder ins Rampenlicht gerückt. Für den Roof-Chef unvergessen: Die Begegnung mit dem damals schon erkrankten geistigen Vater des legendären Adolf Tegtmeier in Herne. Nicht umsonst hängt ein großes Porträt von Mangers im Büro von Bernd Kowalzik.

Als Musikverlag gestartet, erweiterte Roof seine Palette auf die Kabarett- und Kleinkunst-Szene. Spätestens hier kommen auch die Bochumer "Tresenleser" Frank Goosen und Jochen Malmsheimer mit ins Spiel. Doch Roof kümmerte sich ebenso um Konrad Beikircher oder Doktor Stratmann. Bernd Kowalzik: "Da wir immer eigenständig und unabhängig geblieben sind, konnten wir unsere Liebe zum Außergewöhnlichen pflegen."

Für die Wortbeiträge im Programm wurde 1999 das Label "Tacheles!" gegründet, um das sich seitdem Kristine Meierling kümmert. Von der Kleinkunst war der Schritt ein kleiner zum Hörbuch: Das Mikro öffnete sich für so unterschiedliche Autoren wie Hildegard Knef ("Der geschenkte Gaul"), Helge Schneider, Sven Regener (sein neuestes Hörbuch erscheint in Kürze) oder Heinz Strunk. Oder Texte werden von prominenten Sprechern gelesen. Hierbei ist die Liste womöglich noch einrducksvoller: Mario Adorf, Manfred Krug - oder Marianne Hoppe, die einen Text von Moritz Rinke las. "Die letzte Arbeit von Marianne Hoppe", so Bernd Kowalzik. "Wir waren zu ihr an den Chiemsee gefahren und haben uns bemüht, ihr Vertrauen zu gewinnen." Was auch gelungen ist, denn "wir haben die Aufnahme dort gleich vor Ort gemacht." Marinne Hoppe ist nur wenige Wochen später gestorben.

Apropos Herzensbindung: Bernd Kowalzik ist bekennender Fan von Eric Clapton. Und so empfand er mehr als nur geschäftliche Freude, als er die Hörbuchfassung der Clapton-Autobiographie für "Roof" sichern konnte. "Ich habe mir immer gewünscht, dass Clapton einmal auf dem Umschlag unseres Programmheftes zu sehen ist", erzählt Bernd Kowalzik. So geschah's.

Morgen wird Bernd Kowalzik "Slowhands" Konzert in Berlin besuchen. Vielleicht ein wenig auch als Geschenk fürs "30-Jährige" von Roof Music.

Von Werner Streletz

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