Angst vor Islamisten : Verlag nimmt Ehrenmord-Krimi aus dem Programm
Bochum. Eigentlich sollte der Ehrenmord-Krimi der Bochumer Autorin Gabriele Brinkmann im September erscheinen. Doch der Verlag hat ihn kurzfristig aus dem Programm genommen. Der Grund: Angst vor Islamisten. Die Autorin ist ratlos. Und Rechtsextremisten überhäufen den Verleger mit Beschimpfungen.
Ein „unzumutbares Sicherheitsrisiko” seien Passagen des neuen Krimis der Bochumer Autorin Gabriele Brinkmann, findet Felix Droste, Verleger des gleichnamigen Düsseldorfer Verlags. Und so wurde der Roman „Wem Ehre gebührt”, der im September erscheinen sollte, kurzfristig aus dem Programm genommen.
In dem Krimi geht es um einen Ehrenmord. Hauptfigur ist die ruppige Bochumer Hauptkommissarin Thea Zinck. Und gerade deren Zitate sind es, die den Verlag veranlassten, aus Angst vor islamistischen Bedrohungen Selbstzensur zu üben. „Spätestens nach den Mohammed Karikaturen weiß man, dass man Sätze oder Zeichnungen, die den Islam diffamieren, nicht veröffentlichen kann, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen”, befand Droste im internen E-Mail-Verkehr mit Brinkmanns Agentin.
"Es ist ein ganz normaler Krimi"
Autorin Gabriele Brinkmann alias Edda Minck bei der Vorstellung eines anderen Werks. Foto: Ingo Otto
Foto: WAZ FotoPool
Weil er die Sicherheit seiner Familie und die seiner Mitarbeiter gefährdet sah, beauftragte Felix Droste die türkische Rechtsanwätin Gülsen Celebi, den Text auf mögliche Gefährdungspassagen durchzuarbeiten, die die Autorin übernehmen sollte. Die aber lehnte ab.
Gabriele Brinkmann, die den Roman unter dem Pseudonym W.W. Domsky geschrieben hat: „Es ist ein ganz normaler Krimi mit ganz normaler Auflösung. Die Passagen, die hier als gefährlich identifiziert werden, finden in Dialogen statt, gesprochen von fiktiven Figuren in einer erfundenen Geschichte.” Wie etwa, wenn die Kommissare miteinander stritten, da fielen halt mal deftige Worte: „Wenn dort einer in die Luft gesprengt wird, dann ist es die Kommissarin mit der Klappe eines Schimanski.”
Dass sie ein Pseudonym gewählt hat, habe nichts mit einer Angst vor Bedrohungen zu tun. „Der Name Minck steht für Komödien, das ging also nicht.” Später habe sie dem Verleger angeboten, das Buch unter ihrem echten Namen herauszubringen: „Außerdem habe ich vorgeschlagen, er könne sich im Impressum vom Buch distanzieren.” Nichts fruchtete, der Verleger hat die Rechte an dem Krimi Anfang September zurückgegeben.
Beschimpfunten aus der rechten Szene
Im Düsseldorfer Droste-Verlag „brennt inzwischen der Baum”, wie Verleger Felix Droste gestern gegenüber der WAZ erklärte: „Es häufen sich die Beschimpfungen aus der rechten Szene. Wir hätten den Ehrenmord-Roman veröffentlicht, wenn Frau Brinkmann zu einigen Änderungen bereit gewesen wäre. Die Stelle ,Steckt euch euren Koran doch . . .' ist nicht zumutbar. Wir verlegen keine Bücher, die die Gefühle einiger Mitmenschen verletzen.”
Die Bochumer Autorin kann die Selbstzensur des Verlages nicht nachvollziehen. „Wo sind wir eigentlich? Die beanstandeten Passagen geben weder die Meinung des Verlegers noch des Autors wider. Da muss wirklich niemand den Kopf einziehen.”












