Autokrise: Protest gegen GM-Entscheidung
Die Bochumer Opelaner sind sauer auf General Motors. "Das war eine große Verarschung", sagten sie bei einer Protestveranstaltung
Donnerstag, 14 Uhr, Tor 4 vor dem Bochumer Opelwerk, da zeigte sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der grimmigen Seite: „Das ist unseriös, menschenverachtend und rücksichtslos.” Die wütenden Worte des Landesvaters galten denen von GM in Detroit, die Opel nun doch nicht verkaufen wollen. Das, legte IGM-Bezirksleiter Oliver Burkhard noch einen drauf, „das war eine große Verarschung.”
Schon am Vormittag hatten tausende Opel-Mitarbeiter vom Opel-Stammwerk in Rüsselsheim gegen die plötzliche Kehrtwendung der Amerikaner demonstriert. Stunden später sicherte Rüttgers in Bochum der Belegschaft zu: „Dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Wir werden alles tun, um Arbeitsplätze und Standorte zu sichern. Darauf können Sie sich verlassen.”
"Hässliches Gesicht des Turbokapitalismus"
Keinen müden Cent werde seine Regierung zur Verfügung stellen, wenn der Bochumer Standort nicht garantiert werde, erklärte Rüttgers im Hinblick auf kommende Begehrlichkeiten des Automobilkonzerns. Was GM sich da geleistet hatte, wertete der Düsseldorfer Regierungschef als „hässliches Gesicht des Turbokapitalismus”. Mit tausenden Opel-Mitarbeitern hätten die Amerikaner „Katz und Maus gespielt”. Aber: „Es ist wahr, wir haben einen Rückschlag erlitten, aber wir geben nicht auf.”
Passend zur geladenen Stimmung fiel Regen und ein kalter Wind pfiff über den Opel-Parkplatz an der Wittener Straße. „Opel-Wetter”, wie eine Journalistin treffend konstatierte.
Laut Einenkel wusste Geschäftsleitung auch nicht mehr
Wie sehr die jüngste Opel-Entscheidung des GM-Verwaltungsrates alle überrascht hatte, betonten auch andere Redner. Betriebsratschef Rainer Einenkel über die Opel-interne Lage: „Die Geschäftsleitung hat uns mit Schreiben überschüttet, sie wüssten auch nicht, warum Genral Motors so entschieden hatte.” Viele hätten die Betriebsräte angerufen: „Sie waren entsetzt über die Art und Weise, wie man mit den Menschen umgeht.” Jetzt, so Einenkel, habe man bei Opel wieder eine Hängepartie: „Es wird wieder gepokert.”
Wie es weitergeht mit Opel und natürlich mit Opel Bochum, darüber war die Nachrichtenlage ausgesprochen dünn. Einenkel erinnerte an die Zukunftsverträge, die den Standort Bochum bis zum Jahr 2016 garantieren. Kurzfristig hatten die Betriebsräte beschlossen, alle Verträge überprüfen zu lassen. Die Bochumer Verträge hätten sich als „wasserdicht” erwiesen, machte Einenkel der Belegschaft Hoffnung, warnte gleichzeitig gewisse „Totengräber”, GM geradezu zu ermuntern, diese Verträge zu brechen.
„Was für ein Schlag ins Gesicht,” sagte Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz vor der Belegschaft im Hinblick auf die GM-Entscheidung. „Was ist das nur für ein Partner, der heute ja und morgen nein sagt.”


























