Autoindustrie : Opel will 1800 Stellen in Bochum kappen

Bochum. 1800 Stellen will General Motors allein in Bochum abbauen. Doch die Betriebsratschefs wirkten am Dienstag nach der Bekanntgabe der GM-Zukunftspläne unaufgeregt und gefasst. Es hätte schlimmer kommen können. Zumal der Zafira bald exklusiv in Bochum gebaut werden soll.
Unaufgeregt und äußerlich gefasst haben am Dienstag der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz auf die Ankündigung von Opel-Europa-Chef Nick Reilly reagiert, in Bochum 1799 Stellen abzubauen. Schließlich sehen die „Zukunftspläne” von GM keine ganze Werksschließung wie in Antwerpen (2377 Mitarbeiter) vor, lediglich ein Auslaufen der F13-Getriebeproduktion, angeblich ab Mitte 2011. Außerdem: Der neue Zafira wird exklusiv in Bochum gebaut, im Dreischichtsystem, bei „angepasster Kapazität”.
"Betriebsbedingte Kündigung muss ein Unwort sein!"
Von reflexartiger Empörung über den Aderlass (derzeit 5300 Opelaner in Bochum) war bei den Betriebsräten nichts zu spüren, als sie gestern im Ausstellungsraum des Opel-Werks 1, zwischen legendären Hochglanz-Modellen wie dem Opel GT, nach einer Konzernbetriebsratssitzung vor die bundesdeutsche Presse traten. Offenbar hätten sie sich Schlimmeres vorstellen können. Zudem liegt gar nichts Konkretes über die Art des Abbaus vor, geschweige ein Vertrag. Trotzdem machte Franz klar: „Betriebsbedingte Kündigungen sind ein Tabu. Das muss ein Unwort sein!”
Einenkel meinte zum Abbau von 1800 Stellen: „Damit stehen wir besser da, als man uns vor einigen Monaten angedroht hat”. Auch das angekündigte Auslaufen der Getriebefertigung nahm er scheinbar gelassen hin. Er habe schon viele Schließungspläne in seiner Schublade liegen gehabt, zehn für die Abschaffung der Nachtschicht und mehrere für die Schließung der Getriebefertigung. „Das hat alles bis heute nicht funktioniert.” Im Übrigen sei die geplante Verlagerung der Getriebeproduktion nach Aspern (Österreich) „unsinnig”, weil Opel diese Getriebe aus Bochum in der Zukunft sehr brauche. Außerdem äußerte er die Hoffnung, dass der neue Astra Caravan in Bochum gebaut wird.
Sicher ist nur eins: die Unsicherheit
Von Zuversicht kann dennoch keine Rede sein. Sicher ist bis heute nur eines: Die Unsicherheit. Sie wird die Opelaner weiter strapazieren. Franz sagte einmal: „Ich glaube GM nichts mehr, was nur angekündigt wird.” Und Einenkel stellte denn auch klar: „Wir werden jeden Arbeitsplatz verteidigen.” Wenn jemand ausscheiden solle, müsse GM „Geld in die Hand nehmen”. Und falls nicht, zumindest ein Arbeitszeitmodell anbieten.
Ruhrgebietler können "sehr gut kämpfen"
Zwar war am Dienstag von Arbeitskampf oder Ähnlichem mit keiner Silbe die Rede. Dennoch scheint das Gespenst einer Werksschließung weiter für Unruhe zu sorgen. Einenkel: „Das Merkmal der Menschen im Ruhrgebiet ist: Sie sind sehr stur und können sehr gut arbeiten und sehr gut kämpfen, wenn es darauf ankommt, das Werk zu erhalten. Die Sturheit zeichnet uns aus.” Eine Schließung des Bochumer Werks wäre für GM „eine tödliche Entscheidung”. Das würde die Marke „nachhaltig beschädigen”. „Das Werk lässt sich nicht schließen.” Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle kritisierte er. Dessen These, dass der Staat mit Geld keine Großkonzerne sanieren helfen dürfe, sei „dumm und töricht”. „Fällt der Standort Bochum, würden hier 10 000 Menschen gleichzeitig den Arbeitsplatz verlieren.” Vor allem im Handwerk, in der Logistik. In der Region sogar 25 000. „Das muss jeder, egal, wo er in der Regierung sitzt, begreifen”, sagte Einenkel.
"Abgetaucht"
Auch die Vorsitzende der NRW-SPD, Hannelore Kraft, nahm an dem Treffen der Betriebsräte teil. Sie reiste in einem Opel Insignia mit Düsseldorfer Kennzeichen an. Bundeswirtschaftsminister Brüderle kritisierte sie, er sei "abgetaucht". Bei Opel-Chef Nick Reilly habe sie das Gefühl, dass er meine, das Unternehmen GM ohne die Arbeitnehmer "flottmachen" zu können. Das gehe aber nur "mit ihnen und nicht gegen sie".












