WAZ-Wahlforum: Kandidaten auf dem Prüfstand
Eine muntere Diskussion erlebten die über 200 Besucher am Mittwochabend beim WAZ-Wahlforum von Lokalredaktion und Leserbeirat. Fast drei Stunden wurden die Spitzenpolitiker der Ratsparteien durch die Mangel gedreht.
Eine alte Fernsehweisheit besagt: Man kann über alles reden, aber nicht über „eins-dreißig”. Ob das auch mit Politikern zu schaffen ist, testeten am Mittwoch die WAZ-Lokalredaktion und ihr Leserbeirat. Gemeinsam nahmen sie beim WAZ-Wahlforum die Spitzenkandidaten der Bochumer Ratsparteien ins Kreuzverhör und befragten sie zu Wahlversprechen, Sparzwang und Zukunftsvisionen. Heraus kam eine muntere Debatte und die Erkenntnis, dass 90 Sekunden gleichermaßen zu lang und zu kurz sein können.
WAZ-Lokalchef Werner Conrad und Redakteur Michael Weeke führten im mit über 200 Gästen voll besetzten Lesesaal im Haus der Geschichte durch den Abend. Als Mann an der Stoppuhr unterstützt WAZ-Mitarbeiter Lutz Tomala das Moderatoren-Duo, er hielt die Redezeit der Bochumer Politprominenz im Auge. Kein Statement sollte länger als 90 Sekunden dauern, ein Zeitrahmen, das sei vorweg genommen, den kein Kandidat einzuhalten schaffte.
Die ganze Bochumer Politprominenz
Die übrigens waren vollzählig angetreten. Die vier OB-Kandidaten: Ottilie Scholz (SPD), Lothar Gräfingholt (CDU), Jens Lücking (FDP), Günter Gleising (Soziale Liste); dazu die weiteren Spitzenkandidaten: Wolfgang Cordes (Grüne), Klaus-Peter Hülder (UWG) und Anna-Lena Orlowski (Die Linke).
WAZ-Wahl-Forum im Haus der Geschichte mit dem WAZ-Leserbeirat. Die Kandidaten auf dem Podium hatten eine Vielzahl Fragen zu bestehen.
Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool
Foto: WR
Es ging auch gleich flott los: „Warum sollte wir gerade Sie wählen?”, lautete die Aufwärmfrage ans Podium und führte direkt hinein ins politische Alltagsgeschäft: Erfolgreiche Jahre politischer Verantwortung machte Ottilie Scholz geltend. Vieles sei auf den Weg gebracht worden, manches unvollendet geblieben, einiges über die Stadt hereingebrochen, wofür auch sie nichts könne: „Opel, Nokia und dann wieder Opel”.
Mit einem wohl in allen Ruhrgebietsstädten in ähnlicher Form schon vorgetragenen Klassiker eröffnete Lothar Gräfingholt seine „Bewerbung”. Er spielte auf die Jahrzehnte dauernde SPD-Dominanz in den Rathäusern an der Ruhr an, als er klarstellte „Seit 63 Jahren regiert in Bochum die SPD. Zeit, dass sich was dreht”, erklärte der gebürtige Bochumer Rechtsanwalt, frei nach Grönemeyer. Im übrigen verwies er auf das gute Programm seiner Partei.
So klingt Wahlkampf
Einen Gang höher schaltete Jens Lücking. Er warf Konkurrentin Ottilie Scholz fehlerhafte Entscheidungen etwa beim Cross-Border-Leasing vor, warb für gesunde Stadtfinanzen und versprach eine kraftvolle Wirtschaftsförderung, das klang schon eher nach Wahlkampf.
Günter Gleising stellte als OB-Kandidat klar: „Ich habe mir Realitätssinn bewahrt; ich kandidiere nicht, um Oberbürgermeister zu werden, sondern um unsere Positionen stärker herauszustellen. Wir sind in der Opposition, und diese Rolle wollen wir vernünftig ausführen.”
Der Grüne Wolfgang Cordes erklärte, Bochum brauche nachhaltige Politik, für die seine Partei stehe, im ökologischen wie im ökonomischen Sinn – und räumte ein: „Wir konnten uns an verschiedenen Stellen nicht so durchsetzen wie wir's gewollt hätten”.
Klaus-Peter Hülder (UWG) rückte zu Beginn ein wenig von der Wattenscheid-Fixierung ab: „Wir sind kein Kind der Eingemeindungsdiskussion. Vielmehr gelten wir als Kümmerer vor Ort. Wir schalten uns ein in Fragen der Gesamtstadt.”
Anna-Lena Orlowski (Die Linke): „Wir wollen mehr Transparenz, auch im Haushalt. Zudem stehen wir dafür, die Bürger stärker einzubinden, ob beim Bürgerhaushalt oder beim Sozialticket.”
































